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Plus Eins | Beitrag vom 12.03.2021

Scheitern und das schöne LebenWie André Simonow einmal fast Karriere machte

Moderation: Caro Korneli, Autorin: Luise Makarov

André Simonow liegt in seinem Bett. Szene aus „Scheitern und das schöne Leben”. (Luise Makarov)
André Simonow liegt in seinem Bett. Als ein Angebot aus Bozen kommt, steht er euphorisch auf und packt die Koffer. (Luise Makarov)

Der Berliner Fotograf André liegt in einer dunklen Hinterhofwohnung im Bett und träumt von einem anderen Leben. Kurz darauf bekommt er einen Ruf aus Bozen: André ist eingeladen, eine Kunsthalle aufzubauen. Eine Geschichte über Visionen, Träume und den harten Aufprall.

Zufällig wird Filmemacherin Luise Makarov auf einer Weihnachtsfeier neben den Fotografen André gesetzt. Während sie beide in Rotkraut stochern, erzählt sie ihm von ihrem Filmvorhaben. Für ihre Doku "Liebes Ich" bittet Makarov Menschen darum, sich selbst einen Brief zu schreiben – einen Brief, den sie schon immer bekommen wollten. Bald darauf hat sie Post – ein Brief von André:

"Was ist bloß aus mir geworden?

All die Ideen, welche ich hatte, nie oder nur teilweise umgesetzt.

Ich hab kaum noch Lust auf mich, ich bin es leid, pleite zu sein, ich bin es sowas von leid, mir es leid zu sein, und langsam wird die Zeit auch knapp. Nur manchmal gelingt das, was mir zeigt: André, es kann anders sein. 

An mich, dein André.

Gelegenheitsjobs und dann die Chance

Zu der Zeit ist André Anfang 30. Er ist gelernter Fotograf, doch er kann von seiner Kunst nicht leben. Mit Gelegenheitsjobs hält er sich über Wasser, sammelt außerdem die Werke befreundeter Künstler.

Bald nach Verfassen des Briefes scheinen seine kühnsten Träume Wirklichkeit zu werden: André bekommt das Angebot aus Bozen, in einer riesigen Kaufhaus-Ruine eine Kunsthalle aufzubauen. André zögert nicht – er lässt Freundin, Wohnung und Berliner Künstlerleben hinter sich und reist mit zwei Koffern und großen Visionen nach Südtirol. Sein Projekt "Wiederentdeckung meines Ehrgeizes" hat begonnen.

Voller Euphorie und Tatendrang stürzt sich André in das neue Projekt: Er knüpft Kontakte zu Geldgebern und Künstlerbünden, schreibt Anträge für Fördermittel, organisiert in den leerstehenden Hallen erste Ausstellungen: 

"Wir haben dann diese Ausstellung gemacht und hatten auch gleich Presse. Auf der einen Seite habe ich in nem Loch in der Ecke von dieser riesigen Halle geschlafen und mich am Waschbecken gewaschen. Auf der anderen Seite hatten wir diesen Mega-Internetauftritt mit diesen geilen Fotos und wichtigen Kooperationspartnern und die ganze Welt dachte ‘Wow, was geht ab?!’"

Aber das Projekt zündet nicht. Anträge laufen ins Leere, Versprechen bleiben uneingelöst, Investoren machen dicht. Das Jahr vergeht, die Euphorie schwindet. Nach einem weiteren Jahr muss André einsehen: Der Traum ist geplatzt. Ernüchtert und mit einem Haufen Schulden kehrt er zurück nach Berlin. Und jetzt?

Die Filmemacherin Luise Makarov erzählt bei "Plus Eins" eine Geschichte über das Wollen und Nicht-Kriegen, über Träume, Visionen, Schmerz und Schönheit des Scheiterns – über das was passiert, wenn das Leben dir eine Chance hinhält und du waghalsig genug bist, sie zu ergreifen.

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