Seit 05:05 Uhr Studio 9

Donnerstag, 13.12.2018
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Konzert / Archiv | Beitrag vom 18.04.2015

Rossinis Oper "Tancredi"Alles ist einfach und rein

Ottavio Dantone dirigierte in Lausanne

Zeitgenössische Darstellung des italienischen Komponisten Gioacchino Rossini (1792-1868) (dpa / picture alliance)
Zeitgenössische Darstellung des italienischen Komponisten Gioacchino Rossini (1792-1868) (dpa / picture alliance)

Mit ihr gelang Gioacchino Rossini der Durchbruch auf europäischer Ebene - inzwischen ist seine Opera Seria "Tancredi" nur noch selten zu hören. Zumeist werden seine unterhaltsamen Stücke wie "Der Barbier von Sevilla" oder "Die Italienierin in Algier" gespielt. In orientalisch-südmediterranen Gefilden angesiedelt ist auch sein "Tancredi", doch ist das eben eine tragische Geschichte. Die Opéra de Lausanne hat jetzt eine Neuproduktion gewagt ud als Dirigenten den Originalklang-Spezialisten Ottavio Dantone eingeladen.

In dem französischen Schriftsteller Stendhal hatte Rossini einen glühenden Verehrer. Und der erinnerte sich besonders gern an einen Abend mit der Oper "Tancredi". Deren Frische und Jugendlichkeit beeindruckte Stendhal - alles sei so einfach und rein gewesen, was er da gehört habe. Nun ist Tancredi nicht die bekannteste der Opern des italienischen Meisters. Doch sicher auch nicht seine unbedeutendste. Bekannt wurde Rossini mit seinem Ausspruch, man solle ihm die Rechnung der Wäscherei bringen, er werde auch dieses Funktionspapier vertonen. Bei "Tancredi" handelt es sich nun wirklich um keine Handwerkerrechnung, sondern um eine gewichtige Vorlage, nämlich die gleichnamige Tragödie von Voltaire. Und eine tragisch verwickelte Geschichte aus dem Sizilien des Mittelalters, für die Rossini und sein Librettist Rossi gleich zwei verschiedene Finali bieten - in Lausanne hat man sich für die tragische Variante entschieden. Der Held Tancredi stirbt - im Kampf schwer verwundet - in den Armen seiner Geliebten Amenaide.

Wie so viele Opern handelt auch Tancredi vom vermeindlichen Kampf der Kulturen. Die sizilianische Stadt Syrakus wird von den Sarazenen belagert, im Innern aber vor allem von internen Streitereien der Oberschicht gelähmt. Tancredi, ein junger Edelmann ist nach Byzanz (Konstantinopel) ausgewichen, das zu dieser Zeit eine gewichtige Rolle im gesamten Mittelmeerraum spielte. Die Tochter des syrakusianischen Patriziers Argirio, Amenaide, liebt Tancredi. Er liebt sie auch. Doch auch der patrizische Gegenspieler Orbazzano und der Herrführer der muslimischen Belagerer, Solamir, sind an Amenaide interessiert. Die meisten Kontakte zwischen den Geliebten müssen heimlich und inkognito stattfinden. Das ist nicht gut für das gegenseitige Vertrauen. Und Vater Argirio will schließlich aus innenpolitischen Gründen seine Tochter mit dem Gegenspieler Orbazzano verheiraten. Am Ende kommt Tancredi aus dem Exil zurück und zweifelt an Amenaides Liebe zu ihm. Die wird von allen Syrakusern für eine Verräterin gehalten und zum Tode verurteilt. Auch Tancredi kann und will sie nicht retten. Stattdessen zieht er in den Kampf gegen die Belagerer und wird schwer verwundet. Kurz vor seinem Tod erfährt er von Amenaides wahrer Liebe zu ihm.

Der Dichter Stendhal sang nach dem Besuch einer Vorstellung der anfangs des 19. Jahrhunderts sehr beliebten Oper Loblieder auf das Genie des Komponisten Rossini. Hier habe sich eine Art jungfräulich-naiver Genialität gezeigt, schrieb er. Ganz so jungfräulich kann sie nicht gewesen sein, diese Genialität des Komponisten, denn Rossini war doch bekannt als Lebemann....

 

Oper Lausanne

Aufzeichnung vom 27. März 2015

Gioachino Rossini
"Tancredi"
Melodramma eroico in zwei Akten
Libretto: Gaetano Rossi nach Voltaires Drama "Tancrède"

Tancredi - Anna Bonitatibus, Mezzosopran
Amenaide - Jessica Pratt, Sopran
Argirio - Yijie Shi, Tenor
Orbazzano - Daniel Golossov, Bass
Isaura - Camille Merckx, Mezzosopran
Roggiero - Mashal Arman, Mezzosopran
Opernchor Lausanne
Kammerorchester Lausanne
Leitung: Ottavio Dantone

anschließend, ca. 21.55

Die Besondere Aufnahme

Robert Kahn
Klaviertrio e-Moll op. 72

Hyperion-Trio:
Oliver Kipp, Violine
Katharina Troe, Violoncello
Hagen Schwarzrock, Klavier

Deutschlandradio Kultur/cpo 2013

Konzert

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur