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Konzert / Archiv | Beitrag vom 09.12.2018

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und Brett DeanEine Liebeserklärung an die Bratsche

Moderation: Stefan Lang

Der Komponist Brett Deam steht vor einer Wand voller Farbkleckse. (Brett Dean / Bettina Stöß)
Farbenreichtum holt Brett Dean auch aus seiner Bratsche im eigenen Konzert. (Brett Dean / Bettina Stöß)

"Es ist gegen den Strich des Bratschentums komponiert", sagt Komponist Brett Dean über sein teils hoch virtuoses Violakonzert, das er auch selbst spielt: Musik, die vom Leben am Wasser inspiriert ist - vom Meer- und Flussgetose.

Am Nachmittag aufgeführt - am Abend schon im Deutschlandfunk Kultur zu hören: das Konzert mit dem "Composer in Residence" des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin Brett Dean, der auch den Solopart seines Konzertes spielt.

Das Meer lebt

Es ist einfach genial, wie der Komponist Benjamin Britten in der Oper Peter Grimes die Stimmungen der Natur zu den sozialen, den allgemein menschlichen Entwicklungen in der Oper in Beziehung brachte. Wir tauchen in den Alltag eines englischen Fischerstädtchens ein, Peter Grimes aufrecht, offen prallt er auf die bornierte Hysterie der Nachbarn.

Das Foto zeigt Wellen unter bewölktem Himmel in Abendstimmung. (AFP / Patricia de Melo Moreira)Britten wuchs am Meer auf und hatte ein Leben lang Sehnsucht danach, wenn er keine Wellen im Blick haben konnte. (AFP / Patricia de Melo Moreira)

Fusel und Fischfang sind deren Themen, Kneipe und Kirche die Koordinaten. Grimes ist ein Außenseiter und erträgt kaum die Enge aus Klatsch und Neid. Und während seine Geschichte erzählt wird, liegt das Meer mal still, mal schäumt es auf. Wir hören es als eine Urkraft der Natur - von Britten genial als musikalische Metapher gesetzt für die Situation seiner Figuren und für die sozialen Verwerfungen. In vier Zwischenspielen erleben wir das Meer als Britten nutzte vier Zwischenspiele seiner Oper, dem Meer in der Oper erleben wir das Meer mal als ruhige Spiegelfläche unter Mondhimmel, mal im Sturm.

Klischee unterlaufen

Die Bratsche ist ein Instrument der Mitte, das die Mittellage pflegt. Aber sein Konzert, sagt Brett Dean, streckt sich vor allem in die hohen Tonlagen und zeigt hochvirtuose Passagen, die man eigentlich von einer ersten Geige erwartet würde.

Brett Dean sitzt vor einer großblumigen, orangenen Wand. (Brett Dean / Bettina Stöß)Brett Deans Kompositionen prägen die aktuelle Saison des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. (Brett Dean / Bettina Stöß)

Dass er sein Konzert jetzt auch selbst spiele, fühle sich wie ein Heimspiel an. "Man ist sehr verbunden mit dem Material und fühlt sich sehr zu Hause." Schließlich ist die Bratsche schon seit Langem ein wichtiger Wegbegleiter für ihn.

Fest für eine neue Heimat

Schumans dritte Sinfonie ist auf "Ankunft" programmiert, denn der Komponist wurde als "NeuRheinländer" in seiner Doppelrolle als Komponist und Dirigent geradezu gefeiert. Genau so seine Sinfonie: es gab glanzvolle Aufführungen unter Schumanns Leitung, Wiederholungen und immer sehr viel Beifall, Aber dann schlugen die Musikologen erbarmungslos zu: das Werk sei unmöglich instrumentiert, es habe keine stimmige Klangbalance. Viel zu oft sah man die Sinfonie auch mit Schumanns Krankheitsgeschichte verwogen. Die Sinfonie habe wie er krankhafte Schübe. Im Grunde liege hier eine instrumentierte Krankenakte als psychischer Befund vor. Und dabei ergießt sich die Musik regelrecht in einem breitem positiven Strom, der alles Düstere hinwegspülen könne.

Das Orchester steht auf einer Bühne, von deren Himmel viele Mikrophone reichen. (Josep Molina)Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin hat in dieser Saison das erste Mal einen "Composer in Residence". (Josep Molina)

Eine Aufzeichnung vom Nachmittag des 9. Dezember 2018 in der Philharmonie Berlin

Benjamin Britten
"Four Sea Interludes" aus der Oper "Peter Grimes" op. 33a

Brett Dean
Konzert für Viola und Orchester

Robert Schumann
Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 ("Rheinische")

Brett Dean, Viola
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: John Storgårds

Stefan Lang spricht zudem mit Brett Dean über sein Werk und über die Vorbereitungen als Solist des eigenen Konzertes.

Der finnishce Dirigent John Storgårds lehnt an einer bläulichen Wand. (John Storgårds / Marco Borggreve)Der finnische Dirigent John Storgårds ist erneut beim Orchester zu Gast. (John Storgårds / Marco Borggreve)

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