Sabine Meyer spielt Mozarts Klarinettenkonzert

Mozarts Herzstück

120:06 Minuten
Sabine Meyer hält ihre Klarinette vor ihr Gesicht und schaut auf ihre Hände, die die Klarinette umfassen.
Auf Mozarts Klarinettenkonzert angesprochen, antwortet Sabine Meyer: „Daneben verblasst erst mal alles.” © Christian Ruvolo
Moderation: Stefan Lang · 18.11.2021
Sabine Meyer hat die Klarinette wieder zum beliebten Soloinstrument gemacht. Ihre Meisterschaft ist erneut in Mozarts Klarinettenkonzert zu hören. Dazu Schuberts Unvollendete und eine Uraufführung: Jens Joneleit formte aus Beethoven-Skizzen eine "sinfonia X".
Das Konzert dreht sich um die Wiener Zeit, in der Mozart, Beethoven und Schubert wirkten. Die Musik ist in aufregenden Bewegung: Das Barocke ist nicht mehr modern, Klassisches wird zum Modell und auch Romantisches entwickelt sich vehement.

Beethoven-Kenner

Der Dirigent des Abends ist Jan Caeyers, Beethovenexperte, der zuletzt die Beethoven-Biografie "Der einsame Revolutionär" vorlegte. Er war auch der Uraufführungsdirigent für ein Auftragswerk, das Jens Joneleit erreichte: ein Werk zu schaffen, das auf den Skizzen Beethovens zu seiner zehnten, nicht vollendeten Sinfonie basiert. So entstand ein sinfonischer Wurf, der sich ganz im klassischen Kontext bewegt. Unverkennbar Beethoven.

Mozart im Rausch

Schnell hat Mozart sein Klarinettenkonzert komponiert, zugeschnitten auf das Instrument seines Freundes Anton Stadler. Für eine Tournee, die er von Prag aus startete, bestellte er das Werk bei seinem Freund. Und Mozart komponierte, genussreich mit Kaffee und Tabak. Es ist sein letztes Konzert, das er in seinem letzten Lebensjahr komponierte.
Sabine Meyer liebt dieses Konzert, auch wenn sie es unzählige Male gespielt hat. Es ist Musik, die nie langweilig wird, weder beim Spielen, noch beim Hören. Ein Klassiker.

Unvollendet und liegen geblieben?

Das Konzert war mit "Späte Meisterwerke" überschrieben. Die Komponente des Unvollendeten spielt dabei eine Rolle. Zum Schluss der Blick Richtung Franz Schubert. Seine Sinfonie in h-Moll, die den Namen "Unvollendet" erhielt, weil sie nur aus zwei statt mindestens drei oder vier Sätzen besteht, hat Franz Schubert 1822 komponiert. Eigentlich hätte er weiterkomponieren können: Schubert lebt noch sechs Jahre. Ein paar Takte eines dritten Satzes brachte er noch zu Papier. Doch dann brach er vollständig ab.
Für den Dirigenten Jan Caeyers hat sie etwas Endgültiges, Abschließendes. Den ersten Satz hört er als eine Art Depression über das irdische Jammertal, der im zweiten Satz zum Jubel über das Paradies wird.

Aufzeichnung vom 16. November 2021 in der Philharmonie Berlin

Jens Joneleit
sinfonia X (Uraufführung)

Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622

Franz Schubert
Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 ("Die Unvollendete")

Zugabe:
Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 8  F-Dur, op. 93:
3. Satz: Tempo di Menuetto

Sabine Meyer, Klarinette
Le Concert Olympique
Leitung: Jan Caeyers

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