Saubere Technologien auf Basis regenerativer Energie

Von Ralf Krauter |
Im Silicon Valley herrscht wieder einmal Aufbruchstimmung. Nach der "Silizium-Revolution" in den 1970er Jahren, als hier das weltweit bedeutendste Zentrum der Halbleiterindustrie entstand und dem IT-Boom in den 1990ern ist jetzt die Ökotechnologie gefragt.
Den Planeten retten und dabei Geld verdienen - das ist das Motto der boomenden Cleantech-Industrie. Risikokapitalgeber investieren Milliarden, junge Firmen schießen wie Pilze aus dem Boden. Ihr Vision: Technologien und Produkte zu entwickeln, um die Welt vor dem drohenden Klimakollaps zu bewahren. Billigere Solarzellen, besserer Biosprit, effizientere Kraftwerke – solche Innovationen versprechen ein sauberes Geschäft.

Grün und gut: Das Silicon Valley ist dabei, sich neu zu erfinden. Saubere Technologien sollen das Zugpferd des 21. Jahrhunderts werden. Selbst die lähmende Wirtschaftskrise kann die Goldgräberstimmung kaum trüben. Und dank Barack Obamas früher Festlegung, dem Klimaschutz während seiner Präsidentschaft oberste Priorität einzuräumen, darf man nun kräftigen Rückenwind aus Washington erwarten.

Diese Woche hat der künftige Mann im Weißen Haus den Physiknobelpreisträger Steven Chu aus dem kalifornischen Berkeley offiziell als Energieminister nominiert. Weil Steven Chu als Messias der erneuerbaren Energien gefeiert wird, ist das ein deutliches Signal, dass die neue Regierung die Energiewende voran treiben will. Das Ziel ist klar: Weg vom Öl, Schluss mit der gefährlichen Abhängigkeit von Schurkenstaaten, hin zu erneuerbaren Energiequellen wie Wind, Sonne und Biomasse, geerntet in den Weiten Amerikas.

Die Technologien, die es nötig sind, um diese Vision in absehbarer Zeit Wirklichkeit werden zu lassen, werden in Kalifornien bereits erprobt. Strenge staatliche Umweltschutzauflagen haben die Industrie des bevölkerungsreichsten US-Bundesstaates schon vor Jahren zum Umdenken gezwungen.

So hat Gouverneur Arnold Schwarzenegger beispielsweise die Stromversorger verpflichtet, den Anteil grünen Stroms in ihren Netzen bis 2010 auf 20 Prozent zu erhöhen, bis 2020 sind 33 Prozent Pflicht. Diese Vorgaben haben die Nachfrage so stimuliert, dass sich die Entwickler von Solarthermie- und Photovoltaik-Kraftwerken kaum vor Aufträgen retten können.

Doch auch andere Sektoren der Cleantech-Industrie wachsen rasant. Biokraftstoffe der nächsten Generation versprechen ein großes Geschäft zu werden. Innovative Baustoffe, die Kohlendioxid bunkern, statt es frei zusetzen, könnten den Klimasünder Baubranche zum ökologischen Musterknaben machen.

Und auch bei der Zukunft des Automobils hofft man im Silicon Valley ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Unter dem Schlagwort Auto 2.0 bereitet eine mächtige Allianz aus Firmen, Forschern und Geldgebern die massenhafte Markteinführung von Elektroautos vor, die statt Benzin oder Diesel nur noch grünen Strom zapfen.