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Kompressor | Beitrag vom 16.04.2021

Roland Klick über seinen Film "Deadlock""Das menschliche Drama dieser Welt"

Moderation: Jana Münkel

Mario Adorf kniet auf dem Boden. Neben ihm steht ein Mann und hält ihm eine Waffe an den Kopf. (picture alliance / dpa / United Archives / kpa Publicit)
Schauspieler Mario Adorf spielt in "Deadlock" Charles Dump, der im späteren Verlauf des Films ein trauriges Schicksal erleidet. (picture alliance / dpa / United Archives / kpa Publicit)

"Deadlock" von Roland Klick ist eine böse, brutale Geschichte mitten in einer namenlosen Wüste. Der Modern Western ist Teil der deutschen Filmgeschichte. Für den Regisseur ist die Gewaltorgie eine Metapher für den Zustand der Welt.

Roland Klicks Western "Deadlock" steht quer und riesenhaft in der deutschen Filmgeschichte. Ein böser, schroffer, feindseliger Stoff mitten in einer namenlosen Wüste, ohne Erklärungen, getragen von Gewalt, Gier und Verachtung für den Mitmenschen, gnaden- und hoffnungslos. Und mit einer auch im klimatisierten Kinosaal körperlich spürbaren, gleißenden Hitze und üblen Gerüchen. Mario Adorf – im Film ein schwitzender, elendiger Depp – musste Klick erst das Schauspielen "verlehren", wie er später sagte.

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Zum Neuen Deutschen Film, den das Oberhausener Manifest ausgerufen hatte, verhielt sich "Deadlock" wie Rock ’n’ Roll zur Neuen Musik. HIER die, die, wie Klaus Lemcke sagte, ihre Abiturprüfung noch mal verfilmten, DA die existenzielle Energie und rohe Kraft, hinter der die vorhandene Meisterschaft versteckt blieb.

"Deadlock" steht heute auf den Bestenlisten der Filmgeschichte ganz weit vorne. Zum 50. Jubiläum kommt eine opulente Blu-Ray-Edition mit viel Bonusmaterial heraus. Wie haben mit Roland Klick über sein Werk gesprochen.

Die Inspiration kam in der Wüste

"Deadlock" wurde nach dem Sechstagekrieg 1967 in der Negev-Wüste an der Grenze zwischen Israel und Ägypten gedreht. Ihm sei die Idee für den Film eigentlich erst vor Ort gekommen, sagt Roland Klick. Er habe sich dort ein paar Tage hingesetzt – und irgendwann sei jemand mit einem Koffer mit Geld angetaumelt gekommen.

Regisseur Roland Klick, ein älterer Mann mit Brille, sitzt auf einem roten Sofa und zeigt das Peace-Zeichen in die Kamera. (picture alliance / dpa / Tobias Hase)Sein Film "Deadlock" sei eine Metapher für das Leben schlechthin, sagt Roland Klick. Hier 2017 in München. (picture alliance / dpa / Tobias Hase)
Die Geschichte spiele zwar in der Wüste, aber es handele sich dabei auch um eine "innere Wüste", sagt der Regisseur. Der Film habe keinen historischen Bezug, sondern es spiele sich ein menschliches Drama in der Welt schlechthin ab, das sich auch in Hamburg oder an jedem anderen Ort auf dieser Welt abspielen könnte. "Es ist eine Metapher für das Leben schlechthin und auch auf die Gesellschaft."

Brutalität und ein Hauch von Ewigkeit

Der Film zeigt viel Brutalität, aber auch diese komme in der Welt vor, sagt Roland Klick. Dennoch nehme man auch eine Sehnsucht war. Es gebe die Figur eines seltsamen Mädchens, einen Hauch von Ewigkeit und einen Bezug zum Jenseits.

Auch die progressive Filmmusik der avantgardistischen Band Can sticht heraus. Roland Klick selbst hatte ursprünglich an mexikanische Musik gedacht. Die Mitglieder von Can hätten ihn aber mit ihren musikalischen Vorschlägen sofort überzeugt. "Man sieht und hört wirklich die Sonne und die Maschinenpistolen."

Manche hätten gesagt, der Film sei ein psychedelischer Western, andere meinten, es sei ein Gangsterfilm. Das sei für ihn ja das Schöne, sagt Roland Klick, dass jeder seine eigene Interpretation von der Geschichte habe. Für den Regisseur selbst ist der ganze Film eine Vision unserer Welt mit all seinen Dramen und der Brutalität darin.

(jde)

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