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Im Gespräch | Beitrag vom 16.09.2019

Schauspielerin Nina Kunzendorf"Ich mag Geschichten, die mich verstören"

Moderation: Tim Wiese

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Porträtfilm von Nina Kunzendorf vor braunem Hintergrund. (Peter Hartwig)
Bei uns zu Gast: die Schauspielerin Nina Kunzendorf. (Peter Hartwig)

Theater, Film und Fernsehen waren für Nina Kunzendorf ursprünglich nur „Plan B“. Heute ist sie eine der bekanntesten Schauspielerinnen des Landes. Demnächst ist die frühere "Tatort"-Kommissarin in dem Voodoo-Thriller "Totenfieber" zu sehen.

"Ich habe da ein Schweineglück gehabt", sagt die Schauspielerin Nina Kunzendorf über ihren Einstieg ins Theaterleben. Gleich bei ihrem ersten Vorsprechen an der Schauspielschule in Hamburg wurde sie angenommen.

Dabei hatte sie ursprünglich andere Pläne: Obwohl sie schon als Jugendliche in der Theater-AG der Schule und in einer Kirchentheatergruppe gespielt hatte, war die Schauspielerei "eigentlich Plan B". Plan A dagegen ein Studium der Germanistik oder Theaterwissenschaften. "Dann nimmt man’s nicht so dramatisch, wenn’s nicht klappt", meint die 47-Jährige heute.

Eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen

Aber dann klappte es. Und wie. Nina Kunzendorf zählt zu den bekanntesten deutschen Schauspielerinnen und spielte unter anderem am Nationaltheater Mannheim, am Hamburger Schauspielhaus und an den Münchner Kammerspielen.

Später war sie vor allem in Film und Fernsehen zu sehen – nicht zuletzt als Ermittlerin Conny Mey im Frankfurter "Tatort" an der Seite von Joachim Król. Vor sieben Jahren hat sie die Rolle auf eigenen Wunsch aufgegeben, doch noch heute wird sie als "Tatort"-Kommissarin auf der Straße angesprochen.

"Ich nehme das eher als Phänomen wahr", sagt Kunzendorf. "Es gibt ja auch andere Filme, die ich vor sechs, sieben, acht Jahren gemacht habe, die mir wirklich wichtig sind, die mir auch nicht sofort quer über die Straße entgegengerufen werden. Tatort ist tatsächlich etwas Besonderes."

Figuren, die sich nicht so leicht entschlüsseln lassen

Regie, Spielkollegen, Figur, Geschichte, Drehbuch – das sind für Nina Kunzendorf "die Parameter", um sich für eine Rolle zu entscheiden. Es sind die "vielschichtigen Figuren", die sie interessieren, "Figuren, die einem nicht nach zwei Minuten quasi schon so vertraut erscheinen, dass man weiß oder glaubt zu wissen, wie sie sich weiterentwickeln".

Das Gleiche gilt für die Drehbücher. "Ich mag Geschichten, die mich verstören", sagt Kunzendorf. "Ich mag auch gerne leise Geschichten. Ich mag Geschichten, die originell erzählt sind. Ich muss nicht nach zehn Minuten schon wissen, wie der Film ausgehen wird."

Ein Mann versucht eine Frau zu küssen: Sie lehnt versunken an einer Holzwand. Er ist in der Rückenansicht zu sehen, hat seine linke Hand an ihren Hals gelegt und nähert sich ihrem Gesicht. (ARD Degeto/Sofie Silbermann)Szene aus dem ARD-Film "Totenfieber - Nachricht aus Antwerpen": Ellen Bouché (Nina Kunzendorf) und Kommissar Wouters (Steve Driesen) kommen sich näher. (ARD Degeto/Sofie Silbermann)

Beim Fernsehen hat sie allerdings bei der Besetzung von Rollen ein "Schubladendenken" festgestellt. "Ich mag mich gar nicht so festlegen", sagt die Schauspielerin. "Ich kann auch mit so Attributen wie herbe und spröde – ich weiß, das klebt mir so bisschen an, im Zweifelsfall finde ich das ein Kompliment – eigentlich gar nicht so viel anfangen."

Arbeit mit Milo Rau an der Berliner Schaubühne

Nach Jahren vor der Kamera war Nina Kunzendorf zuletzt auch wieder im Theater zu sehen. An der Berliner Schaubühne stand sie unter anderem in "Lenin" von Milo Rau auf der Bühne. "Der Hauptunterschied ist vor allem Zeit", erzählt sie von der Arbeit am Theater. Anders als beim Film habe man die Möglichkeit, mit mehr Ruhe an die einzelnen Szenen heranzugehen: "Man hat einen ganz anderen Atem."

Zu Beginn ihrer Bühnenkarriere in Hamburg habe sie allerdings "irrsinnig mit Nervosität zu kämpfen gehabt". Auch bis heute ist ihr ein gewisses Lampenfieber geblieben: "Würde man mich abends vor der Vorstellung vor die Frage stellen: Willst du spielen oder ein Bier trinken gehen? Ich würde immer ein Bier trinken gehen. Immer."

Eine Unterstützerin von #FridaysForFuture

Grundsätzlich sei sie eher eine Optimistin, sagt Kunzendorf – trotz der schwierigen Weltlage. "Mir machen tatsächlich Demonstrationen Mut", sagt die Mutter zweier Kinder. Sie selbst ist in den letzten Jahren oft demonstrieren gegangen, um auf diese Weise ihre Stimme zu erheben.

"Das ist etwas, was mir im Moment sehr gefällt: Dass die Leute auf die Straße gehen." Auch ihre Kinder unterstützt sie, die regelmäßig an den Fridays-for-Future-Demonstrationen teilnehmen.

"Wenn ich mir anschaue, wie sehr das Thema im Moment in den Medien ist, bei den Politikern gelandet ist, dann wäre ich – stellvertretend für meine Kinder – so selbstbewusst zu sagen, dass ich glaube, dass das viel ausgelöst hat. Dass es eine Kraft hat."

(era)

Nina Kunzendorf ist am 6.10.2019 im Ersten in dem Fernsehfilm "Totenfieber - Nachricht aus Antwerpen" zu sehen.

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