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Fazit | Beitrag vom 17.02.2020

Rundfunkgebühr in GroßbritannienSchikane gegen die BBC

Robert Rotifer im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Der Britische Premierminister und Parteichef der Konvervativen Boris Johnson (mitte) bei einer Wahlkampf-TV-Debatte in der BBC mit Labour-Chef Jeremy Corbyn (links). (Jeff Overs/BBC)
Für die eigenen Auftritte genutzt, für Kritik verschmäht: Im Dezember trat Boris Johnson bei einem Wahlkampfduell noch in der BBC auf. (Jeff Overs/BBC)

Die britische Regierung will die Rundfunkgebühr abschaffen und stattdessen ein Abo-Modell einführen. Für die BBC wäre das ein finanzieller Schlag. Profitieren würde davon ein Mann und dessen Unternehmen.

Die British Broadcasting Corporation (BBC) hat in Großbritannien seit längerem einen schweren Stand. Ex-Premierminister David Cameron witzelte noch, er würde gern den "Laden" bei passender Gelegenheit dichtmachen. Mit Boris Johnson an der Regierungsspitze könnte sich dieser Wunsch vielleicht erfüllen. Wie die Zeitung "Sunday Times" berichtete, plane die Regierung, die allgemeine Rundfunkgebühr für die BBC abzuschaffen.

Ohne Rundfunkgebühr keine Finanzierung

Dabei sei die Rundfunkgebühr "enorm wichtig", denn sie sei die "Haupteinnahmequelle" der BBC, sagt der in London lebende Journalist Robert Rotifer. Die Rundfunkanstalt habe "keine Werbung on Air", um sich zu finanzieren. Statt der Rundfunkgebühr solle "ein Abonnementmodell" kommen - "wie bei Netflix". Außerdem solle BBC die Zahl ihrer Radiosender sowie das Onlineangebot reduzieren.

Die geplanten Maßnahmen deuteten auf eine Taktik hin, die schon bei den vorherigen Regierungen von Cameron und Theresa May funktioniert habe, meint Rotifer. Wenn man der BBC "die Rute ins Fenster stelle", dann erhoffe man sich, dass die Berichterstattung "ein bisschen braver" werde. Diese Strategie sei "sehr gut aufgegangen".

Die anonyme Quelle der Downing Street 10

"Die BBC ist bei weitem nicht mehr so kritisch, wie sie früher einmal war", so der Journalist. Auch zitiere die BBC immer die sogenannte Source from Downing Street, also Briefings einer anonymen Quelle der Regierung. Dies sei sehr praktisch, weil der Premierminister jede Verantwortung von sich weisen könne, erklärt Rotifer. Genauso ein Briefing habe auch die Abschaffung der Rundfunkgebühr angekündigt.

Der "populistische Aufhänger" hinter der Angelegenheit sei indes ein anderer: Man wolle lukrative Zweitjobs für "BBC-Stars" verhindern. Ein erfolgreicher Wirtschaftsredakteur, Kamal Ahmed, war in die Kritik geraten, weil er zusätzlich zu seinem sechsstelligen Gehalt von der BBC noch hohe Honorare als Redner eingenommen hatte. Die Ironie dieser Geschichte sei dabei, dass Johnson einst selbst über längere Zeit als Gastmoderator für die BBC-Satiresendung "Have I Got News for You" tätig war. "Das ist etwas, was man der BBC oft vorwirft: dass sie Johnson groß gemacht hat."

Es profitiert die Konkurrenz

Nach Rotifers Einschätzung spielt die schlechte Presse für die BBC auch dem Medienmogul Rupert Murdoch in die Hände, dem unter anderem auch die "Sunday Times" gehört. "Von außen sieht es ganz offen nach einer Intervention im Sinne Murdochs aus. Das ist für eine Regierung schon eigenartig, denn der öffentlich-rechtliche Sender, der gehört ja eben auch der Öffentlichkeit."

(kpa)

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