Saddams Giftgasangriffe auf die Kurden

Saddam Hussein vor dem Haftrichter am 1. Juli 2004 © AP
Von Winfried Sträter · 30.11.2010
Die sogenannte Anfal-Offensive 1988 war der Höhepunkt der Verfolgung der Kurden im Irak durch Saddam Hussein und seine Baath-Partei. Seit 1968 hatte es immer wieder Pogrome und Massaker gegeben – auf der anderen Seite kurdische Widerstandsbewegungen und die Unterstützung des Iran durch die Kurden im Iran-Irak-Krieg.
Anfal – der Name der Operation geht auf eine Sure im Koran zurück und heißt übersetzt "Beute". Mit der Bezeichnung Anfal sollten die betroffenen Kurden als Ungläubige stigmatisiert werden.

Kurdische Dörfer wurden von Hubschraubern aus mit Giftgas bombardiert. Anschließend marschierten Truppen in die Dörfer ein, ermordeten Kinder, Jugendliche und Männer und vergewaltigten die Frauen. Über 4000 Dörfer wurden zerstört. Saddam Husseins Leiter der Operation befahl, alle Jungen und Männer zwischen 15 und 70 Jahren zu töten. Ziel der Anfal-Offensive war neben dem Massenmord auch die Zerstörung der landwirtschaftlichen Existenzgrundlagen der Kurden.

Weltweites Aufsehen erregten aber weder die Giftgas-Angriffe auf die kurdischen Dörfer noch die Massenerschießungen, sondern erst der Giftgasangriff auf eine kurdische Stadt, bei dem über 5.000 Menschen starben. Insgesamt kamen bei der Anfal-Offensive etwa 180.000 Menschen ums Leben.

Nachträglich wurde bekannt: Über 50 Prozent der Ausrüstung für die Giftgasproduktion war Saddam Hussein aus Deutschland geliefert worden.