Seit 11:05 Uhr Tonart
Donnerstag, 23.09.2021
 
Seit 11:05 Uhr Tonart

Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 22.04.2014

RobotikKinderleichte Roboterwelt

Der Spielzeug-Baukasten TinkerBots soll bald in Serie gehen

Von Annegret Faber

Die sechsjährige Jette bastelt am 7.4.2014 bei der Hannover Messe an einem kleinen Roboter. (picture-alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Roboter selbst basteln wird immer einfacher - hier bei der Hannover Messe 2014. (picture-alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Ein Baukasten, mit dem Kinder Roboter selbst basteln können, wurde auf der Cebit vorgestellt. Dank eines "Power Brains" entwickeln die so entstehenden Kreaturen ihr Eigenleben. TinkerBots nennt sich das neue Spielzeug - an dem nicht nur Kinder ihren Spaß haben.

Man nehme…

Leonhard Oschütz: "Würfel, Zylinder und Knickmodule."

Gebe dazu ein Power Brain:

"Das ist rot und besitzt einen Akku, Bluetooth-Modul und die Steuereinheit für das ganze System."

Außerdem eine Prise Kindheitserfahrung, die vor allem darin besteht:

"Dass ich als kleines Kind viel mit Lego gemacht habe und auch mit den neuen digitalen Medien aufgewachsen bin, also Gameboy oder Computer."

Spricht immermal mit Freunden über seine Ideen.

Matthias Bürger: "Also Leo und Chris, die haben zusammen Produktdesign in Weimar studiert und kannten sich daher und wir kennen uns aus dem gemeinsamen Freundeskreis. Von Partys und ähnlichen Sachen."

Einfallsreiches Dreier-Team

Und fertig ist ein Baukasten. Jedenfalls im Kopf. Leonhard Oschütz ist der Erfinder des Baukastensystems TinkerBots. Sein Freund Matthias Bürger, ist Geschäftsführer und der dritte im Bunde, Christian Gude, ist der technische Leiter.

Christian Gude: "Ich stelle sicher, dass aus den Prototypen auch mal ein Produkt wird, was marktfähig ist, was auch nicht kaputt geht im Kinderzimmer und womit man lange Freude hat."

Nachdem es den Prototypen gab, kam auch schon die Ausgründung. In Bernau bei Berlin haben die drei ihren Kreativsitz. Drei relativ leere Räume mit Computern, großen Tischen, Stühlen, Chipstüten, Keksdosen, Wasserflaschen. Vor allem aber mit vielen bunten Bausteinen.

Leonhard Oschütz: "Das ist ein modularer Robotikbaukasen für Kinder, mit dem man Wesen bauen kann, Modell die sich bewegen, auf Sensoren reagieren.

Bunte Plastikbausteine liegen in dem Kasten. Hunde, Krabben, Bagger, Autos kann man damit bauen. Aber auch Drohnen oder Hubschrauber. Auf den ersten Blick nichts Besonderes. Später wird klar, dieses Spielzeug lebt. Es hat ungewöhnliche Fähigkeiten.

Leonhard Oschütz hat das Baukasten-System entwickelt:

"Dann baue ich jetzt zum Beispiel einfach mal einen Hund zusammen. Das ist ein Modellbeispiel, was wir haben, Moment … (klapper) … das andere Bein zusammen. (klapper)"

Power Brain als Herzstück

Ein sogenanntes Power Brain ist das Herz des Baukastens und gleichzeitig die Brust des Hundes. Es ist ein roter Würfel, etwa vier mal vier Zentimeter groß. Darin sind Akku, ein Bluetooth-Modul und die Steuereinheit für das Ganze System:

"Und zu diesem Power Brain gibt es dann verschiedene Bewegungsmodule zum Beispiel das Knickmodul, das ermöglicht eine Art Gelenkbewegung und dieses Gelenkmodul kann man an jede Würfelseite von diesem Power Brain stecken.

Leonhard Oschütz steckt nun bunte Würfeln und unterschiedlich Module an das Power Brain:

"So, das dritte Bein … so und jetzt noch den hier. Diese Steckverbindung, die wir zwischen den Modulen haben, die ist kabellos. Also man steckt die Bausteine zusammen, sie sind kraft- und formschlüssig, also halten fest zusammen, übertragen aber die Daten und den Strom zwischen allen Bausteinen. Man braucht also keine Kabel mehr. Und wenn die dann miteinander verbunden sind und man das Power Brain anschaltet (tülüt), dann leuchtet der rot und dann bewegt man die Bewegungsmodule, die an das Power Brain angeschlossen sind, wie man halt will. (ritsch-ratsch)"

Er nimmt den Hund in die Hand und bewegt ihn so, wie er später laufen soll. Dann setzt er ihn auf den Tisch und der Hund macht tatsächlich die Bewegungen nach, die ihm vorgegeben wurden. Selbstständig und ohne Fernbedienung.

Leonhard Oschütz: "In jedem Bewegungsmodul steckt ein Servomotor drin und dieser Servomotor hat einen Potentiometer, das ist eine Art Bauelement, der regelt, wie die Motoren sich bewegen sollen, wie schnell und in welche Richtung. Aber das ganze System an ist, kann sich eben die Bewegung, die ich den Motoren zeige, merken."

