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Interview / Archiv | Beitrag vom 15.01.2019

Rosa Luxemburg und Karl LiebknechtMorde, die bis heute nachwirken

Klaus Gietinger im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Ein Schriftzug mit dem Namen von Rosa Luxemburg steht am Landwehrkanal in Berlin. Das Denkmal stammt von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
Ein Schriftzug mit dem Namen von Rosa Luxemburg steht am Landwehrkanal in Berlin. Das Denkmal stammt von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)

Durch den Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht vor 100 Jahren sei die Spaltung in den Arbeiterparteien zementiert worden, sagt der Autor Klaus Gietinger. Das habe dazu geführt, dass SPD und KPD 1933 "nicht mehr zusammenkamen, um Hitler zu bekämpfen".

Vor 100 Jahren wurden die beiden Sozialdemokraten und Mitgründer der Kommunistischen Partei in Deutschland, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, von Angehörigen der Garde-Kavallerie-Schützen-Division im Berliner Tiergarten ermordet. Dieser politische Mord habe weitreichende Folgen für die deutsche Geschichte gehabt, sagte der Autor Klaus Gietinger im Deutschlandfunk Kultur.

Durch diesen Mord sei die Spaltung in den Arbeiterparteien "zementiert" worden. Und das habe dazu geführt, dass SPD und KPD 1933 "nicht mehr zusammenkamen, um Hitler zu bekämpfen", so Klaus Gietinger, der die Bücher "Eine Leiche im Landwehrkanal" und "November 1918" in der Edition Nautilus veröffentlicht hat.

Einzelheiten in Schriftstücken von Waldemar Papst

Der Autor und Regisseur leitet Einzelheiten der Ermordung aus Memoiren und Briefen des Offiziers Waldemar Papst ab, der als Erster Generalstabsoffizier der Garde-Kavallerie-Schützen-Division für die Morde verantwortlich war.

Papst soll sich demnach mit dem zivilen Oberbefehlshaber Gustav Noske von der SPD abgestimmt haben, der die Ermordung gebilligt habe.

"Das politische Motiv war: Beide, sowohl Luxemburg als auch Liebknecht, waren entschiedene Kriegsgegner und sie waren für eine sozialistische Revolution. Und das war natürlich Grund genug für die rechten Freikorps, sie umzubringen."

Im dunklen Tiergarten von hinten erschossen

Luxemburg und Liebknecht waren am Abend des 15. Januar 1919 festgesetzt worden und von einer selbsternannten Bürgerwehr ins Eden-Hotel gegenüber dem Berliner Zoo transportiert worden. Dieses Hotel war die Zentrale der Garde-Kavallerie-Schützen-Division. Hier wurden die beiden Politiker verhört und Liebknecht bereits schwer verletzt.

Luxemburg und Liebknecht wurden dann mit dem Auto vorgeblich ins Gefängnis transportiert. Eine Panne wurde fingiert. Liebknecht wurde "in den dunklen Tiergarten" geführt und von hinten erschossen, so Gietinger. Luxemburg sei im Auto getötet und "auch noch in den Landwehrkanal geworfen" worden.

"Sie hätten die Stalinisierung der KPD nicht mitgemacht"

Hinsichtlich des viel zitierten Luxemburg-Zitats "Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden", meinte Gieitinger, dass Luxemburg diese Freiheit tatsächlich nicht nur für sich beansprucht habe. "Es wird immer gesagt, sie habe das nur für die Sozialisten gemeint. Aber sie sagt auch 'Es darf nicht nur eine Partei geben'", so Gietinger.

Man könne davon ausgehen, dass Luxemburg und Liebknecht "die Stalinisierung der KPD zum Beispiel nicht mitgemacht hätten", sagte Gietinger, "also beide wären wahrscheinlich nicht so dogmatisch geworden wie dann die KPD wurde".

(huc)

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