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Im Gespräch | Beitrag vom 22.06.2021

Schauspielerin und Sängerin Carol SchulerDie Verwandlungskünstlerin

Moderation: Marco Schreyl

Carol Schuler steht mit einem Flügelhorn auf der Bühne einer Aufführung von Herbert Fritsch in Berlin und hebt die Hand. (IMAGO / Peter Udo Maurer)
Musikalisch: Carol Schuler in einer Aufführung von Herbert Fritsch in Berlin. (IMAGO / Peter Udo Maurer)

Die Schweizer Schauspielerin Carol Schuler nähert sich jeder Rolle über das Körperliche, ob für die Rolle als Rapperin in der Netflixserie "Skylines" oder als Tatort-Kommissarin. Als Sängerin schlüpft Carol Schuler noch mal in eine ganz andere Rolle.

"Ich habe den Anspruch an mich selber, dass ich mich nicht wiederhole", sagt Carol Schuler von sich und gesteht, dass sie sich schnell langweilt. Am schnellsten bei sich selbst. Deshalb liebt sie es, Neues auszuprobieren. Schon als Kind konnte sie viele Stunden damit verbringen, sich vor dem Spiegel zu verkleiden und immer wieder andere Charaktere zu entwickeln. "Ich schaff‘ mir jede Rolle erst mal körperlich drauf", sagt Carol Schuler. "Ich geh‘ eigentlich immer von außen nach innen. Ich überleg‘ mir immer zuerst, wie bewegt die sich, was hat die für `ne Körperlichkeit, wie tanzt sie, wie spricht sie." 

Im Bühnenrausch

Schon als sechsjähriges Mädchen stand Carol Schuler auf der Theaterbühne und entdeckte, dass sie das glücklich macht. "Das war wirklich magisch. Als ich zum ersten Mal Theater gespielt habe, hat mich das schon damals so fasziniert, dass man mit einem Schritt von hinter der Bühne in eine ganz andere Realität plötzlich wechselt. Das ist eine Energie, die ist mit nichts zu vergleichen, wenn man vor ein Publikum tritt. Das ist wie ein Rausch, wie so ein Adrenalinkick." Sie liebe es, sich vor anderen Menschen darzustellen, sagt Carol Schuler. 

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"Ich bin gern eine Rampensau. Es war für mich immer eine große Faszination, was man nur mit seiner Stimme und seinem Körper in Menschen auslösen kann, ob’s jetzt Lachen oder Weinen ist." Ihre Eltern hätten sie dabei von Anfang an auf ihrem Weg unterstützt. "Ich hatte eigentlich nie einen Plan B. Ich habe schon immer gesagt, ich will schauspielern, ich will Musik machen und that’s it."

Schicksalhafte Begegnung mit Herbert Fritsch

Eine Offenbarung war für Carol Schuler die Zusammenarbeit mit dem Schauspieler und Regisseur Herbert Fritsch. Er habe als Erster nicht von ihr verlangt, weniger expressiv auf der Bühne zu sein, sondern noch mehr aus sich herauszugehen. 

Carol Schuler (li.) in pastellfarbener Kleidung bei der Herbert-Fritsch-Inszenierung "Null" in der Schaubühne. (IMAGO / Peter Udo Maurer)Bunt, bunter, Schuler: Carol Schuler (li.) in der Herbert-Fritsch-Inszenierung "Null" in der Schaubühne. (IMAGO / Peter Udo Maurer)

"Bei Herbert Fritsch war es wirklich eine schicksalhafte Begegnung für mich. Wir haben uns zum ersten Mal getroffen und es war kein Casting, kein Vorsprechen, wir waren zusammen essen zwei Stunden und dann hat er gesagt: ‚Ja, das passt‘. So wars dann auch und das wurde eine sehr, sehr fruchtbare Zusammenarbeit, die bis heute andauert."

Auf der Bühne alles rauslassen

Bei Proben im Theater habe sie oft gehört, dass sie zu exaltiert und expressiv spiele. Das sei nicht "authentisch" und sie solle weniger machen, erzählt Carol Schuler. Sie habe jedoch ein anderes Verständnis von Authentizität, sagt die Schauspielerin: "Für mich ist, wenn man wirklich alles rauslässt und so groß wie möglich spielt, kann das genauso authentisch sein, wie wenn man jetzt die leisen Töne spielt. Ich glaube, es gibt so eine Behauptung, was authentisch sein soll. Und wenn man im Film ein bisschen vor sich hin nuschelt und das immer alles ganz klein macht, dann ist das total authentisch. Und da hab‘ ich ein bisschen ein anderes Verständnis."

Singende "Tatort"-Kommissarin

Parallel zu ihrer Karriere als Schauspielerin verfolgt Carol Schuler eine Laufbahn als Sängerin. Sie ist die Stimme der Soul-Boogaloo-Band "El Cartel" und der 20er-Jahre Swingband "Chloé et Les Enfants Terribles".

Ihre Liebe zum Gesang verbindet Schuler auch immer häufiger mit der Schauspielerei, indem sie in ihre Rollen Gesangs-Intermezzi einbaut. In der nächsten Folge des Zürcher "Tatort", in dem sie seit 2020 die Kommissarin Tessa Ott spielt, wird Carol Schuler zum Beispiel mit einem Song zu erleben sein.

(ruk)
 

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