Rote Liste des Deutschen Rats für Vogelschutz

    Kein Lebensraum – keine Vögel

    06:13 Minuten
    Ein Steinwälzer mit weiß-braunen Gefieder.
    Diesen Vogel können wir nicht mehr in der Natur beobachten: Der Steinwälzer gilt in Deutschland als ausgestorben. © Imago / Stefan Rotter
    Hans-Günther Bauer im Gespräch mit Julius Stucke · 22.06.2021
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    Die neue Rote Liste der Brutvögel zeigt: In Deutschland sterben so viele Arten aus wie nie zuvor. Lange sei davor gewarnt worden, den Vögeln immer mehr Lebensraum zu nehmen, doch verändert habe sich kaum etwas, sagt der Zoologe Hans-Günther Bauer.
    Immer mehr Vogelarten sterben in Deutschland aus, über die Hälfte der 259 dauerhaft hier brütenden Vogelarten ist gefährdet. Das zeigt die neue Rote Liste der Brutvögel in Deutschland, die der Deutsche Rat für Vogelschutz erstellt.

    Acht Arten kurz vor dem Aussterben

    Hans-Günther Bauer vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie ist einer der Wissenschaftler, die das Aussterben von Vögeln in Deutschland untersuchen. "Wir sind jetzt in einer Phase, wo sich für viele Arten Entscheidendes tut, leider oft zum Negativen", sagt er: "So etwas hat es noch nie gegeben, dass wir innerhalb der letzten zehn Jahre sieben, acht Arten haben, die ganz kurz vorm Aussterben sind. Wenn jetzt nichts Entscheidendes passiert, haben wir einen Zusammenbruch."
    Das Hauptproblem sei, dass den Vögeln immer mehr Lebensraum genommen werde. Lange sei davor gewarnt wurden, verändert habe sich kaum etwas. "Die Zahl der Arten insgesamt ist übrigens erstaunlicherweise gleich geblieben, weil wir Zuwanderung aus dem Süden kriegen", erklärt Bauer.
    Bedroht seien vor allem Arten, die besondere Lebensräume bräuchten, wie zum Beispiel Flüsse und Wiesen. Ausgestorben sei zum Beispiel der Steinwälzer, ein Vogel, der an der Grenze zwischen Wasser und Land lebe.

    Die "Spezialisten" trifft es als erstes

    Bei anderen Arten, die mit allen möglichen Bedingungen zurechtkämen, gäbe es hingegen einen Aufwärtstrend. Die Populationen der Amsel und des Haussperlings nähmen zum Beispiel derzeit zu:
    "Diese Arten sind jetzt überall weit verbreitet. Die spezialisierten Arten, die besondere Lebensräume brauchen, nehmen ab, und zwar überwiegend ab. Das heißt natürlich, was wir an Trivialarten – das ist jetzt ein bisschen despektierlich, die Allerweltsarten könnte man auch sagen – haben, die finden wir weiterhin. Aber wir verlieren unsere Spezialisten, weil wir einfach nicht den Lebensraum zur Verfügung stellen und diese Arten dann als erstes wegbrechen."

    Ohne Wiese hilft auch Auswildern nicht mehr

    Einige ausgestorbene Großvogelarten wie der Bartgeier konnten dagegen wieder erfolgreich in den Alpen ausgewildert werden. "Wenn wir etwas für diese Arten tun, wenn wir wissen, was für Lebensräume sie beanspruchen und wie wir mit diesen Lebensräumen umzugehen haben, haben wir auch große Erfolge", sagt Bauer.
    Das seien allerdings Ausnahmen: "Flagschiffarten". Vögel wie das Braunkehlchen bräuchten zum Beispiel große blühende Wiesen. Wenn es diese Wiesen nicht mehr gebe, dann gingen auch jene Arten unwiederbringlich verloren, die dort lebten.
    (nho)
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