Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Goldene Orangen

Der mazedonische Pianist Simon Trpčeski
Der mazedonische Pianist Simon Trpčeski © Simon Fowler/EMI Classics
30.01.2015
Dmitrij Schostakowitsch und Sergej Prokofjew - zwei sowjetische Zeitgenossen, deren Musik gegensätzlicher nicht sein kann. Das RSB spielt an diesem Abend zwei Klavierkonzerte und szenische Musik der beiden. Zu Gast sind der mazedonische Pianist Simon Trpčeski und der russisch-finnische Dirigent Dima Slobodeniouk.
Dmitrij Schostakowitsch komponierte sein Ballett "Das Goldene Zeitalter" im Jahr 1930, als sich gerade das reaktionäre Herrschaftssystem des Josef Stalin etablierte und auch für die Künste ideologische Vorgaben zu formulieren begann.
Die Handlung des Balletts trägt kafkaeske Züge: Eine sowjetische Fußballmanschaft wird zu einer Industrieausstellung in den Westen eingeladen. Vor dem Spiel treten ein schwarzer und ein weißer Boxer gegeneinander an – die Kampf endet im Eklat. Dann tritt eine glamouröse Diva auf, die sich in den Fußballkapitän der sowjetischen Mannschaft verliebt. All das ist das Vorprogramm zum zirkusreifen Fußballspiel der Systeme. Währenddessen greifen Spitzel ein, die Jugend des "Goldenen Zeitalters" tanzt Foxtrott. Die Klassen bekämpfen einander in diesem Ballett. Schostakowitsch hat daraus eine Suite zusammengestellt.
Im Zentrum des Konzerts stehen die beiden ersten Klavierkonzerte von Prokofjew und Schostakowitsch - jeweils Jugendwerke. Der eine begann als Klassizist - mit seiner berühmten Symphonie Classique und einem nicht minder mild-lyrischen Klavierkonzert. Der andere - Schostakowitsch - frönt wiederum in diesem Werk seinem herben Sarkasmus: Zum Solo-Tasteninstrument gesellt sich hier - zwecks Verschärfung des eckigen Klangs - noch eine virtuose Trompete. Diese beiden ersten Klavierkonzerte sind so unterschiedlich, dass man fast von einem innersowjetischen Klassenkampf der Klavierkonzerte sprechen könnte, wenn es sich dabei nicht um eine Verdrehung der historischen Tatsachen handeln würde. Schließlich schrieb Prokofjew seinen Erstling bereits 1911, also einige Jahre vor der Oktoberrevolution.
Die hatte den jungen Komponisten letztlich veranlasst, seine russische Heimat vorerst gen Westen zu verlassen. Aus dieser "Auslandsperiode" Prokofjews stammt auch eine seiner schönsten Musiken überhaupt - die Oper "Die Liebe zu den drei Orangen" - 1921 in Chicago uraufgeführt - hier geht es in einer russischen Fassung der italienischen Vorlage von Carlo Gozzi um Könige, Prinzessinnen, Hofnarren, Zauberer und Prinzen. Von den Forderungen der russischen Revolutionäre hätte sich der Komponist nicht weiter entfernen können als mit dieser Märchenoper, in der am Ende ein Hoch auf den König und seine Familie gesungen wird. Für den Gebrauch im Konzertsaal hat Prokofjew selbst eine Orchestersuite zusammengestellt.
Aus Dispositionsgründen in der Philharmonie Berlin beginnt dieses Konzert erst um 20.30 Uhr.
Live aus der Philharmonie Berlin
Dmitrij Schostakowitsch
"Das goldene Zeitalter" - Suite aus dem Ballett op. 22a
Sergej Prokofjew
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 Des-Dur op. 10
ca. 21.05 Konzertpause, darin:
Ein Porträt des Dirigenten Dima Slobodeniouk von Ulrike Klobes - außerdem Gespräche mit dem RSB-Solotrompeter Florian Dörpholz und dem Dramaturgen Steffen Georgi
Dmitrij Schostakowitsch
Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester Nr. 1 c-Moll op. 35
Sergej Prokofjew
"Die Liebe zu den drei Orangen" - Konzertsuite aus der Oper op. 33a
Simon Trpčeski, Klavier
Florian Dörpholz, Trompete
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Dima Slobodeniouk