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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 31.01.2014

SachbuchSpezialfall Kraftwerk

David Buckley: "Kraftwerk: Die unautorisierte Biographie"

Von Oliver Schwesig

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Die deutsche Band Kraftwerk bei einem Konzert in Eindhoven. (dpa picture-alliance/ Paul Bergen)
Die deutsche Band Kraftwerk bei einem Konzert in Eindhoven. (dpa picture-alliance/ Paul Bergen)

Die Band Kraftwerk hat so viel Einfluss auf die deutsche Popgeschichte wie kaum eine andere Gruppe. Trotzdem ist ihre Fangemeinde vergleichsweise überschaubar. Peter Buckley hat mühsam recherchiert und eine der wenigen Biografien zur Band verfasst.

"Das Modell", "Radio-Aktivität", "Die Roboter" - keine deutsche Band hat so sehr am Rad der Popgeschichte gedreht wie sie: Kraftwerk. Und doch haben sie hierzulande nur eine kleine, eingefleischte Fangemeinde. Grönemeyer, Maffay, Bohlen - es gibt größere und bekanntere Namen im deutschen Musikbetrieb. Kraftwerk ist bis heute ein Spezialfall.

Der Journalist und Popdozent Daivd Buckley hat nun eine der wenigen Biographien überhaupt zu Kraftwerk verfasst. Kein leichtes Unterfangen. Die Recherche gestaltete sich vor allem deshalb so schwierig, weil die aktiven und ehemaligen Bandmitglieder bis heute kaum oder gar nicht über- und miteinander sprechen.

Ein Stück (west-)deutsche Popmusikgeschichte

Buckley kam zum Beispiel an die Hauptakteure Ralf Hütter und Florian Schneider nicht heran. Er interviewte stattdessen ehemalige Bandmitglieder, Musiker, Produzenten und Journalisten aus dem unmittelbaren und entfernten Kreis der Band. Entstanden ist nicht nur eine lückenlose Chronologie (Alben und Singles werden ausführlich besprochen). Man liest hier auch ein Stück (west-)deutsche Popmusikgeschichte nach. Musikalische Vorläufer und Nachfolger von Krautrock bis Elektropop, von Karl Heinz Stockhausen bis Depeche Mode, von OMD bis Techno werden beleuchtet, ebenso die Einflüsse von Kraftwerk auf andere Künste und Künstler. Buckley stellt Band und Musik in einen soziokulturellen Kontext.

Wie in vielen Musikerbiografien liest man aber auch hier von künstlerischen Eitelkeiten, von Streit um Geld und gerade bei Kraftwerk auch von vielen Enttäuschungen. Und David Buckley klärt wichtige Fragen: Warum wurde aus Kraftwerk nie eine "Weltband" wie Depeche Mode? Was macht ihre Musik, ihre Konzepte bis heute so faszinierend? Warum ist ihre Musik so einzigartig geblieben? Warum fand ihre Musik gerade in England und den USA so viele Hörer? Für Einsteiger und Fans eine lohnende Lektüre.

David Buckley: "Kraftwerk: Die unautorisierte Biographie"
Aus dem Englischen von Henning Dedekind und Heike Schlatterer
Metrolit Berlin 2014
387 Seiten, 24,99 Euro

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