Rossini-Glück
Pesaro, das Städtchen an der italienischen Adriaküste und Geburtsort Rossinis, ist seit langem Austragungsort der Rossini-Festspiele. Drei Premieren eröffnen seit 28 Jahren das Festival, doch das "Rossini-Glück" stellte sich 2007 erst am Ende ein und vermittelte das Gefühl, dass sich das Konzept dieses renommierten Festivals doch noch nicht erschöpft hat.
Drei Premieren – unmittelbar hintereinander – eröffnen seit 28 Jahren das Rossini-Festival, doch das "Rossini-Glück" stellte sich 2007 erst am Ende ein und vermittelte das Gefühl, dass sich das Konzept dieses renommierten Festivals, ausschließlich Rossini zu spielen und dabei exemplarisch die verschüttete Operntradition des frühen 19. Jahrhunderts zu erkunden, doch noch nicht erschöpft hat. Zu erleben war am letzten Premierenabend ein fast nie gespieltes und meist nur von der Ouvertüre her bekanntes Meisterwerk über einen vermeintlichen Löffeldiebstahl: La gazza ladra, "Die diebische Elster", ein Melodramma von ungeahnter Tiefe, komisch und existentiell beängstigend zugleich: Rossini als verblüffend modernes Musiktheater.
Bei "Otello" am ersten Tag schienen die Erwartungen trotz Startenor Juan Diego Florez ja wenig erfüllt, Regie und musikalische Leitung enttäuschten; angenehmer aber der zweite Abend, auch wenn die Inszenierung von Guido de Monticelli über biedere Komik kaum hinauskam. Doch zeigte diese Produktion des "Türken von Italien" zumindest, wie die sorgfältige Pflege des Rossini-Nachwuchses durch den künstlerischen Leiter Alberto Zedda Früchte trägt. Pesaro ist nach wie vor ein Sänger-Sprungbrett. Viele der Protagonisten des "Turco" hatten zuvor seine Accademia Rossiniana besucht, keiner ist über 35. Wie Olga Peretyatko bei "Otello" ist auch der sehr bühnenpräsenten Allesandra Marianelli als Fiorilla nach Pesaro 2007 eine große internationale Karriere sicher.
Im Kontrast zu aller Harmlosigkeit über Italientouristen aus der Türkei aber "Die diebische Elster"! Der junge Regisseur Damiano Michieletto entwickelt die rührselige Dorfgeschichte vom Vater, der als Deserteur gesucht wird, und seiner wegen Diebstahls zum Tode verurteilten zu einem modernen tief verunsichernden Albtraum. Bestimmt wird die Bühne (Paolo Fantin), die nach der Pause unter Wasser gesetzt wurde, von fünfzehn großen verstellbaren Röhren. Im Finale des ersten Aktes richten die Röhren sich wie ein riesiges Artilleriegeschoß über das Orchester auf das Publikum. Und das alles wegen eines Löffels! Die diebische Elster – ein junges Mädchen – schwingt sich schuldbewusst, neugierig, traurig, boshaft über die Personen.
Die Qualitäten von Rossinis Meisterwerkes versteht Lü Jia mit dem Orchestra Haydn aus Bozen sehr dynamisch zur Geltung zu bringen, dazu ein hochmotiviertes Ensemble: sehr spielfreudig als Bösewicht Michele Pertusi, Manuela Custer in der Hosenrolle des Pippo, Alex Esposito mit dramatischen Ausbrüchen als Vater und Mariola Cantarero als die verfolgte Unschuld vom Dorfe. Im Gegensatz zu Del Monaco bei Otello ging das Publikum mit dem weit mutigeren modernen Regietheater von Michieletto durchaus mit, abgesehen davon, dass Michieletto und Fantin sich auch – erstmals - der hässlichen Ästhetik des neuen Festspielhauses, der Adriatic-Arena stellten und in ihr Konzept einzubeziehen wussten.
Bei "Otello" am ersten Tag schienen die Erwartungen trotz Startenor Juan Diego Florez ja wenig erfüllt, Regie und musikalische Leitung enttäuschten; angenehmer aber der zweite Abend, auch wenn die Inszenierung von Guido de Monticelli über biedere Komik kaum hinauskam. Doch zeigte diese Produktion des "Türken von Italien" zumindest, wie die sorgfältige Pflege des Rossini-Nachwuchses durch den künstlerischen Leiter Alberto Zedda Früchte trägt. Pesaro ist nach wie vor ein Sänger-Sprungbrett. Viele der Protagonisten des "Turco" hatten zuvor seine Accademia Rossiniana besucht, keiner ist über 35. Wie Olga Peretyatko bei "Otello" ist auch der sehr bühnenpräsenten Allesandra Marianelli als Fiorilla nach Pesaro 2007 eine große internationale Karriere sicher.
Im Kontrast zu aller Harmlosigkeit über Italientouristen aus der Türkei aber "Die diebische Elster"! Der junge Regisseur Damiano Michieletto entwickelt die rührselige Dorfgeschichte vom Vater, der als Deserteur gesucht wird, und seiner wegen Diebstahls zum Tode verurteilten zu einem modernen tief verunsichernden Albtraum. Bestimmt wird die Bühne (Paolo Fantin), die nach der Pause unter Wasser gesetzt wurde, von fünfzehn großen verstellbaren Röhren. Im Finale des ersten Aktes richten die Röhren sich wie ein riesiges Artilleriegeschoß über das Orchester auf das Publikum. Und das alles wegen eines Löffels! Die diebische Elster – ein junges Mädchen – schwingt sich schuldbewusst, neugierig, traurig, boshaft über die Personen.
Die Qualitäten von Rossinis Meisterwerkes versteht Lü Jia mit dem Orchestra Haydn aus Bozen sehr dynamisch zur Geltung zu bringen, dazu ein hochmotiviertes Ensemble: sehr spielfreudig als Bösewicht Michele Pertusi, Manuela Custer in der Hosenrolle des Pippo, Alex Esposito mit dramatischen Ausbrüchen als Vater und Mariola Cantarero als die verfolgte Unschuld vom Dorfe. Im Gegensatz zu Del Monaco bei Otello ging das Publikum mit dem weit mutigeren modernen Regietheater von Michieletto durchaus mit, abgesehen davon, dass Michieletto und Fantin sich auch – erstmals - der hässlichen Ästhetik des neuen Festspielhauses, der Adriatic-Arena stellten und in ihr Konzept einzubeziehen wussten.
