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Studio 9 | Beitrag vom 17.12.2019

Rückkehr von Jens SöringChance auf ein zweites Leben

Marcus Vetter im Gespräch mit Axel Rahmlow

Jens Söring saß 33 Jahre lang im US-Gefängnis Knast  als verurteilter Doppelmörder. Jetzt ist er in Deutschland – das zuständige US-Gremium hatte zuvor entschieden, Söring auf Bewährung freizulassen und abzuschieben. (picture-alliance/Hasan Bratic)
Nach seiner Freilassung nach 33 Jahren in US-Haft ist Jens Söring wieder in Deutschland. (picture-alliance/Hasan Bratic)

Der in den USA wegen Doppelmordes verurteilte Ex-Häftling Jens Söring landete heute in Frankfurt am Main. Der Filmemacher Marcus Vetter drehte einst einen Dokumentarfilm über ihn und war unter den Unterstützern, die den Rückkehrer begrüßten.

Jens Söring war in den USA wegen Doppelmordes verurteilt worden, jetzt ist er zurück in Deutschland. "Das ist der schönste Tag meines Lebens", sagte er nach der Landung am Frankfurter Flughafen. "Ich bin so froh und dankbar." Freunde und Unterstützer hatten den 53-Jährigen mit lautem Jubel und Applaus in Empfang genommen.

Unter ihnen war auch der Dokumentarfilmer Marcus Vetter, der Sörings Schicksal 2016 einen Dokumentarfilm widmete. Dieser hatte 33 Jahre lang wegen eines Doppelmordes im Gefängnis gesessen, die meiste Zeit davon in den USA. Dort war er 1990 wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden. Der deutsche Diplomatensohn hatte die Morde zunächst gestanden, später aber das Geständnis widerrufen. Er beteuert bis heute seine Unschuld und wurde nun abgeschoben.

Bewegende Ankunft

Söring habe auf ihn einen sehr glücklichen Eindruck gemacht, schildert Vetter seine Eindrücke. Auch dessen Ansprache nach der Ankunft in Frankfurt sei sehr gut gewesen. Der Filmemacher sagt, er habe sein Team dabei gehabt, dass auch vor Jahren im Gefängnis das Interview mit Söring gedreht hatte. "Wir schließen damit auch unseren Film ab", sagt Vetter. Er könne sich auch vorstellen, nun einen zweiten Teil zu drehen, sollte Söring dazu bereit sein und in Zukunft auf ihn zukommen.

Aus einem europäischen Rechtsverständnis heraus habe er sich gewünscht, dass Söring freikomme. Es sei schwer zu verstehen, dass jemand lebenslänglich hinter Gitter müsse, wenn so ein Mordfall nicht eindeutig geklärt sei und es Zweifel gebe. Das Problem sei, dass man in den USA jemanden so lange wegsperren könne trotz der Zweifel. Vetter erinnerte daran, wie jung Söring zur Tatzeit gewesen sei, erst 17 Jahre alt. Es müsse doch eine zweite Chance geben.

Unklare Zukunft

Wie Söring nun ein zweites Leben gelingen könne, wisse er auch nicht, sagt der Filmemacher. "Er hat auf jeden Fall sehr viele Bücher im Gefängnis geschrieben, er hat sich weitergebildet, er ist nie in diese tiefe Depression gefallen, obwohl er ganz bestimmt depressiv war." Der Gefangene habe sich in seiner Haftzeit immer nach draußen gewandt und versucht, diese Welt mitzuleben. Der Regisseur sagt, er habe das Gefühl, dass Söring Lust darauf habe, mit seinen 53 Jahren noch einmal ein zweites Leben zu beginnen. Er habe auch den Willen, das zu tun.

(gem)

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