Romantisches Herumstreichen

Von Rahel-Sophie Friedel · 10.10.2007
Abenteuerlich, unabhängig, frei und wild - das war das Lebensgefühl des Trampers. "Tramper" das war ursprünglich das Wort für einen amerikanischen Wanderarbeiter, der von einem Gelegenheitsjob zum nächsten zog. Jack Kerouac erfand dann 1951 den Tramper neu, mit seinem Buch "on the road." Es wurde zum Kultroman einer ganzen Generation von wilden Beatniks, die kreuz und quer durch die USA trampten, mit nichts im Kopf als Sex, Drugs und Bebop.
Von den fünfziger bis in die achtziger Jahre bevölkerten diese modernen Landstreicher die Standstreifen der Autobahnen. Trampen war das selbstverständlichste der Welt. Dabei ging es eben nicht nur darum, möglichst kostengünstig von A nach B zu kommen. Trampen war nicht nur Fortbewegungsart, sondern Lebenseinstellung.

Genauso lange, wie junge Leute trampen, bereiten sie ihren Eltern damit schlaflose Nächte. Die Fernsehserie "Aktenzeichen x,y" verbreitet seit 1967 Gruselgeschichten von verschollen Tramperinnen und ausgeraubten Autofahrern.

Und ein Polizeiratgeber aus dem Jahr 1975 warnt vor den Gefahren:

"Da war zum Beispiel dieser junge Mann in Berlin Charlottenburg, der von einem Anhalter mit der Pistole bedroht wurde, durch geschicktes Abbremsen und Beschleunigen konnte er den Angreifer gerade noch in die Flucht schlagen ... "

Das alles tat dem Volkssport Autostop zunächst keinen Abbruch. Erst Anfang der Neunziger Jahre bereiteten Billigflüge, Bahncard und Mitfahrzentrale dem Trampen ein Ende. Die neue Generation setzte mehr auf Bequemlichkeit und Sicherheit statt auf Abenteuer und Romantik. Oder die Tramper haben schließlich doch den Rat der Polizei aus dem Jahr 1975 befolgt:

"Der beste Rat, den man jemandem geben kann, ist: Meiden Sie den Autostopp."