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Konzert / Archiv | Beitrag vom 18.11.2014

RIAS KammerchorAlles Beethoven - oder was?

Aufzeichnung aus dem Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin

RIAS Kammerchor (Matthias Heyde)
RIAS Kammerchor (Matthias Heyde)

Dem sechzehnten Ludwig reichte Luigi Cherubini sein c-Moll-Requiem hinterher, viele Jahre nach dessen Hinrichtung in den Wirren der Revolution. Beethoven wünschte sich dieses Werk Cherubinis als eigene Begräbnismusik. Sie trifft hier auf Beethovens Übestück für "Freude schöner G.", die Chorfantasie und auf die erste Sinfonie des "französischen Beethoven" George Onslow.

Fixstern dieses außergewöhnlichen Programms ist also letztlich Ludwig van Beethoven. Mit seiner Fantasie für Chor, Klavier und Orchester hat er für das Mammutprojekt seiner Neunten Sinfonie Dehnungsübungen geleistet und den Weg für das seltsame Zwitterwesens zwischen Oratorium und Sinfonie geebnet. Die Musik, vor allem die dramatischen und sakralen Werke des Wahlparisers Luigi Cherubini verehrte Beethoven immens (und war sich in dieser Verehrung mit dem älteren Kollegen Joseph Haydn einig). Der Komponist George Onslow wiederum galt im 19.Jahrhundert als der "französische Beethoven", auch wenn sein Name eher englisch klingt.

Dreißig Jahre nach dem Guillotine-Tod des letzten französischen Königs vor der Revolution war man dem Ancien Regime gegenüber gnädiger gestimmt und wollte für ein würdiges Nach-Begräbnis des Herrschers sorgen - Luigi Cherubini schrieb für diesen halbstaatlichen Akt sein c-Moll-Requiem, ein beeindruckend dramatisches und spirituelles Stück, das sogar dem Rivalen und Pariser Platzhirschen Hector Berlioz Worte der Anerkennung abverlangte.

George Onslow wiederum war ein origineller Komponist, der die Wiener Klassik bis hin zur Romantik weiterentwickelte. Dass man ihn als den "Französischen Beethoven" bezeichnet, wird seiner Eigenart letztlich nicht gerecht. Der aus englischem Adle stammende Künstler war wirtschaftlich unabhängig und musste sich keinem Massengeschmack anpassen, andererseits auch keinen modischen Idealen folgen und blieb mit seiner Kammermusik, aber auch seinen nicht so zahlreichen Orchesterwerken immer am Rande der europäischen Musikwelt stehen. Erst in den letzten Jahrzehnten entdeckt man den besonderen Wert seiner Musik.

Der junge Solist Sebastian Wienand in Beethovens Chorfantasie hat sich auf das Spiel von Cembalo und Fortepiano spezialisiert. Er arbeitet regelmäßig als Generalbassspieler mit dem Freiburger Barockorchester und anderen Ensembles für Alte Musik zusammen, ebenso bei Opernproduktionen von René Jacobs. Das Freiburger Barockorchester und der RIAS Kammerchor kooperieren gern und häufig, im Konzertsaal genauso wie bei bei CD-Einspielungen. Mit diesem Programm kommen der RIAS Kammerchor und das Freiburger Barockorchester direkt aus Dijon und Freiburg nach Berlin.

Dirigent des Konzerts ist der junge Argentinier Leonardo García Alarcón, künstlerischer Leiter des belgischen Kammerchors Namur in Wallonien und als Organist mehrerer Kirchen in Genf, als Cembalist und Musikwissenschaftler ein Spezialist für Alte Musik.

 

Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal

Aufzeichnung vom 8. November 2014

 

Luigi Cherubini

Requiem c-Moll

 

George Onslow

Sinfonie Nr. 1 A-Dur op. 41

 

Ludwig van Beethoven

Fantasie c-Moll op. 80 für Klavier, Chor und Orchester

 

Sebastian Wienand, Pianoforte

RIAS Kammerchor

Freiburger Barockorchester

Leitung: Leonardo García Alarcón

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