Donnerstag, 24.06.2021
 

Tonart | Beitrag vom 02.10.2018

Rod Stewart: "Blood Red Roses"Die Freuden des Walfangs und der Trump-Parties

Von Sara Walther

Rod Stewart in weißem Jacket, vor dunklem, teils rotem Hintergrund und Schweiwerferreflektionen. (imago / Xinhua)
Rod Stewart bei einem Konzert 2015. (imago / Xinhua)

Mit 73 Jahren hat Rod Stewart sein 30. Album herausgebracht. Kein besonders tiefgründiges Album, aber das stört ihn nicht sonderlich: "Ich bin nicht wie Tom Waits, ich kann keine Bilder allein durch die Musik malen, meine Texte sind schwarz und weiß."

[Anklopfen] "Sir Rod, coming in! Ah, come in! Ah we got to open a wine, aren’t we? [lachen] Someone who finds some wine?"
"You want some?" 
"Yeaaah! Why is my name Rod Stewart or what?!" [lachen]

Da ist er endlich. Rod Stewart in Topform. Selbstverständlich wird da erst erstmal eine Runde Wein bestellt.

"How are we all? Welcome to Berlin! Thank you my friend! Thank you so much."

Als einzige der fünf Journalisten, die jetzt Rod Stewart interviewen sollen, bin ich nicht männlich und über Fünfzig. Und ehrlich gesagt auch kein Fan. Eigentlich bin ich nur aus Neugier da. Neugier auf einen Helden meiner Vatergeneration.

Ein Partyhit über das Abschlachten von Walen?

50 Jahre ist Rod Stewart im Geschäft. Jetzt bringt er sein 30. Studioalbum "Blood Red Roses" heraus. Sein 30.! Und singt darauf vom … Walfang?!

Ein Partyhit über das Abschlachten von Walen? Na ja, immerhin catchy. So wie die meisten Songs auf der Platte. Ein Profi eben, der Stewart. Auch im Interview greift er unsere Fragen auf, als seien es unheimlich schlaue Beobachtungen. Schmeichelt natürlich. Zum Beispiel, als einer sagt, das Album biete einen Querschnitt durch den gesamten Rod-Stewart-Kosmos:

"Kosmos, das gefällt mir. Die letzten zwei Alben waren ja eher so ein Rock-Mix. Auf dem neuen Album haben wir uns stilistisch erweitert – und enorm verbessert! Das Songwriting und die Themen stehen jetzt mehr im Mittelpunkt. Wir werden wirklich immer besser!"

"Heute bin ich definitiv ein besserer Sänger!"

Mit 73! Den Rocker nimmt man ihm da nicht mehr so ab. Sieht er aber genauso:

"Es ist wie mit einem Fußballer: wenn er älter wird, muss er echt aufpassen. Die Stimmbänder sind auch nur Muskeln! Mit 20 war das noch anders. Da hab ich mir erst ein paar Drinks gegönnt und dann einfach losgesungen. Heute bin ich definitiv ein besserer Sänger. Ich habe mehr Kontrolle über meine Stimme und mehr Leidenschaft."

Vor allem hat auf der Platte die Autotune-Software die Kontrolle über Stewarts Stimme übernommen. Und Stewart, hier in diesem 5-Sterne-Hotel, nimmt erst mal einen Schluck vom Wein.

"Cheers, Gentleman! Okay cheers! Cheers! Cheers!" [Geklapper]

Interviewtermin als Stammtischrunde

Aha, seit wann bin ich ein Gentleman? An der Fachsimpelei meiner Kollegen über die guten alten Zeiten kann ich mich jedenfalls nicht beteiligen. Und dann kommt die Runde auch noch auf die Performance der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zur WM 2018 zu sprechen!

Sie sind noch nicht ganz wieder die Alten, oder? Sehr schade, dass dieser Arsenal-Spieler nicht mehr dabei ist. Wie heißt er nochmal, der mit den großen Augen? Özil! Özil. Guter Spieler."

Und so ist das Interview in kürzester Zeit zu einem Stammtisch alter Kumpels mutiert. Rod redet darüber, was er an Weihnachten vorhat und dass er gern zu Partys von Donald Trump geht. Er fühlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle als Geschichtenerzähler.

"Ich bin nicht wie Tom Waits, der meiner Meinung nach einer der größten Lyriker aller Zeiten ist. Ich kann keine Bilder allein durch die Musik malen. Meine Texte sind schwarz und weiß. Sie erzählen, was passiert ist. Sie sind alle kleine Geschichten. Nur auf diese Weise schreibe ich Songs."

Kein besonders tiefgründiges Album

So viel Einsicht hat Stewart dann doch. Trotz persönlicher Note ist "Blood Red Roses" kein besonders tiefgründiges Album. Aber das scheint der echte Rod Stewart ja auch nicht zu sein. Familie und Fußball. Das ist ihm wichtig. Und ein bisschen Luxus natürlich auch.

Das Interview jedenfalls ist vorbei und die gerade noch so ernsthaften Musikkenner der Presse stürzen sich mit allerlei Kram zum Signieren auf ihren Megastar.

"Ich denke nicht über den Erfolg des Albums nach. Und das meine ich ernst! Es ist mir egal, ob es sich gut verkauft. Ich mag die Vorstellung, die Musik nur noch für meine Freunde zu machen, für alle, die mich verstehen und für meine Fans, die mich schon so lange begleiten."

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