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Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 30.05.2014

SchawuotUnd Gott sprach: Macht gefälligst, was ich sage!

Über den Ursprung des jüdischen Wochenfests

Von Evelyn Bartolmai

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Studenten der Freien Universität Berlin betrachten am Freitag (22.06.2012) in der Alten Synagoge Erfurt das Faksimile einer Thorarolle aus dem 13. Jahrhundert. Unter Leitung von Annett Martini (M) erforschen sie die mittelalterlichen hebräischen Handschriften der früheren jüdischen Gemeinde Erfurt. Die Schriftensammlung war bis zu einem Pogrom 1349 im Besitz der jüdischen Gemeinde. Die Alte Synagoge ist nach ihrem Wiederaufbau seit 2009 Museum. (picture alliance / dpa / Foto: Michael Reichel )
Beim Schawout feiern jüdische Gemeinden weltweit die Gabe der Thora (picture alliance / dpa / Foto: Michael Reichel )

Traditionell beginnt das jüdische Schawuot-Fest mit einer langen Nacht des Studiums. Wie es dazu kam? Eine Erklärung mit einem kleinen Augenzwinkern.

Manch einer da am Berg Sinai mag es als Strafe angesehen haben, die ganze Nacht kein Auge zutun zu können. Denn während Moses sich mit dem für ihn ungewohnten Schreiben der Gesetzestafeln abmühte, tanzte sein Volk fröhlich um das Goldene Kalb und hatte längst vergessen, warum es sieben Wochen zuvor aus Ägypten ausgezogen war. Doch der Sinn der schlaflosen Nacht war ein ganz anderer, sagt Max van Gelder von der Israelitischen Kultusgemeinde Zürich.

"Nein, das soll nicht als Strafe angeschaut werden, sondern es soll die Vorbereitung auf das Empfangen sein. Sie haben ja schon gewusst, dass diese Zehn Gebote kommen, das wurde ja schon kommuniziert, und um diesen Moment, den nächsten Moment nicht zu verpassen, war es nicht eine Frage von Strafe, sondern es war, geistig anwesend zu sein und wach zu sein, dass wenn der Moses runterkommt mit den Zehn Geboten, sie sofort da sind und all das aufnehmen können."

Gott hatte die Israeliten auserwählt, seinen Schöpfungsplan zu vollenden, und dazu mussten sie diesen Plan natürlich zunächst kennen und sich auch mit ihrer künftigen Aufgabe, den Völkern ein Licht zu sein, vertraut machen. Das war zugleich die Geburtsstunde des jüdischen Volkes und der jüdischen Religion.

Tanz ums Goldene Kalb war wichtiger als das Gesetz

"Bis dahin hatten die Leute eigentlich keine echte Religion. Sie waren ein Volk, bestehend aus Israeliten, aber nicht jüdische Leute. Aber in dem Moment, wo Gott die Zehn Gebote gegeben hat, dann all diese Menschen, die da anwesend waren in dieser Gruppe, wurden automatisch jüdisch, galten dann als jüdisch durch die Akzeptanz der Zehn Gebote."

Ganz so problemlos, wie es sich jetzt anhört, war es in der Praxis allerdings nicht, denn der Tanz ums Goldene Kalb war schon damals vielen wichtiger als Recht und Gesetz. Und so sprach Gott auch ein Machtwort. Naaseh we nischma auf Hebräisch. Frei übersetzt: Macht gefälligst, was ich sage, diskutiert wird später.

"Das klingt vielleicht eigenartig, wenn ich das so sage, aber man ist wie Kinder, man nimmt die Dinge einfach mal an und erforscht dann erst, was es bedeutet oder erfährt dann durch die Umsetzung, was es bedeutet. Naaseh: machen. Und nischma: Wir verstehen. Und jetzt können wir einen Bogen machen, nischma und neschima, was heißt der Geist. Und so hat man ja die Beziehung zwischen Erfahrung und dem geistigen Vermögen eines Menschen. Und das ist einer der Gründe, warum man lernt."

Strafe für den Tanz ums Goldene Kalb

Zu den ersten Dingen, die das jüdische Volk zu lernen hatte, gehörten die Speisegesetze, also was fortan zu essen erlaubt oder eben verboten war. Kein Schwein zum Beispiel oder Fleisch nicht zusammen mit Milch. Bis heute ist es Brauch, zu Schawuot Milchgerichte zu essen. Bei Milch kann man nichts falsch machen, alles andere muss man erst lernen. Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum am Tag der Übergabe der Torah nur Milchprodukte gegessen werden. Das haben die jüdischen Weisen allerdings erst später herausgefunden, dass genau darin Gott bereits seine Strafe für den Tanz um das Goldene Kalb verhängt hatte.

"Das Wort Milch heißt 'halaw', und 'halaw' besteht aus drei Buchstaben, das ist 'chet', 'lamed' und 'bet'. Und 'chet' hat den Zahlenwert acht, das 'lamed' an dieser Position hat den Wert 30 und das 'bet' zwei, das macht acht plus 30 plus zwei, ergibt die Zahl 40. Und das waren die 40 Tage, die Moses auf dem Berg verbracht hat. Und daraus entstanden auch die 40 Jahre als Strafe. Das war die eigentliche Strafe, dass sie das Land nicht betreten durften, die 40 Jahre in der Wüste, damit sie nicht dabei sind, wenn ihre Kinder und Nachkommen das Land Kanaan-Israel betreten würden."

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14.05.2013 | AUS DER JÜDISCHEN WELT | ARCHIV
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