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Konzert / Archiv | Beitrag vom 31.03.2020

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin spielt Mozart und BrucknerIn der Weite durchatmen

Moderation: Stefan Lang

Ein einsamer Laubbaum steht allein auf einer Wiese und wirft einen großen Schatten. (imago images / Volker Hohlfeld)
Durchatmen mit Musik, die große Weiten vermittelt. (imago images / Volker Hohlfeld)

Der Tonart B-Dur wird Ruhe zugeschrieben, sie vermittele Abgeschiedenheit. Die Werke des Abend stehen in B-Dur. Bruckners fünfte Sinfonie, seine "Phantastische", atmet musikalische Weite. Dazu Mozarts letztes, in sich versunkenes Klavierkonzert.

Geeignet, die "Einsamkeit" zu schildern, sei die Tonart B-Dur, so schreibt es Abbé Vogler in seiner Tonartlehre. Wenn wir den langsamen Satz vom Klavierkonzert KV 595 hören, stimmen wir zu. Da wird die Einsamkeit zur klanglichen Wahrheit, die schöner nicht sein könnte. Es ist berückend, wie sich Mozart zur Einfachheit des Kinderliedes bekennt, wie er es auszuformen vermag, damit es mitten ins Herz geht. Schlicht das Thema, einfach die instrumentale Einkleidung und trotzdem - Ergriffenheit mit jedem Takt.

Ein Konzert für sich selbst

Das Konzert kommt ohne klangliche Aufladungen aus, es wirkt geradezu gelöst. Mozart schrieb das Konzert, als der Tumult um seine Person in Wien verklungen war. Mozart komponierte sich in eine Art "innere Ruhe". Im letzten Satz kann er seine hoffnungsdurchtränkte Fröhlichkeit dann doch nicht unterdrücken. Hier erklingt die strahlende Melodie "Komm lieber Mai und mache" als erstes Thema.

Kompromisslos zu sich selbst

Bruckners Fünfte, das folgende Werk des Abends, ist eine gewaltige Sinfonie. Ein persönliches Werk zugleich, denn die Sinfonie ist Musik eines Einsamen, eines im Glauben vergrabenen Menschen. Drei Jahre arbeitet Bruckner an diesem musikalischen Monument: "Nicht um 1000 Gulden möchte ich das nochmals schreiben!", lautet Bruckners Fazit.

Dankmal des Komponisten in Steyr. (imago images / INSADCO)Zu Lebzeiten hätte kaum einer gedacht, dass man Anton Bruckner Denkmäler errichten würde. (imago images / INSADCO)

Und doch komponiert er kompromisslos, will keinem Orchester gefallen – so treibt er eine Uraufführung auch nicht voran. Damals als musikalischer Eigenbrötler verfemt, vertieft er sich in seine eigenen Klangvorstellungen. Zutiefst in seinen Glauben versunken, wendet er sich alten Choralbearbeitungen zu, die in seiner Sinfonie nachklingen. Heute versteht und liebt das Publikum die gigantischen Weiten in seiner Fünften.

Aufzeichnung des Konzertes vom 7. März 2020 im Konzerthaus Berlin

Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 27 B-Dur, KV 595

Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 5 B-Dur WAB 105 

Richard Goode, Klavier
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Vladimir Jurowski

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