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Interview / Archiv | Beitrag vom 06.08.2019

Russland-BerichterstattungDeutsche Welle wehrt sich gegen Vorwurf der Einmischung

Peter Limbourg im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Demonstration am 18. Juli 2019 in Moskau gegen die Kandidatenaufstellung bei der Regionalwahl im September. (Valery Sharifulin/Tass/dpa/picture-alliance)
Bei der Berichterstattung über die Demonstrationen in Moskau wurden auch Journalisten behindert, darunter auch ein Korrespondent der Deutschen Welle. (Valery Sharifulin/Tass/dpa/picture-alliance)

Die Deutsche Welle wehrt sich gegen Vorwürfe der russischen Regierung, sich in die Proteste in Moskau einzumischen. DW-Intendant Peter Limburg hofft, dass der Streit nicht weiter eskaliert und die Korrespondenten weiter unbehelligt berichten können.

Wegen der Berichterstattung der Deutschen Welle (DW) über die Demonstrationen gegen die Kandidatenauswahl für die Regionalwahl am 8. September in Moskau gibt es Ärger mit der russischen Führung. Die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, warf der DW vor, sich in die Proteste einzumischen.

Sie behauptete, der deutsche Auslandssender habe Ende Juli in russischer Sprache einen Aufruf veröffentlicht mit folgendem Text: "Moskauer! Gehen Sie auf die Straße." Während seiner Berichterstattung am vorvergangenen Samstag war der DW-Korrespondent Sergej Dik von Spezialeinsatzkräften vorübergehend festgenommen worden.

Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle DW, beim Deutsche Welle Global Media Forum SHIFTING POWERS 2019 in Bonn. (Sven Simon/picture-alliance )Der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, hat das russische Programm in den vergangenen Jahren ausgebaut. (Sven Simon/picture-alliance )

"Das ist schon an den Haaren herbeigezogen", entgegnete DW-Intendant Peter Limbourg im Deutschlandfunk Kultur auf diese Vorwürfe. Der Korrespondent habe eine gültige Akkreditierung besessen und diese vorgezeigt. Die Sicherheitskräfte hätten aber gesagt, das Papier sei nichts wert und ihn mitgenommen. "Das geht natürlich gar nicht", sagte Limbourg.

Die Sprecherin des Außenministeriums tue nun so, als ob ein Journalist, der über eine nicht genehme Demonstration berichtet habe, automatisch Teilnehmer gewesen sei. "So geht Journalismus dann überhaupt nicht mehr, deswegen wehren wir uns dagegen." Es handele sich um Methoden eines Polizeistaates, kritisierte Limbourg. Die DW habe auch nicht zur Demonstration aufgerufen, sondern habe Oppositionskräfte zitiert, die einen Aufruf gestartet hätten.

Relevantes Medium in Russland

Die DW habe ihre Nutzerzahlen in den vergangenen Jahren ausgebaut, sagte Limbourg. "Auch gerade in Russland." Der deutsche Auslandssender werde im Land als relevantes Medium wahrgenommen und habe den russischen sowie den ukrainischen Dienst deutlich ausgebaut. "Dadurch sind wir vielleicht der russischen Seite öfter mal ein Dorn im Auge." Anders als die russischen Staatsmedien sei die DW nicht vom Außenministerium gelenkt, sondern berichte frei und unabhängig.

Limbourg sagte, die DW wolle ihren russischsprachigen Nutzern die "Wahrheit" präsentieren und "objektiven Journalismus" bringen. Er hoffe, dass diese Streitigkeit nicht weiter eskaliere. "Wir haben kein Interesse daran, wir wollen vernünftig arbeiten." Er gehe davon aus, dass auch die russische Seite zur Vernunft komme und in Zukunft die Sicherheit der DW-Korrespondenten gewährleiste.

(gem)

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