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Tonart | Beitrag vom 29.04.2015

Rio ReiserWarum die jungen Bands ihm nacheifern

Claudia Roth im Gespräch mit Martin Böttcher

Der Sänger Rio Reiser (1950 - 1996), aufgenommen im Dezember 1987 (picture alliance / Horst Galuschka)
Der Sänger Rio Reiser (1950 - 1996), aufgenommen im Dezember 1987 (picture alliance / Horst Galuschka)

In der deutschen Musik-Szene tummeln sich heute viele Bands, deren Sänger wie Rio Reisers Enkel klingen. Claudia Roth, ehemalige Managerin der Reiser-Band "Ton Steine Scherben", sagt dazu: Reisers Authentizität beeindruckt eben auch den Nachwuchs.

Claudia Roth gerät noch heute, fast zwanzig Jahre nach dem Tod  Rio Reisers, ins Schwärmen, wenn sie von dem früheren Sänger der Band "Ton Stein Scherben" spricht. Die Grünen-Politikerin und frühere Band-Managerin wundert es nicht, dass heutige Bands  wie Wanda, Chuckamuck oder Die höchste Eisenbahn alle ein wenig so klingen wie die Enkel Rio Reisers.

Und das scheint eine bewusste Entscheidung zu sein: weniger Silbermond, Juni, Neue Deutsche Welle-Pathos, sondern ein bisschen mehr Rotzigkeit. Man könnte auch sagen: Mehr Authentizität. Und gerade diese hat Claudia Roth immer sehr an Rio Reiser bewundert.

Singen über die Liebe

"Dass habe ich von Rio auch gelernt: Dass es gar nicht darum geht, platt Agitprop zu machen, sondern dass das Private in der Tat politisch ist. So wie ich liebe, wie ich lebe – das hat ganz viel mit Politik zu tun und mit Gesellschaftspolitik zu tun. Und es war gar nicht so leicht, in einer revolutionären, anarchischen Zeit zu sagen: 'Ich singe jetzt über meine Liebe - wie ich lieben will'."

Claudia Roth, stellvertretende Parlamentspräsidentin des Bundestages  (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)Die Grünen-Politikerin Claudia Roth war drei Jahre lang Managerin der Band Rio-Reiser-Band Ton, Steine, Scherben (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

Rio Reiser habe sich damals viel harte Kritik anhören müssen: Er solle gefälligst Revolution machen - "und nicht über so einen Liebesscheiß" Lieder machen. Doch genau dieser vermeintliche "Liebesscheiß" sei ja das Bedeutende und Besondere gewesen: In einer Zeit, in der Homosexualität noch unter Strafe stand, habe Reiser sich zu seinem Schwulsein bekannt.

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