Mariah Blake: Die Vergiftung der Welt

PFAS - das unsichtbare Gift

05:40 Minuten
Auf dem Buchcover "Die Vergiftung der Welt. Der globale PFAS-Skandal und wie er vertuscht wird"ist eine Landschaftsaufnahme zu sehen, durch die ein Fluss fließt. Die Farben des Wassers und des Himmels erzeugen ein Gefühl von Gefahr.
© oekom Verlag München

Mariah Blake

Karsten Petersen

Die Vergiftung der Welt. Der globale PFAS-Skandal und wie er vertuscht wirdoekom, München 2026

336 Seiten

25,00 Euro

Von Günther Wessel |
Audio herunterladen
PFAS finden sich in der Antihaftbeschichtung von Pfannen und Waffeleisen, in Plastikflaschen und wasserabweisender Kleidung, in Zahnseide und Kosmetika. Journalistin Mariah Blake deckt auf, wie diese schädlichen Substanzen die Welt vergiften.
Ewigkeitschemikalien sind überwiegend Per- und Polyfluoralkylsubstanzen, kurz PFAS, also Stoffe, die sich in der Umwelt nur sehr langsam oder gar nicht abbauen.
Ursprünglich für militärische Anwendungen entwickelt, haben PFAS inzwischen unsere Erde überschwemmt. Sie kommen im Grundwasser und im Gletschereis des Himalayas vor, verschmutzen landwirtschaftliche Nutzflächen, reichern sich in Pflanzen und Tieren an und stecken in Nahrungsmitteln, egal, ob konventionell oder biologisch angebaut.

Auslöser zahlreicher Krankheiten

Das Problem: PFAS können zahlreiche Erkrankungen auslösen – von Fettleibigkeit über Unfruchtbarkeit zu Schilddrüsenerkrankungen. Außerdem werden sie für Immunsuppression, neurologische Probleme und Schwangerschaftskomplikationen sowie zahlreiche Arten von Krebserkrankungen verantwortlich gemacht.
Mit der Krebserkrankung von Ersel Hickley aus Hoosick Falls, einer Kleinstadt im Norden des Bundesstaates New York, beginnt Mariah Blakes spannendes Recherche. Hickleys Sohn Michael sucht nach dem Tod seines Vaters Ersel auf dem Dachboden des Elternhauses Familienfotos.
Er stolpert dabei über Plastikfässer, die sein Vater aus der örtlichen Teflon-Fabrik mit nach Hause gebracht hatte. Ein verblasstes Etikett auf ihnen weist auf „giftige Gase“ hin. Der Sohn wird stutzig. Haben die Fässer und die Fabrik etwas mit dem Krebs des Vaters und der tödlichen Erkrankung anderer Menschen im Ort zu tun? Haben sie das Trinkwasser der Stadt verseucht? Michael Hickey testet sein Leitungswasser: Die Ergebnisse zeigen gefährlich hohe PFAS-Werte.
Mariah Blake erzählt, wie Hickey weiter recherchiert und auch andernorts Bürger gegen Chemiekonzerne klagen. Die US-amerikanische Journalistin schreibt über Menschen, die verzweifeln, weil ihre Angehörigen an Krebs erkranken und sterben – und über Menschen, die gegen Konzerne kämpfen, die sich für ihre Gemeinden einsetzen und am Ende auch siegen oder zumindest entschädigt werden.
In den USA wurde das Buch gefeiert, die Washington Post beschrieb es als „Chronik eines der größten moralischen Skandale unserer Zeit“

Die Industrie wusste Bescheid

Spannend und erschütternd, mitunter auch pathetisch und zu ausführlich, liegt die Stärke des Buches darin, dass die Autorin die persönlichen Lebensgeschichten mit der Geschichte der Chemiekonzerne spiegelt. Die wussten früh, dass PFAS gesundheitsgefährdend sind, doch sie leugneten es zunächst. Später erst geben sie es bruchstückweise zu, lobbyieren aber für möglichst hohe Grenzwerte.
Gestützt durch eine Regelung, die von der Chemieindustrie in den USA bereits in den 1920er-Jahren durchgesetzt wurde und bis heute gilt: Produkte und Substanzen gelten so lange als unbedenklich bis das Gegenteil bewiesen ist. Wirkliche Verbote für PFAS und andere Ewigkeits-Chemikalien sind bislang in keinem Land der Welt in Sicht. Mariah Blakes fundiert recherchiertes und wissenschaftlich abgesichertes Buch ist vielleicht der erste Schritt dahin.
Mehr zu PFAS