Schauspieler Murathan Muslu

    Auf der Suche nach dem perfekten Film

    32:49 Minuten
    Der österreichische Schauspieler und Rapper Murathan Muslu posiert 2017 in Köln am Set des Thrillers "7500".
    "Das Essen muss auf den Tisch": Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete Murathan Muslu auf dem Bau. © picture alliance / dpa / Horst Galuschka
    Moderation: Marco Schreyl · 17.08.2021
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    Murathan Muslu jobbte erst auf dem Bau, später machte er Musik und trat mit seiner Band in Videoclips auf. Hier wurde sein Schauspieltalent entdeckt. Inzwischen muss sich der Wiener Schauspieler über Engagements keine Sorgen mehr machen.
    "Ich hätte nie gedacht, dass ich so weit komme", sagt Murathan Muslu. Seinen beruflichen Weg der letzten Jahre kann der Schauspieler - man hört es ihm an - noch immer nicht wirklich begreifen. Fast ungläubig schaut er auf seine Filme und Auszeichnungen zurück.
    In den Serien "Skylines" und "Vorstadtweiber" spielte er mit, war mehrfach im "Tatort" dabei, im Kino wird er bald in "Hinterland" zu sehen sein: "Manchmal hatte ich im Jahr vier Projekte parallel, bin von A nach B nach C nach D geflogen, in einer Woche."

    Vom Bauarbeiter zum Schauspieler

    Auf dem Festival in Locarno wurde "Hinterland", ein Antikriegsfilm, gerade mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. 2015 gewann Muslu den Österreichischen Filmpreis. Das alles erscheint ihm irreal, denn der gebürtige Wiener hat nie eine Schauspielschule besucht und das Gymnasium ohne Abschluss verlassen.
    Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete er auf dem Bau. "Ich war ziellos in dem Sinne, dass ich nicht gewusst habe, wohin mit mir. Aber ich habe gewusst, das Essen muss auf den Tisch. Deswegen muss ich arbeiten gehen."
    Ein wenig vermisst er die Baustellen inzwischen sogar: "Weil ich gerne mit den Händen arbeite. Du kannst ja durch körperliche Betätigung den Geist stärken."

    "Halt die Schnauze, nimm das Geld"

    Als der heute 39-Jährige seinen ersten Film dreht, beträgt die Tagesgage 400 Euro: "Ich hatte noch nie so viel Geld gesehen. Ich habe das nicht richtig realisiert: So viel Geld, an nur einem Tag."
    Derartige Summen für einen Anfänger? Murathan Muslu glaubt an einen Fehler, sagt sich aber: "Halt die Schnauze, nimm das Geld, vielleicht fällt es den Leuten nicht auf. Quetsch' die Zitrone solange aus, solange du sie ausquetschen kannst."
    An seine erste Filmrolle kommt er über den Regisseur Umut Dağ. Muslu spielt in einer Band, diese begleitet auf einer Tournee den Rapper Sido.

    Das Publikum entscheidet

    Die Videos der Band dreht Umut Dağ. Und als der seinen ersten Kurzspielfilm plant, engagiert er Murathan Muslu. Der glaubt an einen einmaligen Auftritt, doch der Film wird mehrfach ausgezeichnet.
    Wenig später wird Muslu für den Wiener "Tatort" besetzt, spielt plötzlich neben seinem Kindheitsidol Harald Krassnitzer: "Ich habe echt weiche Knie gehabt."
    Was Muslu nicht mag, sind Fragen nach der Intention von Filmen: "Was will der Film zeigen? Ehrlich gesagt, damit beschäftige ich mich nicht so sehr. Das ist die Aufgabe des Publikums. Die Leute entscheiden am Ende, welche Eindrücke sie haben. Ich bin fokussiert auf die Rolle, die Figur."
    Trotz zahlreicher großer Rollen in den vergangenen Jahren ist Murathan Muslu weiterhin auf der Suche. Er würde gerne mal in einem Film mitspielen, der von Anfang bis Ende "fantastisch gut" sei, sagt er: "Ich bin auf der Suche nach diesem Film. Ich bin auf der Suche nach einem Film, wo alles perfekt ist."
    (ful)
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