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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 21.10.2014

RohstoffDie Rolle Saudi-Arabiens

Der Ölpreis sinkt - und bleibt voraussichtlich weiter unter Druck

Von Michael Braun

Erdöltanks bei Yanbu in Saudi-Arabien. (picture alliance / dpa / Mehmet Biber)
Erdöltanks bei Yanbu in Saudi-Arabien. (picture alliance / dpa / Mehmet Biber)

Die Märkte werden derzeit geradezu mit billigem Öl überschwemmt. Doch während die OPEC früher bei fallenden Rohölpreisen die Förderung drosselte, findet derzeit das Gegenteil statt. Warum? Ein Besuch bei dem Rohstoffexperten Eugen Weinberg.

"Guten Tag. Michael Braun fürs Deutschlandradio. Ich wollte zu Herrn Eugen Weinberg."

"Gern, Herr Braun. Ich melde Sie an."

Es dauert nicht lange und Eugen Weinberg holt mich ab. Heute mal ohne Sakko. Der Mann ist ein Kerl, etwa 1,80 groß, stämmig, schmaler dunkler Haarkranz um den ansonsten kahlen Kopf. Dunkle, wache Augen hinter einer Brille. Über Eugen Weinberg, seine jungen Jahre in Russland will Eugen Weinberg nicht reden. Immerhin: Sein Studium in Moskau hilft.

"Ich glaube, dass viel von dem, was an den Märkten passiert, man auch mit mathematischen Modellen erklären kann. Aber es würde mir noch helfen, vielleicht Psychologie studiert zu haben, weil es auch sehr häufig eher psychologische Hintergründe, soziologische Hintergründe das Geschehen an den Börsen hat, insbesondere kurz- bis mittelfristige."

Weinberg arbeitet in einem der größten Handelssäle der Branche, dem der Commerzbank. Er selbst ist kein Händler, sondern Analyst, der Händlern und Kunden die Welt der Rohstoffe erklärt. Wenn er sich einloggt, blitzen vier Bildschirme auf, einer zeigt die aktuellen Preise von 30, 40 Rohstoffen: Edel- und Industriemetalle, Weizen, natürlich Öl. Dass dessen Preis gesunken ist, trotz der geopolitischen Krisen gesunken ist, hat auch den Fachmann überrascht:

"Ja, anfangs waren wir auch, wie die meisten Marktbeobachter, sehr überrascht, vor allem angesichts der vielen geopolitischen Risiken, warum der Preis so stark und so schnell zurückfällt. Es gibt dafür durchaus fundamentale Gründe. Zum einen ist es natürlich die schwache Nachfrage, auf der einen Seite, nicht nur in Europa. Sondern vor allem in den Schwellenländern hat sich das Nachfragewachstum zuletzt abgeschwächt. Auf der anderen Seite hat sich auch auf der Produktionsweise was getan. Die Amerikaner produzieren fast so viel Öl wie seit 30 Jahren nicht mehr. Und gleichzeitig zeigt sich die OPEC nicht bereit, jetzt diesen Preisrückgang momentan auch aufzuhalten."

Strafe für den Ölexporteur Russland?

Weinberg bespricht sich mit seinem Kollegen zur Rechten, feilt an einer Präsentation, die er für den Vortrag heute in London braucht. Wenn er auf den Markt schaut, schaut er auf die ökonomischen Einflussfaktoren. Den Verdacht des Russischen Instituts für Strategische Studien, Amerika und Saudi-Arabien drückten den Ölpreis, um den Ölexporteur Russland zu bestrafen zu schwächen, biegt Weinberg ab:

"Ich finde es wichtig, diese Frage zu beantworten. Und derjenige, der die Antwort auf diese Frage hat, der kann auch die richtigen Schlüsse daraus ziehen und kann womöglich auch wissen, wo der Preis hingeht. Wir wissen es nicht. Wir können nur vermuten, dass Saudi-Arabien mit diesem Verhalten, was sehr atypisch ist für die letzten Jahre, vor allem gegen die anderen OPEC-Länder zielt und sie dazu zwingen möchte, mehr Disziplin an den Tag zu legen. Das heißt auch, an die hoch gesteckten Ziele zu halten und die Produktion auch gleichzeitig und koordiniert zu reduzieren. Saudi-Arabien will es schlicht nicht mehr allein tragen diese ganze Last, diese Verantwortung."

Wie es wird mit dem Ölpreis? Einstweilen bleibt er unter Druck, meint Weinberg. Kollegen aus der Volkswirtschaftlichen Abteilung sagen: Gut so. Das wirkt wie ein Konjunkturprogramm in der Größenordnung von 0,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Schlecht so, sagen andere, schlecht, wenn die Ölproduzenten weniger Geld haben, um bei uns Autos und Maschinen zu kaufen.

20 Minuten Zeit hat Eugen Weinberg für mich. Die sind vorbei. Am Empfang gebe ich meine Besucherkarte ab.

"So, hier mein Hausausweis. Vielen Dank"

"Vielen Dank Herr Braun, ich wünsch Ihnen noch einen schönen Tag."

Mehr zum Thema:

Russlands Wirtschaft - Der Rubel auf Talfahrt
(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 10.10.2014)

Krim-Krise - Börsen unter Druck
(Deutschlandfunk, Aktuell, 03.03.2014)

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