Sammlung Prinzhorn

    Humor aus der Psychiatrie

    05:25 Minuten
    Drei aufrecht stehende Schweine mit Regenschirmen im Regen.
    Mit Hilfe von Tiersatire versuchten einige Anstaltsinsassen, ihr Leben erträglicher zu machen. Das Bild ist von 1919. © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg
    Ingrid Beyme im Gespräch mit Vladimir Balzer · 07.09.2021
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    Humor ist auch in psychiatrischen Anstalten eine Bewältigungsstrategie. Lachen kann entlastend wirken, kann aber auch Kritik transportieren. Die Sammlung Prinzhorn in Heidelberg zeigt unter dem Titel "Wahnsinnig komisch" Werke von Patienten.
    Die 150 ausgestellten Zeichnungen, Aquarelle und Skulpturen eignen sich nicht als Diagnosehilfe für Mediziner oder Psychiater, wie die Kuratorin Ingrid Beyme erklärt. So etwas wie schizophrene Stilmerkmale gebe es nicht. Vielmehr seien die Werke als Bewältigungsstrategie der Patientinnen und Patienten zu werten, um ihre Situation erträglicher zu machen.
    Und das machen sie mit teilweise sarkastischem Humor. Das ist auch der Grund für den Titel der Ausstellung: "Wahnsinnig komisch – Follement drôle". Zu sehen sind Werke aus Deutschland und Frankreich aus der Zeit von 1880 bis 1990. Dabei handelt es sich oft um Selbstbildnisse als Narren, die mit ihrer Narrenfreiheit die Möglichkeit haben, gegen Obrigkeiten zu rebellieren, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und Wahrheiten auszusprechen, so Beyme.

    Verständnis für menschliche Schwächen

    Oftmals werden der Klerus und die Gesellschaft angegriffen, meist in Form von Tiersatire: ein Anstaltsleiter als Affe oder ein Alkohol trinkendes Zwergnilpferd. Es geht auch darum, Verständnis für menschliche Schwächen einzufordern, so Beyme.

    Auch wenn der diagnostische Nutzen gegen Null gehe, so hätten die Psychiater doch gemerkt, "dass die Beschäftigung mit Kunst den Patienten sehr viel Selbstwertgefühl gibt, dass sie sich besser fühlen und dass sie sich auch nicht mehr so erregt zeigen."

    Die Ausstellung "Wahnsinnig komisch – Follement drôle" ist vom 9. September bis zum 23. Januar 2022 im Universitätsklinikum Heidelberg zu sehen.

    (ckr)
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