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Interview / Archiv | Beitrag vom 23.02.2018

Russlands Rolle im Syrien-Konflikt Keine Hoffnung für die Zivilbevölkerung?

Thielko Grieß im Gespräch mit Julius Stucke

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Das von der regierungskritischen Aktivistengruppe Ghouta Media Center (GMC) zur Verfügung gestellte Foto und durch Abgleich mit AP-Berichterstattung authentifizierte Foto zeigt Syrer, die Gebäude inspizieren, die durch einen Angriff der syrischen Luftwaffe zerstört wurden. (AP / dpa / Uncredited/Ghouta Media Center)
Luftangriffe auf syrisches Rebellengebiet Ost-Ghuta (AP / dpa / Uncredited/Ghouta Media Center)

Durch Angriffe in Syrien sind in den vergangenen Tagen nach Beobachterangaben mehr als 430 Zivilisten getötet worden, darunter fast 100 Kinder. Eine humanitäre Feuerpause ist am Veto von Russland im UN-Sicherheitsrat gescheitert. Die russische Bevölkerung erfährt wenig davon.

Als Grund für Russlands Blockade im UN-Sicherheitsrat wurde erneut formuliert, wie bereits seit Beginn des russischen Engagements in Syrien immer wieder: Es gehe darum, Terrorismus und Terroristen zu bekämpfen, berichtet Deutschlandfunk-Kultur-Korrespondent Thielko Grieß aus Moskau. 

"Und sie definieren diese Terroristen natürlich selbst. Jetzt werden zum Beispiel die Al-Nusra-Front oder andere extremistische Gruppen genannt und die seien das - Zitat Außenminister Lawrow - 'Problem' in Ost-Ghuta, diesem östlichen Vorort von Damaskus."

Keine unabhängige Berichterstattung in Russland

Die Berichterstattung über die Kampfhandlungen in Syrien erfolge wie bei vielen Themen in Russland über große einflussreiche Fernsehkanäle, von denen man wisse, dass sie an der "kurzen Leine des Kremels hängen", so Grieß.

"Die Berichterstattung aus Syrien war nach journalistischen Standards immer schlecht. Es gab und gibt keine Abwägung und kein Bemühen um Unabhängigkeit. Der einzige Kanal, der noch übrig ist 'Doschd', der hat keine Korrespondenten in Syrien. Es kommen da schlicht keine unabhängigen Informationen zustande."

Die sogenannten staatsnahen Journalisten in Russland würden ohnehin vor einem Problem stehen, sagt Thielko Grieß:

"Diese Eskalation, die wir jetzt im Osten von Damaskus erleben, zu erklären. Denn offiziell ist dieser Krieg und sind die größten Kampfhandlungen seit Dezember beendet. Da war Präsident Putin in Syrien und hat das sozusagen offiziell erklärt und hat auch angekündigt, die russischen Truppen teilweise zumindest abzuziehen."

Syrien soll eine Erfolgsgeschichte sein

Seitdem werde viel weniger aus Syrien berichtet. Es solle als eine Erfolgsgeschichte gelten, als ein Land, das auf dem Weg zum Frieden sei, dank des russischen Einsatzes, berichtet Thielko Grieß aus Moskau. Man sehe jetzt aber deutlich, dass das Sicherheitszonenkonzept überhaupt nicht funktionieren würde, so Grieß, denn Ost-Ghuta sei als Sicherheitszone ausgerufen worden, wohin Flüchtlinge zurückkehren sollten. Außerdem gebe es seit Tagen auch Unstimmigkeiten zwischen Russland, Iran und der Türkei. Die Türkei kritisiere Russland, Russland kritisiere die Türkei.

"All diese Dinge sind sehr schwierig zu erklären, wenn der Fall Syrien gewisser Maßen, zumindest was das Fernsehen und dessen Sprache betrifft, schon abgeschlossen ist. Und dafür gibt es keine Lösung. Und deswegen wird eine öffentliche Debatte darüber vier Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Russland nicht geführt."

(jde)

Hören Sie zu der Lage der Zivilbevölkerung in der Region auch ein Interview mit CARE-Nothilfekoordinator Marten Mylius.

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