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Studio 9 | Beitrag vom 03.02.2015

ReproduktionsmedizinDrei genetische Eltern für ein gesundes Kind

Von Jochen Spengler

Eine Frau steht an einer Anlage, an der Spermien und Eizellen eingefroren werden. (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)
Künstliche Befruchtung ist schon lange erlaubt, doch Großbritannien - das Mutterland von Klonschaf Dolly - will nun einen Schritt weiter gehen. (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)

In Großbritannien stimmt das Unterhaus darüber ab, ob zukünftig eine neuartige Gentherapie in der Reproduktionsmedizin angewandt werden darf. Kritiker befürchten, dass sei ein weiterer Schritt in Richtung Designer-Babys.

In Großbritannien wurde 1953 die Struktur der DNA  entdeckt, 1978 das erste Retortenbaby und 1996 mit dem Schaf Dolly das erste geklonte Säugetier geschaffen. Nun dürften sich die Briten erneut an die Spitze der Reproduktionsmedizin setzen und als weltweit erstes Land erlauben, dass ein Baby drei Eltern hat, um schwere Erbkrankheiten wie Muskelschwund, Herzfehler oder Hirnschädigung auszuschließen.

Solche Defekte werden verursacht von fehlerhaften Mitochondrien. Das sind die Kraftwerke der Zellen. Mit einem neuen Verfahren sollen die defekten Mitochondrien im Eiplasma der leiblichen Mutter gegen die gesunden einer nicht belasteten Spenderin ausgetauscht werden. Dazu entfernen Mediziner die Zellkerne von Vater und Mutter aus einer befruchteten Eizelle und verpflanzen sie in eine gesunde Eizelle der Spenderin. Professorin Sally Davies, Englands oberste Medizinbeamtin, beruhigt:

Wie den Akku im Laptop wechseln

"Wir pfuschen nicht daran herum, wer wir sind. Die Schlüssel-Gene unser Mutter und unseres Vaters, die festlegen, wie wir aussehen und uns verhalten, die liegen im Zellkern. Die Gene in den Mitochondrien schaffen überhaupt keine elterliche Verbindung, sie stellen bloß Energie bereit, damit die Zellen funktionieren."

Wissenschaftler vergleichen das Verfahren damit, den Akku in einem Laptop zu wechseln. Am Ende trägt der Embryo nur 37 Gene von der Spenderin, aber 22.000 Gene der leiblichen Eltern. Und die Erbkrankheit wäre eliminiert auch für kommende Generationen. Wissenschaftler und Ethiker aber befürchten, dies könnte ein weiterer Schritt in Richtung Designer-Babys sein.

"Ein Kind muss doch bedingungslos geliebt werden, unabhängig von seinen Eigenschaften. Wenn wir damit beginnen, die Charakteristika eines Kindes zu manipulieren, dann machst Du es nur zu einer weiteren Konsumware", 

...wendet der Gentechnik-Kritiker David King ein. Und auch die anglikanische und die katholische Kirche warnen vor einer vorschnellen Entscheidung zugunsten der Drei-Eltern-Babys. Reverend Brendan McCartney, Berater der Church of England:

"Es muss ganz klar sein, dass die Technik sicher ist und funktioniert. Es geht um Ethik, um Wirksamkeit und um Sicherheit. Und die Kirche sagt lediglich, bis diese drei Punkt nicht gewährleistet sind, sollte es kein Gesetz dazu geben."

Die Regierung weist die Einwände der Kirchen zurück

Noch fehle es an verlässlichen Daten und man benötige weitere ethische und wissenschaftliche Studien. Doch diese Einwände weist die Regierung zurück; es gab eine öffentliche Anhörung, drei wissenschaftliche und eine ethische Studie und alle waren für das Verfahren. Jeremy Farrar ist Direktor des Wellcome Trust, der einen Teil der  Forschungen finanziert hat:

"Ich bin davon überzeugt, dass es sicher ist. Sieben bis zehn Jahre lang gab es gewaltige Anstrengungen, die Sicherheit zu überprüfen. Und nun sollten wir diese Technik jenen Familien anbieten, die erschütternde Erfahrungen gemacht haben mit Kindern, die unter der Krankheit leiden."

Dazu gehört Sharon Bernardi. Sechs ihrer Kinder starben kurz nach der Geburt, Sohn Edward überlebte schwer behindert bis letztes Jahr – da war er 21.

"Wir spielen doch nicht Gott. Es geht doch darum, dass Kinder überleben. Kein Kind sollte geboren werden mit einer solch tödlichen Krankheit. Ich kann nicht glauben, dass irgendeiner in der Kirche das den Paaren wünscht."

Untersuchungen zufolge soll eines von 5.000 Babys eine schwere mitochondrische Störung aufweisen. Allein in Großbritannien seien 2.500 Frauen im gebärfähigen Alter gefährdet, die Krankheit auf ihre Kinder zu übertragen. Stimmt das Parlament dem Gesetz zu, dann könnten die ersten Drei-Eltern-Babys Mitte nächsten Jahres das Licht der Welt erblicken.  

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