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Konzert / Archiv | Beitrag vom 26.05.2013

Rhythmus der Moderne

Bamberger Symphoniker mit "Sacre"

Jonathan Nott, Chefdirigent der Bamberger Symphoniker (Thomas Müller)
Jonathan Nott, Chefdirigent der Bamberger Symphoniker (Thomas Müller)

Die Wucht, mit der das Werk einst auf das Publikum traf, die atemberaubende Mischung aus Schock und Faszination, die es auslöste, schwingt noch heute mit in jeder guten Aufführung des "Sacre". Mit ihm lenkte Strawinsky die musikalische Moderne in eine ganz neue Richtung. Auf den Tag genau 100 Jahre nach der skandalträchtigen Pariser Premiere am 29. Mai 1913 feiern die Bamberger Symphoniker zum Abschluss der Saison die Geburtsstunde dieses unvergleichlichen Meisterwerks.

Ein heidnisches Opferritual ist kein Zuckerschlecken. Das musste auch das Publikum der Pariser Uraufführung von Igor Strawinskys "Sacre" erfahren - und verursachte einen der größten Skandale der Musikgeschichte. Geschockt reagierten die Besucher im Théâtre des Champs-Elysées auf das Bühnengeschehen, aber auch auf die neuartige Musik mit ihren scheinbar ungezügelten rhythmischen Verläufen, ihren heftigen Entladungen musikalischer Energien, mit denen Strawinsky seiner Vision der "Bilder aus dem heidnischen Russland" klangliche Gestalt verlieh. Und ganz nebenbei dem Ballett ebenso wie dem Komponieren im 20. Jahrhundert entscheidende Impulse verlieh.

Als Béla Bartók 1936 vom Geiger Zoltán Székely um ein neues Violinkonzert gebeten wurde, schlug der ungarische Komponist vor, ein großes Werk in Variationen-Form zu schreiben. Da Székely aber ein dreisätziges Konzert, der Konvention entsprechend, wünschte, erklärte sich Bartók einverstanden – um durch die Hintertür doch noch sein ursprüngliches Anliegen in die Tat umzusetzen. Sein Violinkonzert Nr. 2 ist ein Bekenntnis zur klassisch-romantischen Tradition eines Mendelssohn oder Brahms und erkundet doch, typisch für ihn, ganz neue Wege.

»Dieses Orchester besitzt eine große innere Kraft, einen vom Herzen stammenden Klang«, sagt Jonathan Nott über die Bamberger Symphoniker. Als vierter Chefdirigent in der Geschichte des Orchesters trägt er seit 2000 die künstlerische Verantwortung für die Bayerische Staatsphilharmonie, mit der er bis auf den heutigen Tag weit mehr als 500 Konzerte gegeben hat - in der oberfränkischen Heimatstadt des Orchesters und rund um den Globus, von Salzburg bis Edinburgh, von New York bis Tokio. Eine künstlerische Partnerschaft wie diese, über viele Jahre gewachsen, besitzt Seltenheitswert in der heutigen Musikwelt. Für seine künstlerischen Verdienste wurde Jonathan Nott 2011 als erster Künstler mit dem Ehrenring der Stadt Bamberg ausgezeichnet, im gleichen Jahr erhielt er den Bayerischen Verdienstorden.

Künstlerische Grenzen scheint es für Thomas Zehetmair kaum zu geben. Geigerische ohnehin nicht: Seit seinem Salzburg-Debüt vor 35 Jahren hat sich der Ausnahmemusiker das Violinrepertoire bis in die entlegensten Winkel erspielt, von Paganinis Capricen bis zu den Konzerten eines Karl Amadeus Hartmann, Karol Szymanowski oder Hans Holliger. Aber auch als Dirigent oder dirigierender Solist erobert er sich die Konzertpodien der Welt. Derzeit Chef der Northern Sinfonia, übernimmt er ab der Saison 2012/2013 zusätzlich das Chefamt beim Ensemble Orchestral de Paris.



Festspielhaus Baden-Baden
Aufzeichnung vom 25.05.2013


Béla Bartók
Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 Sz 112

ca. 20:50 Uhr Konzertpause mit Nachrichten

Igor Strawinsky
"Le sacre du printemps"


Thomas Zehetmair, Violine
Bamberger Symphoniker
Leitung: Jonathan Nott

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