Seit 00:05 Uhr Klangkunst
Freitag, 23.04.2021
 
Seit 00:05 Uhr Klangkunst

Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 26.09.2018

Rückbesinnung aufs NationaleIst die Globalgeschichte gescheitert?

Julia Angster im Gespräch mit Winfried Sträter

Eine Weltkarte auf der die Länder verrutscht sind und Pfeile in verschiedenste Richtungen zeigen. (Imago / Ikon Images)
Die Globalisierung komme nicht als Entwicklung von außen über die Nationalstaaten, sagt Historikerin Julia Angster. (Imago / Ikon Images)

Nation und Globalisierung gehören zusammen: Julia Angster plädiert dafür, beide Phänomene nicht als Gegensatz zu verstehen. Auf dem Deutschen Historikertag in Münster hat Winfried Sträter mit der Geschichtswissenschaftlerin gesprochen.

Global history ist eine junge Teildisziplin in der Geschichtswissenschaft. Es ist der Versuch, den eurozentrierten Blick auf die Weltgeschichte zu überwinden. Zugleich erleben wir heute die Rückbesinnung auf die Nation - und das Unbehagen an der Globalisierung.

Die Historikerin Julia Angster von der Universität Mannheim vertritt die These, dass Nation und Globalisierung nicht im Gegensatz zueinander stehen, sondern miteinander verflochten sind. Die Entstehung und der Aufbau von Nationalstaaten im 19. Jahrhundert geschah als Teil der beginnenden Globalisierung: Die Neuordnung politischer Verhältnisse angesichts des Untergangs alter Feudalreiche war nötig, da mit der Industrialisierung und den neuen Möglichkeiten des Verkehrs und der Kommunikation politische Räume neu geordnet werden mussten.

Nationalstaat als Antwort auf beginnende Globalisierung

Die politische Ordnung Nationalstaat war insofern die Antwort auf den Globalisierungsprozess und Teil dieses Prozesses, in dem sich ehemals eng begrenzte Räume und Lebenswelten öffneten und weltweite Einflüsse spürbar wurden.

Julia Angster plädiert daher für ein anderes Verständnis von Globalisierung: Nicht als Entwicklung, die von außen über die Nationalstaaten kommt, sondern als Teil der Entwicklung der Nationalgeschichte. In der historischen Forschung sollten daher Themen der Nationalgeschichte nicht von Themen der Globalgeschichte getrennt werden.

Mehr zum Thema

Zeitfragen-Spezial - Live vom Deutschen Historikertag in Münster
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 26.09.2018)

Historiker in der politischen Debatte - "Traumatische Erfahrungen in Erinnerung halten"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 25.09.2018)

Globalgeschichte - Den nationalen Blick überwinden
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 22.08.2018)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Zeitfragen

Feuer, Wasser, Erde, LuftDie Natur als Netzwerk denken
Ein (später colorierter) Holzschnitt zeigt einen Menschen auf zwei Kugeln schwebend über Wasser und Land. An ausgestreckten Armen hält er einen Feuerball und ein pustendes Gesicht. Daneben sind Sonne, Mond und Sterne. (picture alliance / akg)

Feuer, Wasser, Erde, Luft: Jahrhundertelang prägte die Vier-Elemente-Lehre die Naturauffassung. Bis die moderne Wissenschaft die Welt in immer kleinere Teilchen zerlegte. Erst die moderne Ökologiebewegung versucht wieder, die Erde als Ganzes zu begreifen.Mehr

MedikamentenherstellungKondome als Bioreaktoren
In einem Labor stehen mehrere mit Algen gefüllte Bioreaktoren in einer Reihe. (picture-alliance/ dpa / Peter Endig)

Bis zu achtmal müssen bei der Medikamentenherstellung Zellkulturen in jeweils größere Bioreaktoren umgefüllt werden. Zu umständlich, befand Bioprozessentwickler Valentin Kramer. Für seine dehnbaren Behälter experimentierte er am Anfang mit Kondomen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur