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Die besondere Aufnahme / Archiv | Beitrag vom 01.08.2020

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin spielt Edvard GriegWenn Peer Gynt ein Geiger wäre

Moderation: Stefan Lang, Erzähler: Juri Tetzlaff

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Eine Figur, die aus Eisenteilen besteht, stellt einen jungen Geigenspieler dar. (imago images / Design Pics / Keith Levit)
Der Geiger - ein Skulptur von Mr. Maurice Harron. (imago images / Design Pics / Keith Levit)

Steffen Tast, Geiger im Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, hat eine eigene Sicht auf Peer Gynt und die Musik Edvard Griegs: Für ihn ist Peer ein Geiger. Juri Tetzlaff ist in dieser Version Peer - er ist ein Musiker, der durch den Griff zur Violine immer wieder Selbstbestätigung erfährt.

Edvard Griegs Schauspielmusik zu "Peer Gynt" ist eines der beliebtesten Werke der klassischen Musikwelt, auf die inzwischen selbst Computerspiele zurückgreifen. 1876 fand die Uraufführung statt. Etwas später filtrierte der Komponist aus den 20 Nummern zwei Suiten. 

Ein Mann mit weißen Haaren sitzt in seinem Haus und schaut in die Kamera. (imago images / United Archives / Carl Simon Collection)Edvard Grieg um 1900 in seinem Haus. (imago images / United Archives / Carl Simon Collection)

Henrik Ibsen erzählt in seinem Drama die Geschichte von einem, der auszog, er selbst zu werden. Peer, ein junger Mann aus einem Dorf in den Bergen Norwegens, ist ein Phantast, ein Abenteurer, ein Träumer - und ein Lügner. Er spinnt sich, ohne Rücksicht auf andere, sein Leben zusammen, erfindet Geschichten und ist einem großen Ziel auf der Spur: Er möchte ein bedeutender und reicher König werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, verlässt er seine Heimat um sich in Abenteuer zu stürzen, bei denen wir staunende Zuhörer schon bald nicht mehr zwischen Phantasie und Wirklichkeit unterscheiden können. Zurück lässt er seine einzige Liebe, Solvejg.

Peer als Musiker gesehen

Steffen Tast, Geiger im Rundfunk-Sinfonieorester Berlin und Dirigent hat eine eigene Fassung erstellt. Für ihn ist Peer auch ein Violinspieler. Durch den dramaturgischen Kniff, Peer zu einem Musiker zu machen, rücken die folkloristischen Anklänge, die in Griegs Musik zu finden sind, stärker in den Vordergrund.

Durch Musik den eigenen Weg finden

So wird diese Geschichte bei aller Verrücktheit, Phantasie, Feen- und Trollwelt auch immer wieder eine Auseinandersetzung mit Erinnerung, Heimat, Sehnsucht und Erwachsenwerden. Und somit bekommt das weltumspannend philosophische Drama eine Facette, die es für Kinder und Jugendliche zu einer spannenden Entdeckungsreise durch eine Welt der Sagen und der Musik macht. Und die Musik seiner Geige ist es schließlich auch, die ihm den Weg zurück zu seinen Wurzeln, seiner Familie und seiner Liebe Solvejg führt.

Aufnahme vom März 2020 im Haus des Rundfunks in der Masurenallee

Edvard Grieg
"Peer Gynt" – eine erzählte Fassung nach dem Drama von Henrik Ibsen

Text und Erzähler: Juri Tetzlaff
Idee und musikalische Fassung: Steffen Tast

Cantus Domus
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Steffen Tast

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