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Kompressor | Beitrag vom 26.11.2019

Salzbergwerk als FilmarchivFilmplakate, die Geschichten erzählen

Rolf Aurich im Gespräch mit Max Oppel

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Das alte Filmplakat von "Bahn frei!" zeigt eine Illustration eines Mannes auf Zuggleisen, während ein Zug auf ihn zufährt.  (Deutsche Kinemathek / Grafikarchiv)
Plakat für den Film "Bahn Frei" ("A Question of Honor"), USA 1922. (Deutsche Kinemathek / Grafikarchiv)

In einem Salzbergwerk in Niedersachsen wurden 1986 Filme und Plakate gefunden, die Nazis hatten sie dort versteckt. Eine Ausstellung in Berlin präsentiert nun einige restaurierte Funde - und zeigt, wie Filmzensur in den 20er und 30er Jahren funktionierte.

Das Bergwerk Grasleben bei Braunschweig in Niedersachsen ist nicht nur ein immer noch aktiver Salzabbau-Stollen. Hier hatten die Nazis auch einen Teil des Reichsfilmarchivs während des Zweiten Weltkriegs versteckt.

40 Jahre lagerten die Filme und Filmplakate unter Tage – und überdauerten auch einen Grubenbrand. 1986 barg die Deutsche Kinemathek 70 Filmplakate aus der Tiefe. Einige davon sind jetzt restauriert zum ersten Mal in Berlin zu sehen.

Ein altes Filmplakat mit Gebrauchsspuren. Unten steht mit roter Schrift "Atlantic City", darüber mehrere Menschen. (Deutsche Kinemathek / Grafikarchiv)Filmplakat zum Film Atlantic City ("Cohens and Kellys in Atlantic City"), erschienen 1929. (Deutsche Kinemathek / Grafikarchiv)

Der Filmhistoriker Rolf Aurich hat die Ausstellung kuratiert. Interessant findet er die unterschiedlichen Restaurierungs-Techniken: Bei einem Plakat habe man - Ende der 1980er Jahre - noch versucht, die Schadstellen zu beseitigen oder zu übermalen.

"Heute geht man da viel zaghafter ran, ist viel vorsichtiger", sagt Aurich. Es gehe nicht mehr darum, möglichst schöne Plakate zu präsentieren: "Jeder Film, jedes Plakat vor allem, hat eine eigene Geschichte, die wir versucht haben – so gut es uns möglich ist – zu erzählen."

Die Entscheidungen der Zensur-Behörden

Im Jahr 1916 waren Plakate noch einfach gehalten – mit einer Farbe und kleinen Abbildungen in Schwarz-Weiß. Die seien aus der Ferne nicht mehr zu erkennen gewesen, da sie nur in den Schaukästen der Kinos hingen, berichtet Aurich.

Ein altes Filmplakat des Films "Die Unehelichen - Eine Kindertragödie im Film". Darunter drei illustrierte Kinder mit ernstem Blick. (Deutsche Kinemathetk / Grafikarchiv)Plakat zum Film "Die Unehelichen", erschienen 1926. (Deutsche Kinemathetk / Grafikarchiv)

Ein paar Jahre später habe man dann schon viel großzügiger mit Farbe gearbeitet, auch wenn der Film selbst eine traurige Geschichte erzählte.

Schon seit 1920 seien Filme von staatlichen Behörden zensiert worden, sagt Aurich: Fotos oder Flyer mussten vorgelegt werden. Auch die Anträge und Entscheidungen der staatlichen Behörden sind in der Ausstellung zu sehen. "So ist ein Eindruck zu gewinnen, wie sich Filmzensur in den 20er und 30er Jahren abgespielt hat", sagt Aurich.

(sed)

Die Ausstellung "Brandspuren – Filmplakate aus dem Salzstock ist vom 28.11.2019 bis zum 31.5.2020 in der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen in Berlin zu sehen.

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