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Kompressor | Beitrag vom 16.01.2018

Roman "Mein Leben zwischen den Geschlechtern"Transgender, genderqueer - oder einfach Mensch

iO Tillet Wright im Gespräch mit Timo Grampes

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iO Tillett Wright im Studio von Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio - Andreas Buron)
Der US-amerikanische Künstler, Trans-Aktivist und TV-Moderator iO Tillett Wright im Studio von Deutschlandfunk Kultur (Deutschlandradio - Andreas Buron)

Der US-amerikanische Künstler, Trans-Aktivist und TV-Moderator iO Tillett Wright wurde als Frau geboren, fühlt sich aber als Mann. Geschlechtskategorien lehnt er jedoch ab und sagt "Ich bin einfach ein Mensch". Über seine Identitätsfindung hat er einen Roman geschrieben.

Wie fühlt sich ein Leben zwischen den Geschlechtern an? Das ist das große Thema von iO Tillet Wright aus Los Angeles, geboren als Frau, gefühlt ein Mann. Der US-Amerikaner ist Künstler, Aktivist zum Thema Geschlechteridentität und Schriftsteller. Über seine eigene Identitätsfindung hat der Künstler, Schauspieler, und TV-Moderator den Roman "Darling Days. Mein Leben zwischen den Geschlechtern" geschrieben. Einem breiteren Publikum bekannt wurde er durch den TED-Talk "50 Shades of Gay", der gerade auf drei Millionen Zuschauer zusteuert.

Gegenüber der Zuordnung zu geschlechtlichen Kategorien ist er skeptisch. "Wenn ich etwas wählen muss, dann ist es 'trans'", sagte iO Tillet Wright im Deutschlandfunk Kultur. Aber ob er ein Transgender sei oder genderqueer, sei für ihn sekundär. "Ich bin einfach ein Mensch." Diese Haltung teilten jedoch viele Menschen nicht. "Jetzt sehe ich eben, dass mit diesem Buch die ganze uralte Frage immer wieder auf mich zukommt, dass ich immer wieder nach diesem einen Kriterium befragt werde." Er wünsche sich, so leben zu können, wie er das wolle. "Ich träume von einer Zukunft, wo ich einfach als der Mensch leben kann und angesehen werde, der ich bin."

"Andere Kinder wollten mich einordnen"

Mit der Frage nach der Geschlechtskategorie sei er erst mit fünf oder sechs Jahren konfrontiert worden. Schon mit zwei Jahren sei deutlich geworden, dass er sich zumindest nicht ausschließlich mit seinem weiblichen Geschlecht identifizierte. "Ich habe mich nie als Mädchen besonders ausgedrückt." Und in den ersten Jahren habe ihn seine Umgebung nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet. "Als ich etwa fünf, sechs Jahre alt war, wollten mich andere Kinder einordnen als Junge oder Mädchen. Ich sagte, ich mache das und das gerne - ja, das machen doch die Jungs, also bist du ein Junge."

Das Buch habe er geschrieben, damit mehr Empathie entstehen kann. Er glaube, "dass man durch das Erzählen solcher Geschichten Vertrautheit herstellt, dass man diese scheinbar abweichenden Menschen humanisiert, sie auch normalisiert und damit Wege ebnet, dass sie in die Gesellschaft ganz normal integriert werden und sie so dazugehören wie alle anderen auch".

(abr)

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