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Im Gespräch | Beitrag vom 28.01.2020

Schauspieler Hannes JaenickeDer Unermüdliche

Moderation:Tim Wiese

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Hannes Jaenicke sitzt im Rahmen der Messe "Boot Düsseldorf" auf einem Segelboot. (Imago/Oliver Langel)
Hannes Jaenicke: Schauspieler, Autor, Umweltaktivist. (Imago/Oliver Langel)

Die meisten kennen ihn als Schauspieler und einige als Drehbuchautor. Doch auch in seiner Rolle als Umweltaktivist wird Hannes Jaenicke immer prominenter. Im Herbst erschien sein Buch über die Weltmeere, nun legt er eine Dokumentation über Lachse vor.

Hannes Jaenicke gehört zu den erfolgreichsten Schauspielern Deutschland; er ist in zahlreichen deutschen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Der Durchbruch gelang ihm 1984 mit dem Thriller "Abwärts" an der Seite von Götz George. Er drehte auch in den USA, wo er teilweise aufwuchs. Seine Vorbilder: Al Pacino und Robert de Niro. Sein Traum, in einem Film von Martin Scorsese mitzuspielen, blieb unerfüllt.

Lachse und die Massentierhaltung

Schon lange engagiert sich der Schauspieler für die Umwelt. Er dreht Filme über bedrohte Tierarten wie Orang-Utans, Haie oder Eisbären und setzt sich mit der Zerstörung der Meere auseinander. Sein aktuelles Thema: Lachse.

"Das ist vermutlich die krasseste Massentierhaltung, die es überhaupt gibt. In so einem Gehege - die werden ins Meer reingebaut oder in die Fjorde - leben zwischen 200.000 und 500.000 Tiere auf allerengstem Raum. Und weil sich dort Krankheiten, Parasiten irrsinnig schnell ausbreiten, werden diese Tiere mit massiven biologischen und chemischen Keulen behandelt. Und das Problem ist, dass alles, was man in einer Farm einsetzt, sofort in das freie Gewässer geht, weil die Farmen in den Fjorden stehen. Und sie stehen vor allem in den Migrationsrouten der letzten wilden Lachse."

Die Katastrophe von Sandoz als Schlüsselerlebnis

Schon als Jugendlicher interessierte sich Hannes Jaenicke für Greenpeace. Ein Schlüsselerlebnis: die Katastrophe von Sandoz 1986, als im Rhein massenweise Fische starben. Seitdem streitet er unermüdlich für die Umwelt. Heute seien ökologische Fragen brennender denn je, sagt Jaenicke - und Aktivisten wie Greta Thunberg hätten seine volle Unterstützung.

"Ich bewundere sie für ihre stoische Art, alles zu ertragen, was über sie ausgegossen wird an Hass, an Morddrohungen. Es gibt ja Aufkleber für Autos, da sieht man nur die Zöpfe auf einer Kofferraumklappe und darunter steht: Problem gelöst. Es gibt Aufkleber, da steht drauf: 'Fuck Greta' - wo ich denk‘, was sind das für Idioten, die sich so was auf den Kofferraum kleben. Also ich bewundere, was sie losgetreten hat und die Bewegung, die sie in Gang gesetzt hat. Sie ist ja nicht allein. Luisa Neubauer ist eine brillante junge Studentin, Jakob Blasel aus Kiel – es gibt ja phantastische Vertreter dieser FFF-Bewegung. Ich laufe da regelmäßig mit kann nur sagen: Das sind Kinder, die sind so was von informiert."

Zum Theater wie die Jungfrau zum Kind

Als 19-Jähriger arbeitete Hannes Jaenicke als Barkeeper in einer Kneipe, in die Theaterleute nach der Vorstellung gingen. Zwei Schauspieler schlugen ihm vor, sich bei einer Schauspielschule zu bewerben und übten mit ihm Monologe. Weil Hannes Jaenicke "keinen Plan" für seine Zukunft hatte, ließ er sich darauf ein.

"Ich bin nach Salzburg ins Mozarteum gefahren mit den vier vorbereiteten Monologen, bin da durchgerasselt und habe gesagt, okay, dann soll das nicht sein - und stand da als Hitchhiker, als Anhalter, am Parkplatz des Mozarteums und wollte zurück nach Deutschland. Da fuhr ein VW-Bus vor und sagte: 'Hey, pass mal auf. Ich bin in der Regieprüfung durchgerasselt, aber es gibt noch eine Schule in Wien, da fahr' ich jetzt hin. Kommste mit?' Ich sag' 'Ach ja, ich hab frei, ich war noch nie in Wien.' Und der  hatte einen schönen großen VW-Bus, und ich fuhr mit. Und dann habe ich es in Wien probiert, und die haben mich genommen. Ich bin dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Es war eigentlich ein Jux, den ich da ausprobieren wollte."

Vegetarischer Vielflieger

Seit vierzig Jahren ist Hannes Jaenicke Vegetarier. Den täglichen Fleischkonsum findet er genauso übertrieben wie Fluggesellschaften, die Billigflüge nach Mallorca anbieten. Um seine weltweiten Dokumentationen zu realisieren, muss das Film-Team allerdings häufig ins Flugzeug steigen.

Im nächsten Monat wird Jaenicke sechzig Jahre. Kein Problem, sagt er. Mit seiner Frau werde er dann eine gute Flasche Wein aufmachen - "und fertig ist die Laube." Eine Party werde es nicht geben.

"Den großen Einschnitt hatte ich letztes Jahr, da ist meine Mutter verstorben", erzählt der Schauspieler. "Ich muss gerade ihren Haushalt auflösen. Das war sicherlich der größte Einschnitt, den ich bisher in meinem Leben hatte. Geburtstage sind für mich einfach – Zahlen. Aber als Götz George gestorben ist, 2016, das war ein Einschnitt, von dem hab ich unendlich viel gelernt – das sind für mich die Einschnitte, wenn Leute gehen."

(svs)

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