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Neue Musik | Beitrag vom 28.02.2019

Roman Haubenstock-Ramati zum 100. GeburtstagPorträt eines Unbekannten

Von Thomas Schäfer

Der Komponist Roman Haubenstock-Ramati. (picture-alliance / Imagno / Otto Breicha)
Der Komponist Roman Haubenstock-Ramati (1919-1994), Archivbild aus dem Jahr 1969 (picture-alliance / Imagno / Otto Breicha)

In Österreich mit hochrangigen Preisen und Auszeichnungen für sein kompositorisches Schaffen geehrt, war Roman Haubenstock-Ramati dennoch bei seinem Tod im März 1994 in der übrigen Musikwelt ein weithin Unbekannter.

"Die Unordnung existiert im Grunde genommen überhaupt nicht: Die Unordnung ist eine Situation, der wir noch keinen Sinn gegeben haben." (Haubenstock-Ramati 1980)

Am 27. Februar 2019 wäre er einhundert Jahre alt geworden: Roman Haubenstock-Ramati, Komponist, Lehrer und bildender Künstler in einer Person. Der 1919 in Krakau geborene und im März 1994 - kurz nach seinem 75. Geburtstag - in seiner neuen Wahlheimat Wien gestorbene Künstler ist heute einer der große Unbekannten der Neuen Musik. Das war in seinem Fall nicht immer so: In den 1950er/60er-Jahren war Haubenstock-Ramati an vielen zentralen Diskussionen zur aktuellen Musik beteiligt, setzte sich intensiv mit offenen Formen, variablen Strukturen und grafischen Notationsmöglichkeiten auseinander - in Wien wie auch bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. Dann wurde dieser leise und bescheidene Mensch vom Zeitgeist gleichsam überrollt.

Musikalische Grafik

Neuland betrat Haubenstock-Ramati zu Beginn der 1960er Jahre mit seinen grafischen Partituren. Dabei handelte es sich um musikalische Grafiken, die als Vorlagen für mehr oder weniger improvisierte Umsetzung in Musik dienen konnten.

Grafische Partitur von Roman Haubenstock-Ramati (http://www.kulturtechno.de)Grafische Partitur von Roman Haubenstock-Ramati (http://www.kulturtechno.de)

Auch begann er mit der Schaffung einer "variablen Musik" zu experimentieren, wie es der amerikanische Bildhauer Alexander Calder mit seinen dynamischen Skulpturen vorgemacht hatte. Die "Mobiles", wie Haubenstock-Ramati seine Stücke denn auch nach Calder nannte, hat er mit einem paradoxen Begriff beschrieben: "beweglich geschlossene Formen". "Die Form ist geschlossen, weil nach dem Abschluss eines Abschnitts die in ihm auftretenden musikalischen Elemente zur Bildung eines weiteren Abschnitts verwendet werden und jeder weitere Abschnitt ist wiederum veränderlich. Das heißt, dass ständig ein neuer Kontext hergestellt wird". Aus dieser Beweglichkeit resultiert auch die erstaunliche Frische, die die Stücke von Haubenstock-Ramati ausstrahlen, da sie in jeder Aufführungssituation neu entstehen.  

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