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Kalenderblatt | Beitrag vom 05.06.2018

Robert Kennedy starb vor 50 JahrenDie Ermordung eines Hoffnungsträgers

Von Bert-Oliver Manig

Robert F. Kennedy während einer Wahlveranstaltung im Jahr 1968. (picture-alliance / dpa /UPI)
Unmittelbar vor seiner Ermordung feierte Robert Kennedy seinen größten politischen Erfolg - den Sieg in zwei Bundesstaaten bei den Präsidentschaftsvorwahlen (picture-alliance / dpa /UPI)

Nur fünf Jahre nach dem Mord an seinem Bruder John F. Kennedy wurde am 5. Juni 1968 der demokratische Präsidentschaftsbewerber Robert Kennedy erschossen. Mit ihm wurden auch die Hoffnungen auf ein Ende des Vietnamkrieges zu Grabe getragen.

"Senator Robert Francis Kennedy died 1.44 a.m. today, June 6th 1968. He was 42 years old."

Die Hauptnachricht des 6. Juni 1968 war zutiefst verstörend. Zum vierten Mal innerhalb von fünf Jahren war in den USA eine bedeutende politische Persönlichkeit einem Attentat zum Opfer gefallen - nach Präsident John F. Kennedy, den schwarzen Bürgerrechtlern Malcolm X und Martin Luther King nun auch Robert Kennedy, der seinem 1963 ermordeten Bruder nachgeeifert und das höchste Staatsamt angestrebt hatte.

Robert Kennedy wollte das Land versöhnen

Vergebens hatte ein Ärzteteam 25 Stunden lang um das Leben des 42-Jährigen gekämpft. Ein Einwanderer palästinensischer Herkunft hatte in Los Angeles drei Schüsse auf Robert Kennedy abgefeuert. Wie Aufzeichnungen des Täters vermuten ließen, waren Robert Kennedy pro-israelische Äußerungen zum Verhängnis geworden. Nicht zufällig erfolgte das Attentat am 5. Juni, dem Jahrestag des Beginns des Sechstagekriegs, der 1967 zur Besetzung des Westjordanlands durch Israel geführt hatte.

Unmittelbar bevor die Schüsse auf ihn fielen, hatte Robert Kennedy mit Anhängern seinen größten politischen Erfolg gefeiert – den Sieg in zwei Bundesstaaten bei den Präsidentschaftsvorwahlen der Demokratischen Partei, im ländlich-konservativen South Dakota und im urbanen und liberalen Kalifornien. In seiner Dankesrede machte Kennedy klar, dass er sich die Versöhnung der gespaltenen Nation zutraute und den Vietnam-Krieg rasch beenden wollte.

"Wir können anfangen, gemeinsam zu arbeiten. Wir sind ein großartiges Land, ein uneigennütziges Land und ein mitfühlendes Land. Ich beabsichtige, dies zur Basis meiner Kandidatur zu machen. Unser Land will eine andere Richtung einschlagen. Wir wollen uns um unsere eigenen Probleme in unserem eigenen Land kümmern, und wir wollen Frieden in Vietnam!"

Vom Antikommunisten zum Liberalen

Dass es dem jungenhaft wirkenden Kennedy in den Vorwahlen gelungen war, weiße Farmer, pazifistische Studenten und liberale Intellektuelle ebenso wie lateinamerikanische Einwanderer und schwarze Bürgerrechtler für sich zu gewinnen, war tatsächlich ein beachtliches politisches Kapital.

Dabei hatte der katholische Sohn eines Multimillionärs und Vater von zehn Kindern seine politische Laufbahn keineswegs als Liberaler, sondern als Mitarbeiter des rabiaten Antikommunisten Joseph McCarthy begonnen. Als Wahlkampfmanager und enger Berater seines Bruders John F. Kennedy hatte ihm lange der Ruf eines eiskalten Polit-Technokraten angehangen.

Gefühl für soziale Ungerechtigkeit

Doch sein wachsendes Verständnis für die schwarze Bürgerrechtsbewegung, vor allem aber seine Kritik an amerikanischen Kriegsverbrechen in Vietnam überzeugten auch distanzierte Beobachter von der politischen Leidenschaft Robert Kennedys. Der ARD-Korrespondent Gerd Ruge erinnerte sich.

"Ich hatte ihn mehrere Male besucht und schätzte ihn sehr, war sehr beeindruckt von der Verwandlung, die sich in ihm nach dem Tod seines Bruders vollzogen hatte, von einem sehr brutalen Machtpolitiker zu einem Menschen mit einem enormen Gefühl für soziale Ungerechtigkeit in der amerikanischen Gesellschaft und dafür, dass etwas verändert werden musste."

Mit ihm wurden viele Hoffnungen begraben

Nach Robert Kennedys Tod wurde es ein beliebtes Gedankenspiel, sich einen glücklicheren Fortgang der amerikanischen Geschichte auszumalen, wäre er Präsident geworden. Dabei ist es nicht sicher, ob ihn der Parteikonvent der Demokratischen Partei 1968 überhaupt nominiert hätte – sein Hauptrivale, Vizepräsident Hubert Humphrey, besaß immerhin die Unterstützung des Parteiapparats.

Am 8. Juni 1968 wurde Robert Kennedy auf dem Heldenfriedhof in Arlington beigesetzt. Sein jüngerer Bruder Edward hielt die Trauerrede.

"Mein Bruder braucht nicht idealisiert zu werden. Man sollte sich einfach an ihn als einen guten und anständigen Mann erinnern, der etwas Falsches erkannte und versuchte es zu korrigieren, der Leid sah und es zu heilen suchte, und der einen Krieg sah und ihn beenden wollte.

Im November 1968 wurde der konservative Republikaner Richard Nixon zum 37. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Für viele Amerikaner war die Hoffnung auf mehr soziale Gerechtigkeit und ein Ende des Vietnamkriegs schon fünf Monate zuvor mit Robert Kennedy zu Grabe getragen worden.

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