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Rang I | Beitrag vom 07.12.2019

Roberto Ciulli in Mülheim: "Boat Memory"Gastarbeiter mit Doktortitel

Roberto Ciulli im Gespräch mit Andre Mumot

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Der Theaterkünstler Roberto Ciulli (imago / Bettina Strenske)
Tritt auch gerne selbst auf der Bühne auf: Roberto Ciulli in Die Kunst der Komödie von Eduardo de Filippo, Theater an der Ruhr, Sommer 2018. (imago / Bettina Strenske)

Roberto Ciulli ist einer der umtriebigsten Theatermacher Deutschlands. Das von ihm mitbegründete Theater an der Ruhr machte sich bereits vor 40 Jahren einen Namen durch multikulturelle Produktionen. Ein Gespräch

In den 1960er Jahren kam Roberto Ciulli aus Italien nach Deutschland und begann bald schon eine außergewöhnliche Theaterkarriere. 1980 hat er das Theater an der Ruhr mitgegründet. Er leitet es heute noch und führt Künstler aus der ganzen Welt zusammen. Gerade ist Ciulli mit dem Faust-Theaterpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Laut Jury steht er wie kein anderer für Diversität und eine offene Gesellschaft. Ciulli ist 85 Jahre alt und unermüdlich. Nächste Woche hat seine nächste Produktion in Mülheim Premiere, "Boat Memory", in der es um die ertrunkenen Menschen im Mittelmeer geht.

Lichttechniker mit Doktortitel

Als Ciulli mit jungen Jahren nach Deutschland kam, arbeitete er als Lastwagenfahrer, verkaufte Zeitungen und fing als Lichttechniker beim Theater an. "Ich war ein besonderer Gastarbeiter, wenn Sie wollen, ein privilegierter, weil ich den Hintergrund eines Doktortitels der Philosophie hatte", erzählt Ciulli. Er durchlief die verschiedensten Berufe am Theater, bis er zum Schauspieldirektor in Köln ernannt wurde. Dort setzte er sich für gerechtere Bezahlung der Theaterschaffenden sowie für die Einführung von Tarifverträgen ein.

Radikal multikultureller Ansatz

Als Ciulli das Theater an der Ruhr gründete, war sein Ansatz ein radikal multikultureller - vor 40 Jahren eine Besonderheit. Heute eifern dieser Philosophie viele Bühnen nach, etwa das Gorki Theater in Berlin. Für Ciulli war schon damals klar: Kultur und kultureller Austausch wird viel zu priviligiert gehandhabt, das sei alles nur über das Goethe Institut gelaufen. "Das war eine Art von Luxusexport und war besonders orientiert auf den Westen, also auf Frankreich, Italien und England." Dass heute immer mehr Theater diversere, migrantische oder internationale Perspektiven einnehmen, geht auch auf die Bemühungen von Roberto Ciulli zurück. Sein neues Stück "Boat Memory" versteht sich ganz in dieser Tradition.

(aba)

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