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Interview | Beitrag vom 17.09.2021

Satiriker Florian SchroederWas an der Meinungsfreiheit nervt

Moderation: Ute Welty

Der Kabarettist und Satiriker Florian Schroeder im Porträt (picture alliance / zb / Kirsten Nijhof)
Will "mehr Hirn, weniger Hysterie" in der Debatte: Kabarettist und Satiriker Florian Schroeder. (picture alliance / zb / Kirsten Nijhof)

Florian Schroeder hat die erbitterten Grabenkämpfe satt: Hier woke, junge Leute, da alte weiße Männer. Sein neues Buch heißt deshalb "Schluss mit der Meinungsfreiheit". Man dürfe ihn ruhig falsch verstehen, sagt der Satiriker.

Es ist eine Zeitdiagnose, zu der es den Kabarettisten und Satiriker Florian Schroeder gedrängt hat: Er beobachtet mit wachsendem Unbehagen das Lagerdenken, die Grabenkämpfe, "den ganzen Quatsch, der über die Meinungsfreiheit verbreitet" werde, wie er sagt: "Die einen sagen, wir dürfen gar nichts mehr sagen, und die anderen wollen festlegen, wer noch in wessen Namen sprechen darf."  

Begegnung beim Beanspruchen des Opferstatus'

Das alles führe nicht weit, glaubt Schroeder, weshalb er sein Buch "Schluss mit der Meinungsfreiheit" genannt habe. Jene, die die Meinungsfreiheit "so für sich instrumentalisieren wollen, die brauchen wir immer weniger", betont er. Ganz bewusst irritiere er die Menschen, das sei schließlich sein Job:  "Wer jetzt bei einem Buch eines Satirikers denkt, er müsse das falsch verstehen, der soll das tun. Auch das gehört zur Freiheit."

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Bei den Lagern, die sich in dieser Zeit gegenüber stehen, beobachtet Schroeder bei allen Unterschieden auch eine Gemeinsamkeit: "Im Grunde begegnen sich die so genannten Märtyrer, also die konservativen, reaktionären, meistens älteren Männer, die sagen, wir dürfen gar nichts mehr sagen, und die junge, woke Blase." Sie träfen sich im Beanspruchen eines Opferstatus: "Beide haben das Gefühl, sie sind Opfer. Und beide gefallen sich zum Teil auch sehr darin, Opfer zu sein. Das halte ich für anti-aufklärerisch."

Die Debatten werden sich beruhigen

Pessimistisch möchte der Kabarettist trotz allem nicht sein. "Ich glaube, dass die vernünftige Auseinandersetzung prinzipiell möglich ist", sagt er. Einige hätten in dieser Zeit Probleme damit, dass bisher wenig gehörte Gruppen nun mitreden dürften.

Das sei aber eine vorübergehende Phase, zeigt sich Schroeder überzeugt: "Ich glaube, je weiter wir da kommen, je fortschrittlicher wir sind, desto mehr werden sich diese Debatten auch erledigen und beruhigen, weil es selbstverständlicher wird, dass es einfach mehr Vielfalt gibt."

(bth)

Florian Schroeder: "Schluss mit der Meinungsfreiheit! Für mehr Hirn und weniger Hysterie"
dtv, München 2021
369 Seiten, 16 Euro

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