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Thema / Archiv | Beitrag vom 30.05.2014

SammelwutNix ist zufällig

Der Film "Vom Ordnen der Dinge" zeigt leidenschaftliche Sortierer

Von Patrick Wellinski

Fossilien und Mineralsteine (dpa / picture alliance / Robert Schlesinger)
Sammlung von Fossilien und Mineralsteinen in einem Görlitzer Museum (dpa / picture alliance / Robert Schlesinger)

Landvermesser, Strahlungsexperten, Mikrobiologen und Lebensvermesser: Sie alle eint die Leidenschaft fürs Sammeln. Der Film "Vom Ordnen der Dinge" porträtiert einige Exemplare dieser besonderen Spezies.

Es heißt: Ordnung sei das halbe Leben. Doch vielleicht ist es mehr. Das könnte man denken, wenn man Alexander Lautwasser beobachtet. Er untersucht Sandkornmuster unter Einfluss von Tonfrequenzen und vergleicht sie – ja – mit Schildkrötenpanzern.

"Und dann hat sich gezeigt, dass ganz gewisse Schwingungsmuster, eine ganz große innere Verwandtschaft zu dem Grundmuster des Schildkrötenpanzers aufweisen."

Und Rentner Hubert Klinke zählt, ordnet und listet alles Mögliche in seinem Alltag. Zum Beispiel die rückwärts parkenden Autos vor einem Supermarkt:

"Und hier sind zwölf und hier sind ..."

Lautwasser und Klinke sind nur zwei kuriose Sammler und Ordner, die die beiden Regisseure Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier in ihrem Dokumentarfilm "Vom Ordnen der Dinge" porträtieren. Doch das Kuriose und Schrullige bildet hier nur eine Art Klammer. Der Film öffnet auch den Blick für das streng wissenschaftliche Sammeln. Wie es im Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn stattfindet:

"Solange wir die einzelnen Glieder der Ketten eines Ökosystems nicht kennen, können wir die Ökosysteme an sich nicht verstehen."

Ruhig, gelassen und ohne Kommentar reiht der Dokumentarfilm Sammler an Sammler − und entwirft so ein assoziatives Panorama der unterschiedlichsten Arten, Dinge zu ordnen. Landvermesser; Strahlungsexperten; Mikrobiologen − und dann auch noch Lebensvermesser. Menschen, die der "Quantifiy Self"-Bewegung angehören und jede ihrer Körperfunktionen erfassen:

"Und so kann ich mich selbst zu einem neuen Menschen machen, den ich für besser halte."

Warum das alles? Das lässt der Dokumentarfilm offen. Doch einmal sagt ein Soziologe, der die Gesellschaft nach Milieus ordnet, um Produkte besser zu platzieren, etwas Entlarvendes:

"Nix ist zufällig."

Nichts ist zufällig. Alles hat seine Ordnung. Doch vielleicht ist das leidenschaftliche Ordnen nur ein Verdrängungsreflex, eine Sinnsuche, deren Ziel es ist, zu vergessen, dass alles, was uns umgibt, keinen tieferen Sinn haben muss. Auch wenn es sich schick zählen und in einer Excel-Tabelle festhalten lässt.

 

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