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Kompressor | Beitrag vom 14.08.2018

Sänger Wolfgang Ambros kritisiert die FPÖ"Schifoan" wird in Österreich zum Protestsong

Musikjournalist Robert Rotifer im Gespräch mit Timo Grampes

Der Sänger Wolfgang Ambros mit Gitarre auf der Bühne, während eines Konzertes auf der "Blue Stage" im Rahmen des "Nova Rock 2015" Festivals am Samstag, 13. Juni 2015, im burgenländischen Nickelsdorf. (APA/ Herbert P. Oczeret)
Der Sänger Wolfgang Ambros hält mit seiner Kritik an der Regierungspartei FPÖ nicht hinter den Berg – und erntet viel Solidarität. (APA/ Herbert P. Oczeret)

Das 40 Jahre alte Lied "Schifoan" des Sängers Wolfgang Ambros steht in Österreichs iTunes-Charts auf Platz eins. Der Hüttenhit ist zum Protestsong gegen den rechtspopulistischen Regierungskurs und die FPÖ geworden. Kein Zufall, meint Journalist Robert Rotifer.

Warum die Österreicher den Hüttensong "Schifoan" des Sängers Wolfgang Ambros zurzeit wie wild kaufen und herunterladen? Nicht etwa, weil sie sich im heißen Sommer so sehr nach Winterkälte und Schnee sehnen. Nein, der Song, der mit harmlosen Zeilen wie " Schifoan is des leiwandste, wos ma sich nur vorstellen kann" daherkommt, ist zu einem der politischsten Liedern avanciert, die sich zurzeit in Österreich finden lassen.

"Das hätte ich mir früher nicht träumen lassen. Aber es ist tatsächlich so, dass Wolfgang Ambros auf seine alten Tage zu einer Art politischen Widerstandsfigur geworden ist", sagt der österreichische Musiker und Journalist Robert Rotifer.

Anlass gab ein Interview, das Ambros der "Süddeutschen Zeitung" gab – und in dem er deutliche Kritik an der rechtspopulistischen Politik in Österreich und der Regierungspartei FPÖ übte.

Er sei sich sicher, "dass es viele braune Haufen in der FPÖ" gebe, sagte der Austro-Pop-Star. Ihm werde "Angst und Bange", wenn er daran denke, "was die österreichische Regierung in den nächsten drei Jahren noch so alles anstellen wird".

Hass-Mails und eine Welle der Solidarität

Daraufhin waren er und sein Sängerkollege Rainhard Fendrich von FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker als "abgehalfterte Musiker" bezeichnet worden. Per Mail und Post erhielt Ambros außerdem wüste Beschimpfungen, gab Ambros' Manager Peter Fröstl bekannt.

Gleichzeitig solidarisieren sich Fans und FPÖ-Kritiker mit dem Sänger. Auf Twitter rufen sie unter #schifoanchallenge2018 zum Kauf des Ambros-Songs "Schifoan" auf – und katapultierten das mittlerweile mehr als 40 Jahre alte Lied in die Charts.

"Das ist ja recht interessant, weil Ambros steht auch für den Austro-Pop der 70er-Jahre und gewissermaßen für ein Bild eines sozialdemokratischen Österreichs, das es auf diese Art nicht mehr gibt", kommentiert Musikjournalist Rotifer die Welle der Solidarität.  

Künstler wie beispielsweise die Kabarettisten "Gebrüder Moped" oder der Liedermacher Hubert von Goisern solidarisierten sich mit Ambros – und riefen zum Kauf des Songs auf.

"Es ist ein neues politisches Bewusstsein da"

Interessant sei, dass auch die jüngere Künstlerszene diese Aktion unterstütze, so Musikjournalist Rotifer. Auch wenn sie sich "sehr wohl bewusst" sei, dass sie selbst in einer anderen Welt agiere als der eher volksnahe Ambros.

Die "bourgeoisen Bohemiens", die das Establishment der jungen Pop-Kultur Österreichs ausmachen, "erreichen nicht dieselben Leute wie ein Wolfgang Ambros, der tatsächlich ein proletarisches Publikum hat und zu diesem Publikum auch noch immer einen Draht hat, also genau demPublikum, das in seiner Wählerschaft zum Teil zur FPÖ abgewandert ist. Und das heißt, man ist sich zum Teil schon bewusst: Hier werden Koalitionen geschlossen, um Leute zu erreichen, die außerhalb der Reichweite eines Voodoo Jürgens oder eines Ernst Molden oder 'Nino aus Wien' liegen."

Mittlerweile würden aber auch junge Bands wie beispielsweise "Kroko Jack" sich deutlich politisch positionieren, so Rotifer. "Es ist durchaus ein neues politisches Bewusstsein da."

Auf Ambros' offiziellen Twitter-Kanal bedankte sich das Team des Sängers bei den Teilnehmern der #schifoanchallenge2018 für die überwältigende "Sympathie und Solidarität". Eine Einladung des FPÖ-Politikers Hafenecker zum versöhnlichen Bier und Gulasch lehnte Ambros dagegen ab. "Ich geh wirklich gern mit jedem auf ein Bier - mit denen aber nicht", sagte der Sänger dem Gratisblatt "Österreich".

(lk)

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