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Tonart | Beitrag vom 05.06.2018

Robert Kennedy und die MusikEin Song für Bobby

Von Laf Überland

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Robert F. Kennedy 1964 in Deutschland (picture-alliance / Roland Witschel)
Robert F. Kennedy galt selbst als Popstar. (picture-alliance / Roland Witschel)

Jefferson Airplane traten in seinem Wohnzimmer auf, die Sängerin Lesley Gore managte seinen Wahlkampf: Musikalisch schlug sich Robert Kennedy auf die Seite der rebellierenden Jugend, sein Tod hinterließ auch Spuren in ihren Songs.

Robert F. Kennedy hatte mit dieser neuartigen Musik und ihrer Attitüde nicht so besonders viel am Hut. Ja, er hörte Bob Dylan, doch noch lieber Showmusik. Aber weil er sich gegen die Armut und gegen Rassismus einsetze, war er der Mann für die rebellische Jugend. Und weil er aus strategischen Gründen vor allem Kalifornien gewinnen musste, rannte er dort offene Türen ein!

Die jungen Mädchen hatte er mit seinen relativ langen Haren und seinem Jungsgesicht sowieso auf seiner Seite. Aber er traf sich auch mit Intellektuellen der Neuen Linken. Der Beatpoet Allen Ginsberg durfte ihm zum Harmonium sein Hare-Krishna-Mantra vorsingen, und als er erklärte, das sei eine magische Formel, die einen erleuchte, meinte Kennedy: Dann spiel das besser dem Typen im Weißen Haus vor, der hat das nötiger.

Der Politiker wird zum Star

Und weil man inzwischen gelernt hatte, dass das Image schon der halbe Wahlsieg war, wurde dann über Wochenenden bei den Kennedys berichtet, wo Jefferson Airplane im Wohnzimmer spielten, während im Salon auf dem Boden hockend Woody Allen und ein Baseballstar den elf Kindern Kartentricks vorführten – das war cool!

Stars mit politischem Anspruch fingen von sich aus an, sich für Bobby Kennedy einzusetzen: die feministische Partypop-Sängerin Lesley Gore, gerade mal 21, managte die Kampagne für die Jungwähler, und viele Stücke, die von den Tiefladeflächen der Eisenbahn herab gesungen wurde, hatte der wunderbare kalifornische Songwriter John Stewart geschrieben, der mit seiner Frau und immer neuen Songs den ganzen Bobby-Wahlkampf begleitete - gelegentlich mit Freunden wie Linda Ronstadt oder Lindsey Buckingham an der Seite.

Aber im Grunde brauchte Bobby gar nicht so viel Celebrity-Unterstützung: Seine Reise durchs Land ähnelte ja eh schon der Tournee eines Rockstars - bis hin zu kreischenden Menschenmassen, die ihm wie bei den Beatles die Klamotten vom Leibe reißen wollten. Und wenn die Wahlkampf-Kolonne durch die Ortschaften fuhr, schwenkten Unterstützer Plakate, auf denen stand "Bobby Is Groovy!" Und er gewann tatsächlich Kalifornien. Vier Stunden lang konnten sich alle darüber freuen, aber dann ...

Seine Anhänger fallen in Schockstarre

Nach dem Mord fiel der größte Teil der liberal-engagierten Leute in Schockstarre. Nur Jefferson Airplane, für die Robert einer der wenigen Politiker war, denen man trauen konnte, reagierten direkt: Sie nahmen ja gerade ein Antikriegs-Album mit dem Titel "Krone der Schöpfung" auf. Nach dem Attentat hauten sie ein Stück hintendran, dass alle Träume akustisch zerdepperte. Von weiter entfernten Musikern gab es ein paar trauernde Folksongs, aber die meisten jüngeren Musiker reflektierten eher den Zustand der Gesellschaft nach diesem Verlust. David Crosby schrieb "Long Time Gone": Macht das Maul auf! Sagt eure Meinung gegen diesen Wahnsinn! Sagt laut was ihr denkt – wenn ihr euch traut.

Viele aber wollten nach Robert F. Kennedys Tod weiter den unschuldigen Traum von Gerechtigkeit, Frieden, Liebe und Bürgerrechten träumen, die gingen dann im folgenden Jahr als Neuhippies nach Woodstock. Die Ernsthafteren wurden radikaler.

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