Seit 01:05 Uhr Tonart
Donnerstag, 05.08.2021
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 08.03.2015

Sandboarding in der WüsteKein Schnee? Kein Problem!

Von Jan-Philippe Schlüter

Sandboarder in den Sanddünen der Namib Wüste. (picture alliance / dpa / Thomas Schulze)
Sandboarder in den Sanddünen der Namib Wüste. (picture alliance / dpa / Thomas Schulze)

Vor dem Klimawandel haben Pistenfans in der Wüste Namibias keine Angst. Statt auf Schnee rutschen sie Sanddünen hinunter. Netter Nebeneffekt: Man braucht keine unförmigen Schneeklamotten - und das Meer ist gleich nebenan.

Wer runter will, muss erstmal hoch. In der Hitze Namibias stapfe ich die Düne nach oben. Meine Snowboardschuhe versinken im Sand und rutschen immer wieder runter. Ein Lift wäre schön, sage ich zu meinem Sandboard-Lehrer Raymond. Der Mann mit den Rasta-Locken grinst nur.

Der Lift ist leider kaputt. Morgen wird er bestimmt repariert. Aber heute müssen wir laufen.

Einen Lift gibt es in den Dünen vor Swakopmund natürlich nicht. Dafür aber ein tolles Panorama: auf der einen Seite der Atlantik, auf der anderen eine Art Berglandschaft aus Sand. Die sich je nach Wind ständig verändert.

"Da vorne ist das Matterhorn. Da ist der größte Hang. Einmal im Jahr machen wir dort eine Meisterschaft mit Slalom und Sprung-Wettbewerben."

Zu heftig für mich? Ich übe an der Anfängerdüne. Das Snowboard hat auf der Lauffläche eine Schicht Kunstharz. So gleitet es schneller.

"Ich sprühe unten noch etwas Möbelreiniger drauf, weil der Sand nicht so gut rutscht wie Schnee. Manchmal nehmen wir auch Boden- oder Autowachs. Vor jeder Abfahrt."

Aufwändiger als Snowboarden

Ein bisschen aufwändiger als das Snowboarden also. Und auch nicht ganz so schnell. Wobei die erfahrenen Sandboarder am Namibischen Matterhorn schon mal 80 Stundenkilometer schnell werden. Ein Tempo, das nicht jedem Knochen passt.

"Vor allem Snowboardern passiert das, weil Du hier im Sand mit weniger Kanten fährst als im Schnee. Wenn Du hier verkantest, fliegst Du. Wir hatten hier noch keine schweren Brüche oder so. Aber ausgekugelte Schultern gibt es schon häufiger. Oder Schlüsselbeinverletzungen."

Sehr beruhigend. Also, rein in die Bindung, aufstehen ohne umzukippen und die letzten Anweisungen von Raymond beachten.

"Knie beugen, Gewicht über die Beine, Hüfte in Fahrtrichtung? Und bloß nicht nach vorne beugen: Sonst gräbt sich die Nase in die Piste und Du frisst Sand!"

Apres-Ski am Strand

Das würde ich ganz gerne vermeiden. Also los! Nach ein paar Versuchen lässt mich Raymond Cool Runnings fahren. Einen etwa 300 Meter langen Hang, bei dem man schon ganz gut Tempo bekommt. Und bei dem ich vor Konzentration leider die Goldene Regel mit dem Nicht-nach-vorne-beugen vergesse.

Trockener Kommentar von Raymond: "Ganz schön knusprig, ne?"

Nach ein paar Abfahrten bin ich gut mit Sand paniert und verschwitzt. Aber es macht Spaß! Und verletzt habe ich mich auch nicht. Und vom Trainer gibt es motivierende Worte:

"Für 'nen Anfänger sehr, sehr gut! Ein paar Stunden Übung und Du hast es im Griff!"

Bleibt eigentlich nur noch eine Frage: Wie ist das beim Duneboarding mit dem Après-Ski? Raymond zeigt auf den Atlantik und meint: Hier in Namibia findet das Après am Strand statt. Sei doch viel schöner als in der Wüste. 

Mehr zum Thema

1. Wettkampftag - Von Skikönigen und Snowboard-Akrobaten
(Deutschlandradio Kultur, Aktuell, 09.02.2014)

"Snowboard ist längst kein Funsport mehr"
(Deutschlandfunk, Sport am Wochenende, 28.01.2012)

Freeriden
(Deutschlandradio Kultur, Nachspiel, 26.12.2011)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Nachspiel

OsteopathieDie verkannte Heilkunst
Eine Frau wird in einer Praxis für Osteopathie behandelt. (picture alliance / dpa / lby / Karl-Josef Hildenbrand)

Die Osteopathin therapiert nur mit Händen und versucht, statt symptomorientiert, ganzheitlich zu kurieren. Immer mehr Patienten setzen auf eine solche Behandlung. Auch wenn die Osteopathie-Ausbildung in Deutschland nicht eindeutig geregelt ist.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur