Saudi-Arabien

    Klimafreundlicher mit Ölförderung?

    07:33 Minuten
    Ein saudischer Mann schaut durch ein Flugzeugfenster, durch das eine Ölraffinerie zu sehen ist.
    Weniger Öl, mehr Solarenergie: Saudi-Arabien stellt sich um. Klimaschutz sei dabei nur ein positiver Nebeneffekt, sagt Tobias Zumbrägel. © AFP / Giuseppe Cacace
    Tobias Zumbrägel im Gespräch mit Dieter Kassel · 23.10.2021
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    Saudi-Arabien verdient viel Geld mit dem Erdölexport. Dennoch will es unabhängiger vom Öl werden. Eine Wende in der Klimapolitik? Es gehe eher um wirtschaftliche und politische Motive, sagt der Energie-Experte Tobias Zumbrägel von der NGO Carpo.
    Saudi-Arabien exportiert so viel Erdöl wie kein anderes Land der Welt – und ist damit steinreich geworden. Doch in dem erzkonservativen, autokratisch regierten Staat setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass die Abhängigkeit vom Öl angreifbar macht. Das zeigte sich zuletzt bei dem wirtschaftlichen Einbruch durch die Coronapandemie.
    Schon seit einigen Jahren setze Saudi-Arabien deshalb auf eine Diversifizierung seiner Wirtschaft und Energiequellen, sagt Tobias Zumbrägel von der Nichtregierungsorganisation CARPO.
    Vor allem die Solarenergie werde ausgebaut. Dazu brauche die Regierung allerdings viel Geld, das wiederum durch die Einnahmen aus dem Erdölexport in den Staatshaushalt fließe:
    "Für Saudi-Arabien schließt sich das nicht aus, durchaus sehr viel Öl zu exportieren, auch in Zukunft. Das ist kein Segment, von dem man sich komplett verabschieden möchte."

    Weg vom Image des bösen Erdölexporteurs

    Dass das Land aktuell zum Gipfel "Saudi Green Initiative" in Riad lädt, hat nach Überzeugung Zumbrägels viel mit Kalkül zu tun:
    "Hier möchte sich Saudi-Arabien von dem Image des bösen Ölexportierers verabschieden und zeigen, dass das Land auch eine grüne Führungsrolle einnehmen kann. Das hat aber nicht so viel mit umweltbezogenen Aspekten zu tun, sondern vielmehr politisch und wirtschaftlich."
    Weil es stets um wachsenden Wohlstand gehe, gebe es in der breiten Bevölkerung noch kein Gespür für die "gravierenden ökologischen Probleme", so der Experte. Dabei seien diese längst sichtbar: Die ohnehin vorhandene Wassernot habe sich verschärft. Und in der Hafenstadt Dschidda am Roten Meer habe es in den letzten Jahren vermehrt Sturzfluten gegeben. Mittlerweile werde der Klimawandel in der Region zumindest nicht mehr geleugnet.
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