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Im Gespräch | Beitrag vom 11.12.2019

Schauspielerin Leslie Malton"Frauen sind auch jenseits der 40 sehr interessant"

Moderation: Marco Schreyl

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Portrait der Schauspielerin Leslie Malton im Museum für Kommunikation, Berlin. (imago images / Mary Evans)
"Ich bin halbe Wienerin, da lege ich viel Wert drauf", sagt die Schauspielerin Leslie Malton. (imago images / Mary Evans)

Heute ist Leslie Malton vor allem ein deutsches TV-Gesicht. Ihre Karriere begann sie am Wiener Burgtheater an der Seite von Klaus Maria Brandauer. Geboren in den USA, hatte sie lange keinen deutschen Pass. Gerade hat sie den Einbürgerungstest bestanden.

33 Fragen, 33 richtige Antworten - den Einbürgerungstest hat Leslie Malton kürzlich fehlerfrei bestanden. Neben der amerikanischen hat die Schauspielerin jetzt auch die deutsche Staatsbürgerschaft:

"Es wird viel über die Regierung gefragt, wie die gebildet wird, Judikative, Exekutive. Diese ganzen Sachen, wie die alle zusammenhängen, da musste ich sehr pauken."

Eigentlich sollte noch ein Sprachtest folgen. Eine Sprachprüfung für eine Schauspielerin, die am Burgtheater engagiert war und deren Filmographie über mehrere Seiten reicht? Das überzeugte die Damen und Herren vom Amt, der Test konnte ausfallen.

Geboren wurde Leslie Malton in Washington, D.C. Der Vater amerikanischer Diplomat, die Mutter eine österreichische Maklerin. Eine Kindheit in den USA, dann viele Jahre in Österreich, später Deutschland. Welche Spuren hinterlässt das?

Washington, Wien, Berlin

"Ich bin halbe Wienerin, da lege ich viel Wert drauf. Ich habe meine Teenagerjahre in Wien verbracht. Das Wienerische ist mir sehr nah. Das Amerikanische an mir ist, vielleicht so die Leichtigkeit, ohne leichtfertig zu sein. Ich überlege nicht zwölf Mal, sondern ich sage ja. Aber wenn man alles zusammenzählt, wo ich am längsten gewohnt oder gelebt habe, dann bin ich eigentlich Berlinerin."

Mit 14 hatte Leslie Malton beschlossen, Schauspielerin zu werden, mit 27 stand sie auf der Bühne des Wiener Burgtheaters. An der Seite von Klaus Maria Brandauer spielte Malton die Ophelia in Shakespeares Hamlet:   

"Das ist schon etwas sehr Besonderes, also als halbes Wiener Mädel an die Burg zu gehen. Und dann eben auch in dieser Konstellation. Da habe ich auch George Tabori kennenlernen dürfen. Er hat uns beigebracht, sich selbst zu vertrauen."

Später drehte Leslie Malton vor allem für das Fernsehen. Der Vierteiler "Der große Bellheim", unter anderem mit Mario Adorf und Dominique Horwitz, war einer ihrer größten Erfolge. Mehrfach wurde sie dafür ausgezeichnet.

Aus einem Drehbuch einen Menschen machen

Heute ist Leslie Malton 61. Ein Alter, wo die Angebote bei einigen Schauspielerinnen ausbleiben: "Ich habe das große Glück, dass ich das bis jetzt noch nicht erfahren habe. Es hat sich aber auch etwas verändert. Die Leute merken, dass Frauen auch jenseits der 40 sehr interessante Persönlichkeiten sind. Natürlich bekommt man auch Drehbücher, als Mutter oder Großmutter. Wo ich dann frage, hat die Dame keinen Namen? Man muss manchmal den Autoren und Regisseuren ein bisschen unter die Arme greifen, einen Menschen daraus machen."

Die Schwester leidet am Rett-Syndrom

Für Leslie Malton geht es bald wieder in die USA. Dort wohnen ihre Mutter und auch ihre Schwester Marion. Sie leidet am Rett-Syndrom, was eine schwerwiegende Entwicklungsstörung zur Folge hatte. Vor allem Mädchen sind davon betroffen. Seit einigen Jahren ist daher Leslie Malton Botschafterin für Kinder mit Rett-Syndrom in Deutschland.

Gern würde sie ihre Schwester nach Berlin bringen, dann könnte sie sich besser um Marion kümmern: "Sie wird gut betreut, aber man macht nichts mit ihr. Also die Sonderpädagogen, die wir in Deutschland haben, sind viel besser. Ich würde sie gern hierherholen. Aber ich kann es nicht bezahlen. Sie ist Amerikanerin."

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