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Interview | Beitrag vom 08.04.2021

Schäden im deutschen ForstGeld allein rettet den Wald nicht

Jana Ballenthien im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Kaputte Bäume: Waldschaden durch Trockenheit und Borkenkäferbefall. (picture alliance / blickwinkel / W. Willner)
Waldschäden durch Trockenheit und Borkenkäferbefall im Harz. Vor allem Fichtenmonokulturen seien betroffen, sagt Jana Ballenthien. (picture alliance / blickwinkel / W. Willner)

Waldbesitzer fordern eine "Klimaprämie", da ihre Wälder große Schäden davongetragen haben. Keine schlechte Idee, findet Jana Ballenthien von der Naturschutzorganisation "Robin Wood". Allerdings sollte das Geld an sinnvolle Maßnahmen gekoppelt sein.

Dem deutschen Wald geht es schlecht: Zu wenig Wasser und der Borkenkäfer ist zu einer Plage geworden. Der Deutsche Forstwirtschaftsrat beziffert nun den Schaden auf eine Summe von 12,75 Milliarden Euro. Die Waldbesitzer wollen deswegen vom Staat finanziell unterstützt werden.

Nach dem "Nationalen Waldgipfel" 2019 waren schon Hilfsprogramme auf den Weg gebracht worden. Damals hatte das Landwirtschaftsministerium 800 Millionen Euro Fördergelder für den Wald ausgeschrieben.

Außerdem wurden im Rahmen des Konjunkturpakets von Bund und Ländern weitere 700 Millionen Euro für den Wald zur Verfügung gestellt. Diese flössen jedoch nur zögerlich ab, bemängelt Georg Schirmbeck, Präsident des Forstwirtschaftsrates. Die finanziellen Hilfen müssten deswegen verstetigt und ausgebaut werden.

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Man könne und müsse Waldbesitzern Geld geben, sagt Jana Ballenthien. Sie ist Soziologin, Naturpädagogin und Waldreferentin bei der Umwelt- und Naturschutzorganisation "Robin Wood".

Es braucht strukturreichere Wälder

Doch gebe es daran einige Haken: "Zum einen sollte es nur an die Waldbesitzenden gehen, die wirklich einen Schaden erlitten haben und auch generell gewillt sind, die Ursachen zu beheben. Oder an Waldbesitzende, die jetzt endlich geläutert sind und das Geld in die richtigen Maßnahmen stecken", fordert Ballenthien. So müsse der Umbau zu strukturreicheren und stabileren Wäldern vorangetrieben werden.

Schäden würden aktuell vor allem Fichtenmonokulturen betreffen, erklärt die Waldreferentin. Von 177 Millionen Festmetern, die Schaden erlitten haben, entfielen allein 145 Millionen auf die Fichte.

"Das ist einer jahrzehntelangen Waldbaupolitik geschuldet und nicht nur den Dürrejahren 2018 bis 2020", so die Expertin. Nun müsse geprüft werden, "dass wir wegkommen von diesen Wäldern, die auf einen schnellen Festmeterzuwachs, auf die falschen Arten an den unpassenden Stellen und auf Monokulturen setzen", so Ballenthien.

Eine Umkehr der bisherigen Forstwirtschaft

Es gebe Waldbesitzer, die seit Jahrzehnten naturnah bewirtschafteten. Doch dies sei eine kleine Gruppe. Ob in Zukunft alle im Sinne des Klimaschutzes agierten, sei fraglich, so Ballenthien. "Die Forstwirtschaftslobby bläst immer noch in das gleiche Horn wie seit Jahrzehnten."

Eine "Klimaprämie", die wirklich dem Wald zu Gute komme, müsse die richtigen Maßnahmen unterstützen. "Eigentlich müsste es eine komplette Umkehr der bisherigen Forstwirtschaft bedeuten und des dahinter stehende Wirtschaftsmodells", fordert Ballenthien.

Es brauche eine "maßvolle Entnahme von Holz, die nicht an Verträge gekoppelt ist, was pro Jahr erwirtschaftet werden muss". Außerdem müssten Maßnahmen getroffen werden, die an Klima- und Artenschutz gekoppelt sind. "Das muss natürlich refinanziert werden." Dafür brauche es indes keine Maschinen und Zäune, so Ballenthien.

(nho)

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