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Studio 9 | Beitrag vom 11.06.2018

Robert De Niro auf den Tony Awards Zu kritisch fürs US-Fernsehen

Von Kai Clement

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Das Bild zeigt den US-Schauspieler Robert De Niro. Während der Verleihung der 72. Tony Awards in der Radio City Music Hallin New York beleidigt er US-Präsident Trump. (Invision/AP/ dpa-Bildfunk/ Michael Zorn )
Robert De Niro beschimpft während der Verleihung der 72. Tony Awards Donald Trump. (Invision/AP/ dpa-Bildfunk/ Michael Zorn )

Und schwups war für ein paar Sekunden der Ton weg: Auf der Verleihung der Tony Awards für die Besten Musicals hielt Robert De Niro eine Rede und beschimpfte dabei wohl auch Donald Trump. Für den TV-Sender CBS war das offenbar zu viel.

Die Moderatoren Sara Bareilles and Josh Groban begrüßen zum Auftakt der 72. Tonys ironisch diejenigen, um die es dann nicht gehen wird: die Verlierer.

Nein zur Unterdrückung

Denn natürlich würdigen die Tonys die Gewinner – und zwar in 26 Kategorien. Den ersten Hauptpreis gibt es nach nur wenigen Show-Minuten: den Tony für die männliche Hauptrolle in einem Theaterstück – er geht an Andrew Garfield für "Angels in America". Er widmet das Stück über Leben und Sterben in den Zeiten von Aids und Ronald Reagan der schwul-lesbischen Gemeinschaft.

"Es geht um einen Geist, der Nein sagt zu Unterdrückung, zu Engstirnigkeit, zu Schmach. Zur Ausgrenzung. Ein Geist der sagt: wir sind alle perfekt geschaffen."

Ein Vierteljahr­hundert nach der Premiere ist Tony Kushners Stück wieder in New York zu sehen. "Angels in America" gewinnt auch den Preis als bestes Revival, den Kushner selbst entgegen nimmt und an die Wahlen im November erinnert. Bis dahin gebe es noch 21 Wochen, um die Demokratie zu retten und das Land zu heilen, sagt er.

"The Band’s Visit" Bestes Musical

Den Hauptpreis als bestes Musical erhält am Ende der langen Nacht "The Band’s Visit". Es ist die Bühnenadaption eines Filmes von 2007 über eine ägyptische Polizeikapelle, die sich in einen israelischen Wüstenort verirrt. Ein Stück über Begegnungen und behutsame Annährungen – über Menschen, die doch gar nicht so unterschiedlich sind, wie sie glaubten, so der Produzent. 

Mit insgesamt zehn Preisen ist das sanfte, fast schon folkloreartige Musical der Gewinner des Abends. Den Hauptpreis als Bestes Theaterstück gewinnt "Harry Potter und das verwunschene Kind". Die Potter-Adaption ist nach der Premiere in London seit April auch am Broadway zu sehen. Allein der aufwändige Umbau des Theaters hat 33 Millionen Dollar verschlungen.

Der seltsamste Moment dieser Preisübertragung

Keine Überraschungen bieten die Spezial-Tonys – etwa für das Lebenswerk von Andrew Lloyd Webber. Billy Joel und Robert de Niro würdigen Bruce Springsteen für dessen One-Man-Show "Springsteen on Broadway" – es zugleich der seltsamste Moment dieser Preisübertragung. Da ist ein Robert de Niro, der zwar spricht, aber plötzlich nicht mehr zu hören ist. Hier der Moment im Video:

Offenbar hatte der bekannte Trump-Kritiker de Niro seinen Auftritt auch für eine wüste Beschimpfung Donald Trumps genutzt – zu viel für den Sender CBS der bei der ein wenig zeitverzögerten Ausstrahlung zensierend eingriff.

Intensive Momente

Stehende Ovationen gibt es für Theaterlehrerin Melody Herzfeld und einige ihrer Schüler – Überlebende der High School in Parkland, Florida, in der ein Attentäter 17 ihrer Mitschüler und Lehrer ermordete. Jetzt singen die Schüler eine Hymne an die Liebe aus dem Musical "Rent".

Es sind intensive Momente wie diese, in denen die Show über sich hinaus wächst und der Broadway sich in der oft ermüdenden dreistündigen Preisverleihung nicht nur selbst feiert.

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