Sandmännchen, Clown und Seelsorger

Von Nicole C. Merz · 30.08.2008
Da die Menschen immer mobiler wurden und gerade der Urlaub ein religionsfreier Raum zu sein schien, taten plötzlich Seelsorger in Feriendomizilen ihren Dienst, gründeten an der Nordsee die Strandkorbkirche oder gingen auf die Campingplätze. Die Campingkirche im Freizeitcenter Oberrhein in Stollhofen, wurde vor 30 Jahren gegründet.
Kinder singen mit Begeisterung: Hallelu, Hallelu, Hallelu, Halleluja! Preiset den Herrn!

"Also die Campingkirche lässt wirklich Spuren..."

" ... weil sie gigantisch ist, weil es unheimlich Spaß macht und weil der christliche Gedanke unter die Leute kommt und das auch ganz prima ist."

"Das ganze Angebot ist toll und was die für die Kinder machen ist toll, für Erwachsene wird was gemacht, also ich find’s insgesamt super."

"Es steckt auch an. Grad die Lieder sind unheimlich schön und da kriegt man auch als Elternteil einfach Lust auch mitzumachen und es ist ein bisschen anders Kirche als man so kennt- Sonntagsgottesdienst. Es hat mich positiv überrascht."

"Die Kinder haben jedes Jahr wieder ihre Freude dran und lernen neue Lieder, die wir Zuhause dann wieder weiter singen können."

"Campingkirche ist für mich der Robinsonclub mit anderer Qualität und anderer Spiritualität von Seiten der Kirche."

Campingkirche im Freizeitcenter Oberrhein. Hier werden die Urlauber nicht mit einem Halleluja am Morgen geweckt, tagsüber mit Weihrauch vollgequalmt und abends mit Glockenklang in den Schlafsack getrieben.

Albrecht Kollefrath: "Für die Erwachsenen bieten wir Kreativtreffs an. Wir haben hier eine Bücherei, wo die Erwachsenen auch Bücher und Spiele ausleihen können. Wir haben ein Aerobic-Angebot oft im Sommer. Dann haben wir verschiedene Abendimpulse und Morgenimpulse, also mehr religiöse Angebote, die von dem Erwachsenen wahrgenommen werden kann, und es gibt dann noch verschiedene sportliche Dinge."

Pastoralreferent Albrecht Kollefrath hat auf Wunsch der Erzdiözese Freiburg vor 30 Jahren die Campingkirche im Freizeitcenter Oberrhein aufgebaut. Was einmal mit ein paar Wohnwagen und vier Mitstreitern begonnen hat, ist beträchtlich gewachsen. Jährlich helfen 80 Ehrenamtliche mit. Sie wohnen in einer festen Unterkunft, haben zwei große Zelte und eine Wiese für Lagerfeuer, Sport und Spiel zur Verfügung.

Zum Team gehören Studenten und Azubis, die Praktika absolvieren ebenso wie langjährige Mitarbeiter. Einer von Ihnen ist Bernhard Zöller. Er kam vor 28 Jahren zur Campingkirche. Seither arbeitet der Pastoralreferent aus Schwetzingen jedes Jahr wieder mit dabei.

"Dann macht mir halt wahnsinnig Spaß, wenn ich abends ein bisschen Animation mach im Sandmännchen und die 50, 100, 150 oder in der Hauptsaison 200 Kinder, die schauen dich an, die machen mit, und es ist eine Dreiviertelstunde einfach Freude vermitteln und auch gleichzeitig Freude empfangen."

Die Kinder malen neben Clowns und Papageien ein Bild von der keuschen Susanna oder basteln den Esel des barmherzigen Samariters.Und lesen die dazugehörigen Geschichten. Die Kinder sind begeistert. Das macht die Eltern neugierig. Wenn sie dann selbst die Campingkirche besuchen, staunen sie häufig über das überhaupt nicht missionarische Angebot.

Religiöse Impulse werden von der Campingkirche bewusst dezent gesetzt. Dem Besucher steht es frei, sie wahrzunehmen oder lieber nur an einer Vater-Sohn-Sägearbeit teilzunehmen. Eine feste, religiöse Institution der Campingkirche ist allerdings der Sonntagsgottesdienst.

Albrecht Kollefrath: "Es sind meistens Familiengottesdienste wo Kinder bestimmte Elemente vorbereiten, wo wir eben auch immer ein Leitwort haben für den Sommer, das heißt in diesem Jahr "Tatort Bibel". Wir bauen unsere Gottesdienste immer so auf, dass es immer wie ein Kriminalfall aussieht, also zum Beispiel letzten Sonntag, da hatten wir das Thema "Der barmherzige Samariter". Das hieß dann bei uns "Ein Raubüberfall und unterlassene Hilfeleistung"."

Die spannenden Gottesdienste sind beliebt. Das blaue Kirchenzelt ist oft bis zum letzten seiner 300 Plätze gefüllt - auch mit Besuchern, die normalerweise nicht in die Sonntagskirche gehen. Hinter dem Erfolg der Campingkirche steckt viel Arbeit und Präsenz auf dem Campingplatz. Ab der Osterwoche ist Kollefrath regelmäßig auf dem Campingplatz am Oberrhein. In der Hauptsaison von Juli bis September wohnt er sogar auf dem Campingplatz. Sein Tag beginnt früh um sechs Uhr. Da erledigt er die Büroarbeit. Dann wartet das Team auf ihn.

Albrecht Kollefrath: ""Um neun beginnen wir dann in der Regel das Tagesprogramm entweder mit einem religiösen Impuls für die Camper oder mit einer sportlichen Aktivität, die wechseln immer ab. Zehn Uhr ist dann Kinderstunde. Das geht dann etwa bis zwölf Uhr. Dann gibt’s auf dem Campingplatz so eine Mittagspause bis etwa 16 Uhr, und dann trifft sich das Team wieder und bereitet eben die Kreativtreffs vor, die um 17 Uhr beginnen und die dann bis 19 Uhr dauern.

20 Uhr beginnt dann in der Regel das Abendprogramm mit dem sogenannten Sandmännchen. Und 21 Uhr sind dann weitere Abendveranstaltungen. Das ist dann Jugendhock, Filmabende, Abendgebet oder auch mal ein Skatabend. Der Tag neigt sich dann so um 23 Uhr dem Ende entgegen und dann sitzt man meistens noch so eine Stunde mit dem Team zusammen."

40 bis 50.000 Urlauber nehmen jährlich die engagierten Angebote der Campingkirche wahr. Viele revidieren hier ihre Meinung von einer langweiligen, verstaubten Kirche. In ungezwungener Atmosphäre entstehen Gespräche über Gott und die Welt. Manch einer entdeckt auf dieser freien und lockeren Basis seinen Glauben neu.