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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 30.06.2014

Röhm-PutschSA-Führer Röhm wird erschossen

Der Beginn des politischen Niedergangs der SA

Von Otto Langels

Ernst Röhm (m.), Stabschef der SA (Sturmabteilung), in einer zeitgenössischen Aufnahme (picture-alliance / dpa)
Ernst Röhm (m.), Stabschef der SA (Sturmabteilung), in einer zeitgenössischen Aufnahme (picture-alliance / dpa)

SA-Chef Ernst Röhm und die in einem Hotel am Tegernsee einberufene SA-Führungsspitze wurden am 30. Juni 1934 inhaftiert und anschließend erschossen. Die blutige Abrechnung mit der Sturmabteilung (SA), von den Verantwortlichen um Hitler, Göring und Himmler als sogenannter Röhm-Putsch verschleiert, forderte zahlreiche Opfer im Nachgang.

Ernst Röhm:
"Solange noch ein einziger wertvoller Volksgenosse untätig abseits steht, wird die SA auch für die Zukunft marschieren, wird weiterkämpfen, und wenn das Schicksal es fordert, ihr Leben hingeben. "

Als Ernst Röhm, Stabschef der SA, diese Sätze sprach, konnte er nicht ahnen, dass sie am 30. Juni 1934 Wirklichkeit werden sollten. Doch nicht der politische Gegner, sondern Kampfgefährten der eigenen nationalsozialistischen Bewegung ermordeten Röhm und seine Gefolgsleute.

Die Sturmabteilung – kurz SA – war 1921 als Ordnertruppe und Saalschutz der NSDAP gegründet worden. Die Mitglieder in braunen Uniformen mit Schaftstiefeln, Koppel und Schulterriemen entwickelten sich zu einer Schlägertruppe, die sich blutige Straßenschlachten mit linken Gruppen lieferte. Unter Ernst Röhm, einem alten Kampfgefährten und Duzfreund Adolf Hitlers, seit 1931 Stabschef der SA, entwickelte sich die Truppe schnell zu einer Massenorganisation.

Als Vorkämpfer des nationalsozialistischen Aufstiegs hatte sich die SA große Verdienste erworben. Deshalb hoffte der braune Bund, nach Hitlers Regierungsübernahme mit öffentlichen Ämtern und Posten belohnt zu werden. Mit vier Millionen Mitgliedern im Rücken formulierte Ernst Röhm unverhohlen Machtansprüche. Er forderte eine "zweite Revolution", eine radikale soziale Umgestaltung Deutschlands, und wollte die SA zu einer Volksmiliz und damit zu einer ernsthaften Konkurrenz der Reichswehr ausbauen.

Ernst Röhm
"Die SA ist zu einem Felsblock geworden, den nichts auf der Welt mehr erschüttern kann. Wer glaubt, sie aus dem politischen Leben ausschalten zu können, beweist damit, dass er von dem Geist dieses braunen Heeres keine Ahnung hat."

Treffen am Tegernsee mit Folgen

Adolf Hitler sah sich zum Handeln gezwungen und beschloss im Zusammenspiel mit Himmler und Göring, die SA-Spitze auszuschalten. Für den 30. Juni beorderte er deren Führer nach Bad Wiessee am Tegernsee. Um Röhm zu diskreditieren, verbreitete die SS Geschichten über seine Homosexualität, eine längst bekannte Tatsache, sowie Gerüchte über einen unmittelbar bevorstehenden Putsch der Braunhemden. Die lancierten Falschmeldungen lieferten Hitler die Legitimation für ein entschiedenes Durchgreifen.

"Es konnte vom Monat Mai ab keine Zweifel mehr geben, dass Stabschef Röhm sich mit ehrgeizigen Plänen beschäftigte, die im Falle ihrer Verwirklichung nur zu schwersten Erschütterungen führen konnten."

Erklärte Adolf Hitler später, um sein Vorgehen gegen die SA nachträglich zu rechtfertigen.

Am Morgen des 30. Juni, als die komplette SA-Führung in einem Hotel am Tegernsee versammelt war, ließ Hitler sie festnehmen. Er selber stürmte mit gezogener Pistole in das Zimmer Röhms, schrie: "Du bist verhaftet!" und beschimpfte den verdutzten Stabschef als Verräter.  

Rund 200 Menschen starben nach dem Röhm-Putsch

SS-Mannschaften brachten die SA-Führer in das Münchner Gefängnis Stadelheim, wo sie noch am selben Tag ohne Gerichtsverfahren ermordet wurden. Ernst Röhm reichte man eine Pistole für einen "ehrenvollen" Tod. Als er nicht abdrückte, erschossen ihn zwei SS-Männer.

Rund 200 Menschen wurden im Zuge des sogenannten "Röhm-Putsches" umgebracht: neben 50 höheren SA-Führern auch Regimegegner aus Politik und Kirche wie der ehemalige Reichskanzler Kurt von Schleicher und seine Ehefrau sowie der Katholik Erich Klausener. Ebenso waren einstige Gefolgsleute Hitlers wie Gregor Strasser unter den Opfern. 

Um das ungeheuerliche, rechtlose Vorgehen im Nachhinein zu legitimieren, beschloss die Reichsregierung am 3. Juli folgendes Gesetz: "Stärkung der SA nach dem Putsch"

Die zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe am 30. Juni, 1. und 2. Juli 1934 vollzogenen Maßnahmen sind als Staatsnotwehr rechtens.

Zehn Tage später äußerte sich Adolf Hitler erstmals im Reichstag öffentlich zur "Nacht der langen Messer", wie sie bald im Volksmund genannt wurde: 

"In dieser Stunde war ich verantwortlich für das Schicksal der deutschen Nation und damit des deutschen Volkes oberster Gerichtsherr." (Beifall)

Neben der Reichswehr ging die SS aus der Mordaktion gestärkt hervor und wurde eine von der SA unabhängige Organisation. Der Einfluss der SA ging rapide zurück. Innerhalb eines Jahres verlor sie mehr als ein Drittel ihrer Mitglieder. Politisch spielte sie im NS-Regime kaum noch eine Rolle.

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