Fernbedienung mit dem Handy

Das Gedächtnis steckt im Power Brain. Ein Mikrokontroller merkt sich alle Bewegungen und gibt sie wieder. Der Bluetooth Sensor ist die Schnittstelle für andere Geräte. Das Handy oder ein Tablett kann damit zur Fernsteuerung werden. Ein kleines Programm übersetzt die Vorgänge.

Leonhard Oschütz führt es vor. Er nimmt ein handgroßes Auto und ein Tablet PC. Zwei große Kreise sind auf dem Bildschirm zu sehen. Er dreht sie mit den Fingern und lenkt damit das Fahrzeug:

"Ja, und der kann auch per Neigesensor gesteuert werden."

Jetzt neigt er das Tablett in verschiedene Richtungen und lenkt so das Auto. Fortgeschrittene Spieler können auch einen Computer anschließen und das Spielzeug selbst programmieren. Dafür ist der Mikrokontroller Arduino-kompatibel.

Leonhard Oschütz: "Das ist so ne Art Mikrokontroller, der für Designer gemacht ist, der ne einfache Programmiersprache hat und wo die ganzen Kontroller einfach visualisiert sind. Wie man die zum Beispiel mit Motoren und Sensoren verknüpft. Also es kann sozusagen auch ein Interface sein oder für einen Hobbybastler, der ganz einfach mit Elektronik umgeht."

Tests auf Messen zeigen, auch Väter sind sehr an dem Baukasten interessiert, sagt Christian Gude. Und in Schulen spielen Mädchen genauso gerne damit, wie Jungs:

"Prinzipiell gehen wir davon aus, dass es geschlechterunabhängig ist."

Innovation Award auf der Cebit

Auf der Cebit bekam das Baukastensystem TinkerBots in diesem Jahr den Innovation Award. Die Erfinder haben alle Hände voll zu tun. Eine neue Idee zur Marktreife bringen, ist harte Arbeit. Finanzelle Unterstützung bekamen sie von Bund und Land. Geschäftsführer Matthias Bürger:

"Also wir hatten angefangen über ein Exist Gründungsstipendium. Das hat es uns erlaubt uns voll auf das Projekt zu konzentrieren. Das war 2012, also als wir uns zusammen getan haben. Ein Jahr lang lief das Stipendium. Dann hatten wir ein Anschlussstipendium, also eine ganz ähnliche Geschichte nochmal, das läuft jetzt noch bis April."

Derzeit wird der Baukasten über eine internationale Crowdfunding-Kampagne getestet. Dafür nutzen sie die Plattform Indiegogo. Ab Dezember wird es dann ernst: Dann soll TinkerBots in Serie gehen. 

Mehr zum Thema:

10.04.2014 | ELEKTRONISCHE WELTEN
Digitale Persönlichkeit - Die Avatare tanzen lassen
Gestik soll virtuelle Figuren "menschlicher" machen

18.03.2014 | ELEKTRONISCHE WELTEN
Künstliche Intelligenz - Roboter mit Insektenhirn
Der "Neuro-Rover" hat ein künstliches neuronales Netz

Elektronische Welten

MedizinKrank gespielt
Eine Geige, eine Flöte, eine Mundharmonika und ein Banjo liegen auf einem Notenblatt.   (picture-alliance / dpa / Wolfgang Thieme)

Einige leiden unter Kreuzschmerzen, andere bekommen verkrümmte Finger: Viele Musiker leiden unter Berufskrankheiten. Wissenschaftler der ETH Zürich wollen den Ursachen häufiger Beschwerden auf den Grund gehen.Mehr

EmpfehlungenAbenteuer, Strategie, Denkspiel
Das Exemplar einer durchsichtigen Sonderedition des ersten Gameboys ist am 14.04.2014 im Computerspielmuseum in Berlin in einer Vitrine zu sehen. (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)

Im Sommer gibt es wenig Neues auf dem Spielemarkt, wir haben dennoch drei Spiele gefunden. Man kann sich als strategisch denkender Ermittler austoben, sich auf eine gefährliche Insel begeben oder ein Männchen durch ein Level zum Ausgang führen. Mehr

GefahrgutEin Roboter für den Treibstofftransport
Mitarbeiter in der PCK Raffinerie GmbH im brandenburgischen Schwedt  (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)

Roboter gibt es heute in vielen Bereichen. Auch die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt will künftig eine mobile Maschine einsetzen. Dort soll sich ein Roboter sogar in komplexen Situationen von selbst zurechtfinden.Mehr

weitere Beiträge

Wissenschaft und Technik

Drogen"Kommt ein guter Rauch"
Vier E-Shishas (dpa / picture alliance / Daniel Reinhardt)

Eine E-Shisha ist wesentlich kleiner als die orientalische Wasserpfeife und ähnelt in der Funktion einer elektronischen Zigarette. Die meist sehr bunten elektronischen Shishas machen Jugendliche glücklich − Eltern und Suchtexperten sind hingegen besorgt.Mehr

weitere Beiträge

Breitband

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur